Einzigartige Ostsee

Die Ostsee - die Einzigartigkeit des Mare Balticum

Niedrigwasser

In vielen Anrainerländern wird die Ostsee auch Baltisches Meer genannt (lat. Mare Balticum). Ihre westlichste Stelle liegt am Westende der Flensburger Förde, der nördlichste Punkt befindet sich an der schwedisch-finnischen Landesgrenze am Bottnischen Meerbusen, die östlichste Stelle beim russischen Sankt Petersburg und der südlichste Punkt ist das Südende des Stettiner Haffs. Die Kieler Bucht gehört zur sogenannten südlichen Beltsee. Die tiefste Stelle des Binnenmeeres ist mit 459 m das Landsorttief bei Gotland. Im Durchschnitt ist die Ostsee 50 m tief, die Außenförde vor Laboe hat sogar nur 12-16 m Tiefe. Die Ostsee gilt als das größte Brackwassermeer der Welt.

Was ist ein Brackwassermeer?

Die Ostsee besteht aus einer Mischung aus Süßwasser und Meerwasser. Von der Nordsee strömt das Meerwasser ein, im östlichen Teil führen die Flüsse Süßwasser zu. Folglich ist auch der Salzgehalt der Ostsee höchst unterschiedlich: In der Kieler Förde beträgt er 15 Promille, in der zentralen Ostsee in der Höhe von Gotland nur noch 7 Promille und im finnischen Meerbusen geht der Salzgehalt gegen 0. Zum Vergleich dazu hat die Nordsee einen Salzgehalt von 35 Promille.

Warum sind die Tiere in der Ostsee kleiner als anderswo?

Die Ostsee ist in der Weichsel-Eiszeit entstanden und erdgeschichtlich betrachtet mit 10.000 – 14.000 Jahre ein recht junges Gewässer. Alle Tiere sind nach dem Ende der Eiszeit aus der Nordsee oder den umliegenden Süßgewässern eingewandert. Es gibt keine Art, die nur alleine in der Ostsee vorkommt (endemische Arten). Für die Tiere, die entweder an einen hohen Salzgehalt oder Süßwasser angepasst sind, ist diese Einwanderung in ein Gewässer, das nicht ihren optimalen Lebensbedingungen entspricht Stress. Permanent müssen sie ihren Salz- und Wasserhaushalt aufrecht erhalten (osmotischer Stress). So sind die Nordsee typischen Tierarten fortlaufend beschäftigt Wasser abzugeben, um Salz aufzunehmen, die Süßwasserlebewesen haben den osmotischen Stress mit zu viel Salz. Folglich haben die Tiere weniger Energie für ihr Wachstum und sind dementsprechend kleiner als in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Beispielsweise wird der Seestern in der Nordsee bis zu 40 cm groß, in der Kieler Förde nur noch 10 cm groß. Weiter nach Osten nehmen die Bestände ganz ab.

Gibt es in der Ostsee auch Gezeitenwechsel wie an der Nordsee?

Es gibt entgegen der landläufigen Meinung tatsächlich auch einen Tidenhub an der Ostsee. Die westliche Ostsee unterliegt einer regelmäßigen Tide mit 15 cm bei Wismar und 10 cm in Warnemünde. In der mittleren Ostsee liegt die Amplitude unter 5 cm. Da wir selten Windstille haben, fällt dieser Unterschied aber selten auf. Spannender ist an der Ostsee der sogenannte Badewannen-Effekt, ein durch Wind erzeugtes Hochwasser, dass dazu führt dass das Wasser in der Ostsee wie in einer Badewanne überschwappt.

Dieser Effekt tritt beispielsweise auf, wenn bei starkem Süd-West Wind erhebliche Wassermassen Richtung Finnland und Baltikum gedrückt werden und es in der nordöstlichen Ostsee zum Hochwasser kommt. Folglich sinkt in der westlichen Ostsee der Wasserstand und wir erleben das sogenannte Windwatt, dass man in Laboe auf der dem Kurstrand oder dem Naturerlebnisraum vorgelagerten Sandbank im Winterhalbjahr regelmäßig verfolgen kann. Manchmal kann man bei starken Westwind bis zur Fahrrinne hinauslaufen. Dann heißt es nur aufpassen, denn wenn der Wind „einschläft“ schwappt das Wasser sofort zurück – und dann werden manchmal auf dem Weg zurück die Füße nass....

Und wenn der Wind dann dreht und die Wassermassen zurückschwappen, reichen die wenigen nicht sehr hohen Deiche der deutschen Ostseeküste nicht, um Überschwemmungen zu verhindern. Das letzte sehr schwere Hochwasserereignisse war am 21. Februar 2002 mit 1,65 m mittlerer Wasserhöhe über NN.