
Das Verdienst, die Kolonisation Wagriens, des nördlichen Teiles der Landschaft zwischen der Kieler Förde und der Lübecker Bucht, eingeleitet zu haben, gebührt Graf Adolf II. von Schauenburg, der aus seiner Heimatgrafschaft stammende Bauern zur Besiedelung Wagriens in das Land rief.
Einst "Lubodne", jetzt "Laboe" |
1226 kam das Gebiet zwischen dem Köhner Mühlbach im Osten und der Hagener Au im Westen sowie der angrenzende Wald in den Besitz des Klosters Preetz. Laboe wurde zwischen 1226 und seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1240 als deutsches Dorf gegründet, jedoch bestand vermutlich bereits vorher ein slawisches Fischerdorf namens "Lubodne", zu deutsch "Schwanenort"; das Wappentier Laboes, der Schwan, läßt sich also auf den alten slawischen Namen zurückführen.
Wälder und Wölfe |
Das deutsche Dorf Laboe war ursprünglich als Rundangerdorf ("Rundling") angelegt: Um den kreisförmigen Platz, den Dorfanger, waren die Bauernhäuser gruppiert. Das Dorf wurde begrenzt durch einen rundum verlaufenden befestigten Erdwall, der die in großer Zahl in den umliegenden Wälder hausenden Wölfe davon abhalten sollte, nachts auf den Dorfanger zu kommen, auf dem abends das Vieh zusammengetrieben wurde.
Nach dem ältesten überlieferten Kornzinsregister des Klosters Preetz, hatte Laboe 1434 12 Hufen ( Bauernhöfe einer Größe von ca. 25 bis 30 ha ), nach dem Hebungsregister von 1643 10 Vollhufen, 1 Viertelhufe und 13 Katen. In der 1. Hälfte des 19.Jahrhunderts hatte Laboe ca. 450 Einwohner, später wuchs die Bevölkerung stark an.
Historischer Kampfplatz |
1643 kam es auf dem "Rütersoll" - beim heutigen Friedhof - zu einer Schlacht zwischen den um die Vormachtstellung an der Ostsee kämpfenden Dänen und Schweden; Laboe wurde bei dem Gefecht fast vollständig niedergebrannt.Beim Mergelgraben wurden fünfzig in einem Massengrab liegende Skelette, Waffenteile und Münzen gefunden.
Laboe wird Hafenplatz |
Die Geschichte Laboes als Hafenort beginnt erst Anfang des 19. Jahrhunderts, als die wenigen Laboer Fischer - von 350 damals in Laboe lebenden Menschen ernährten sich nur zehn vom Fischfang - an der Ostseite des heutigen Hafenbeckens eine sogenannte Landungsbrücke bauten.
Ab 1850 wurde dann aus Geldspenden Probsteier Bürger und mit Hilfe des Klosters Preetz ein Hafen gebaut. Dieser erlangte dadurch große Bedeutung, daß über ihn fast die gesamte Ein- und Ausfuhr der Probstei abgewickelt wurde. Noch bis in die zwanziger Jahre hinein stauten sich die mit Korn und Raps beladenen Pferdefuhrwerke der Bauern am Kai.
Auch für die Kriegsmarine hatte Laboe eine gewisse Bedeutung, da der Hafen den Umschlag von Material für die Küstenbefestigung ermöglichte.
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges setzte auch in Laboe ein Niedergang des Handels ein; Frachtschiffe kamen nur noch selten. Die Fischer mähten in dieser Zeit Seegras, trockneten es und verkauften es nach Hamburg als Matratzenfüllungen, oder sie tauchten nach Granaten, die die Marine beim Übungsschießen verschoß, nach Schrott oder Steinen.
Zur Segelolympiade 1936 wurde der Hafen an der Südmole ausgebaut, um die vielen Fahrzeuge der Regattasegler aufnehmen zu können; im selben Jahr wurde auch das Wahrzeichen Laboes, das 85 m hohe Marine-Ehrenmal, eingeweiht. Es mahnt heute an die während der beiden Weltkriege auf See Gebliebenen aller Nationen.
Hafenausbau: Olympia 1936 |
In den letzten Kriegstagen suchten viele Schiffe aus dem Osten Zuflucht in den Häfen der westlichen Ostsee; nach Kriegsende blieb ein Teil der Besatzungen und verstärkten Laboes kleine Fischereiflotte.
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111 | Erquickung durch ein Bad anno 1900 |
Die Anfänge der Entwicklung Laboes zum Ostseebad liegen etwa im letzten Drittel der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Kieler Professor, der die Semesterferien regelmäßig in Laboe verbrachte, riet den Einwohnern, ihre Einkünfte durch Zimmervermietung während der Sommermonate zu verbessern; er selbst förderte die Kurbadbestrebungen durch Werbung im Freundes- und Verwandtenkreis.
Verschönerungsverein warb um Gäste |
1886 wurde der Verschönerungsverein gegründet, dessen Aufgabe die Erhöhung der Attraktivität Laboes durch Anlegen von Wegen und Plätzen und durch Baumbepflanzungen war. 1914 übernahm die Badeverwaltung seine Aufgaben. Die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg waren für den Ausbau des Bades von großer Bedeutung.
Die kaiserliche Marine, der Ausbau der Kieler Werften, die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals und der wirtschaftliche Aufschwung bildeten ein solides Fundament für den Tourismus.
In den zwanziger Jahren wurde der Kurpark angelegt und eine Lesehalle mit Musikpavillion errichtet. Einen großen Aufschwung nahm das Bad mit dem Kommen der KdF (Kraft durch Freude) - Urlauber, der Einweihung des Marine-Ehrenmals und der Segelolympiade. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Neuanfang kam die neue Lesehalle vor dem Kurstrand hinzu.
Einrichtungen für Gäste wurden gebaut |
Auch in Zukunft werden sicher noch neue Aufgaben und Herausforderungen an die Gemeinde und den Kurbetrieb herantreten und sicher auch zum Wohl der Laboer Bürger und ihrer Gäste gelöst werden können.
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Bild: Archiv Helmut Schlitt
Aus der Feder des Historikers Stefan Dombrowski