Aus Seenot retten - so geht´s

Chris Hartmann von der Seenotleitung in Bremen zeigt Besuchern am Schiffssimulator in Laboe, wie ein Rettungseinsatz abläuft. Uwe Buick aus Delmenhorst, selbst freiw. Seenotretter, macht den Praxisvergl. Ergebnis: Im Original geht`s besser. Foto Schmidt

Laboe. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat ihr neues Informationszentrum in Laboe vorgestellt. Direkt am Hafen, in Verlängerung des bereits bestehenden Rettungsschuppens und in Nachbarschaft des Seenotrettungskreuzers „Berlin“, können sich nun Besucher auf unterschiedlichste Weise ein Bild von der Arbeit der Seenotretter machen. 

Wer das lichtdurchflutete Gebäude mit rotblauer Klinkerfassade betritt, kommt am Seenotkreuzer-Fahrsimulator nicht vorbei. Er ist quasi das Herzstück des Infozentrums und lockt Laien wie Profis. Uwe Buick aus Delmenhorst, selbst als freiwilliger Seenotretter auf Rettungsbooten unterwegs, macht den Praxisvergleich. Per Knopfdruck startet er die simulierte Rettungsaktion. Sein Seenotrettungskreuzer wird von der Seenotleitung in Bremen alarmiert: Eine brennende Segeljacht treibt auf der Ostsee, zwei Personen schwimmen im Wasser. Buick startet die Maschine, legt das Ruder scharf steuerbord, verlässt mit gedrosselter Maschine den Hafen. Eine Hand am Steuerrad, die andere am Fahrthebel, muss er aufpassen, dass das Heck seines Kreuzers nicht die Kaikante küsst. Langsam passiert er die Hafenausfahrt. Jetzt muss er Fahrt aufnehmen und gleichzeitig nach dem Havaristen Ausschau halten, volle Kraft voraus. Der Funkverkehr rauscht, die Maschine dröhnt, die Wellen donnern unter dem Bug – die Geräusche aus dem Kopfhörer schaffen ein Gefühl für die Situation. Dann endlich: die brennende Jacht in Sicht. Jetzt muss das wendige Tochterboot zu Wasser, um möglichst nahe an die Verletzten heranzukommen. Buick zirkelt, spielt mit Ruder und Fahrthebel, langsam voraus, wieder zurück. Das Steuerbord- Heck muss an die schwimmende Person herangebracht werden, um sie an Bord zu hieven. Ganz ohne Hilfe von Fachmann Chris Hartmann aus dem Bremer Trainingszentrum schafft er es nicht. „Im Original geht es leichter. Aber man bekommt ein Feeling dafür, was alles notwendig ist in einer solchen Situation“, sagt Buick. Genau so soll es sein. Jörg Ahrend, Leiter des Infozentrums, betont: „Wir sind kein Museum, sondern wollen bewusst die moderne Technik darstellen, mit der die Seenotretter ausgerüstet sind.“ Eines freue ihn besonders: „Wir können hier die Moderne mit der Historie verbinden, denn neben dem gerade eingeweihten Zentrum finden sich alle drei bisher genutzten Rettungsschuppen der DGzRS in direkter Nachbarschaft.“ Er dankt allen Spendern und Mitgliedern, aber vor allem der Gemeinde Laboe, die den Bau ermöglicht hat – und insbesondere geht der Dank an den vergangene Woche verstorbenen Bürgermeister Walter Riecken. Für ihn gibt es eine Schweigeminute. Die 1894 eingerichtete Station in Laboe gehört zu den ältesten Stationen der DGzRS in Schleswig-Holstein. In Laboe sind neun fest angestellte Seenotretter und etwa 30 Freiwillige unter der Leitung von Vormann Michael Müller im Einsatz. Insgesamt hat die DGzRS 180 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter, 60 Seenotrettungskreuzer und -boote an 54 Stationen zwischen Borkum und Usedom. _ Das neue DGzRS-Informationszentrum hat montags bis freitags, 8 bis 17 Uhr, und ab 27. März auch an den Wochenenden geöffnet. Der Fahrsimulator kann jederzeit ohne Anmeldung kostenlos benutzt werden. Zudem gibt es Räume für Vorträge und Seminare. Von Astrid Schmidt 

Quelle: Kieler Nachrichten

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