Weniger Kartoffelrose lässt die Veilchen sprießen

Sie wurde vermutlich von Campern "angesiedelt": Die Taglilie ist keine typische Strandpflanze, fühlt sich hier aber offensichtlich wohl. Foto Stoltenberg

Laboe (pst) Im vergangenen Jahr gab Laboes Naturerlebnisraum wieder Anlass für diverse Diskussionen. Im Zentrum stand dabei die zugewanderte Kartoffelrose, die eigentlich im asiatischen Raum beheimatet ist. Das Problem: Ist „Rosa Rugosa“ erstmal vor Ort, breitet sie sich aus und schränkt damit den Lebensraum heimischer Pflanzen ein. Aber auch sonst gibt es im Naturerlebnisraum viele interessante Pflanzen, die schmackhaft sind oder gar nicht, weil giftig, die schön aussehen, heilsame Wirkungen haben oder auch auf kuriosen Wegen in ihre „Wahlheimat“ Naturerlebnisraum gelangt sind. Dort haben sie wortwörtlich Wurzeln geschlagen und bereichern die pflanzliche Vielfalt. Zum ersten Mal in diesem Jahr lud Diplom-Geografin Susanne Hörger-Ahlers zur Führung durch Laboes Naturerlebnisraum. 

Aber nicht nur diese eine „Rosa Rugosa“-Pflanze, sondern rund 200 verschiedene Arten hat Hörger- Ahlers im Naturerlebnisraum ausgemacht, auch die zum Teil seltenen Tiere, die hier Station machen, liefern spannende Geschichten. Welche das sind, das erzählt Susanne Hörger-Ahlers gern ihren Gästen. Zum Beispiel am Donnerstag, 30. April, ab 10 Uhr. Dann haben Besucher eine weitere Gelegenheit an einer Führung teilzunehmen. Laboes Naturerlebnisraum ist einer von über 60 in ganz Schleswig- Holstein. Und die sind auf unterschiedliche Art entstanden. In Laboe wurde das Strandgebiet im Schatten des Ehrenmals vor zehn Jahren zum Naturerlebnisraum erklärt. Aber gerade im Bereich der ehemaligen „Baggerrinne“, die für den Transport des U-Boots gegraben wurde, hat sich wortwörtlich einiges bewegt. Im Laufe der Jahrzehnte entstand so sogar ein eigenständiger „Strandsee“. Von anfänglich acht Hektar wuchs der Naturerlebnisraum auf jetzt stolze zehn Hektar. Vor zehn Jahren wurde ein Bereich des späteren Naturerlebnisraums noch als Campingplatz genutzt. Und die Camper waren es wohl auch, die die für eine Dünenlandschaft eher untypische „Taglilie“ als ewiges Andenken hinterließen. Die scheint sich trotz widriger Bedingungen aber fest angesiedelt zu haben. Vielleicht war es einer der Camper oder ein Spaziergänger, der einstmals das Gehäuse eines Apfels in die Landschaft warf: diesem Zustand jedenfalls haben es die Laboer und ihre Gäste zu verdanken, dass es heute auch ein Apfelbäumchen im Naturerlebnisraum gibt. Für hitzige Diskussionen sorgte der Plan der Gemeinde, „Rosa Rugosa“ in großen Teilen zu entfernen, um heimischen Pflanzen eine Chance zu geben. Manch ein Gemeindevertreter und auch Laboer sprachen sich dafür aus, der Natur doch ihren freien Lauf zu lassen. Auch wurde monniert, dass man einem seltenen Gimpel durch die Abrodung das Vogelleben schwer machen würde, weil der bevorzugt in „Rosa Rugosa“ brüten würde. Aber seitdem die ausufernde Kartoffelrose in Teilen beseitigt wurde, gibt es auch wieder Interessantes zu berichten. Denn, so Susanne Hörger- Ahlers: „Wir haben jetzt beobachtet, dass sich hier schöne Veilchenkissen entwickelt haben.“ Interessant ist aber auch die Geschichte der anderen Pflanzen wie Tausendgüldenkraut, Nachtkerze oder Küsten-Engelwurz. Auch Feldsalat und Johanniskraut gehören zu den Pflanzen, über die man hier einiges erfahren kann. Ganz besondere „Zuwanderer“, die allerdings für Laien erstmal aussehen wie irgendein Gras, sind das Sand-Schillergras, der Büschel- Federschwingel und das Knollen- Rispengras, die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet sind, aber in Laboe eine neue Wahlheimat gefunden haben. Der Naturerlebnisraum war aber auch schon deshalb im vergangenen Jahr immer wieder Gesprächsthema, weil seine Beschilderung erneuert werden soll und muss. Denn zum einen ist eine der großen Schautafeln beschmiert und beschädigt worden – zum Anderen soll Besuchern eindeutig der Weg gewiesen werden. Auch, um zu verhindern, dass manche zum Teil seltenen Seevögel bei der Brut gestört werden. 

Quelle: Probsteier Herold

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