Wie viel Kunst verträgt der Hafen

Diese Walfischflosse ist nur eine von sechs Skulpturen, die der Laboer Kunsthandwerker Dieter Roespel in drei Monaten Arbeit als Krönung der Granitstelen zwischen Parkplatz und Hafenpromenade gefertigt hatte. Fotos Schmidt

 

Laboe. Eigentlich ist es ein stimmiges Bild, das sich den Besuchern im neu gestalteten Hafen in Laboe bietet. Nun aber trüben Irritationen um Skulpturen des Laboer Kunstschmieds Dieter Roespel die Freude. Dieser hatte in drei Monaten Arbeit – offenbar im Vertrauen auf Absprachen mit dem verstorbenen Bürgermeister Walter Riecken – sechs Skulpturen für die Granitstelen zwischen Parkplatz und Hafenpromenade in ehrenamtlicher Arbeit angefertigt. Doch die Stelen sind jetzt nackt. Kurz vor der Eröffnung der neuen Anlage ließ Roespel seine Arbeiten wieder entfernen. Hintergrund: Die wellenförmig gestalteten Bänke zwischen Parkplatz und Hafenpromenade sollten, unter anderem als Schutz, eine deutlich sichtbare Abgrenzung zu den parkenden Fahrzeugen erhalten. Dazu wurden auf Anregung des Bauleiters Konstantin Schulz-Wulkow und in Absprache mit Bürgermeister Walter Riecken Granitstelen aufgestellt, wie Schulz-Wulkow erklärte. Den i-Punkt darauf sollten maritime Skulpturen bilden, die der Laboer Kunsthandwerker Dieter Roespel fertigen sollte. Er wollte sie der Gemeinde stiften. Wie das Ganze optisch wirken würde, war bekannt, denn Roespel hatte bereits das Kunstwerk vor dem Rathaus gestaltet, ebenfalls aus Granit und Stahl (wir berichteten). Schulz-Wulkow montierte also die fertigen Figuren (eine Walfischflosse, ein Segelschiff, Fische und Möwen) auf den Granitstelen und verhüllte sie mit Papphüllen, um die Überraschung nicht vorweg zu nehmen. Als allerdings wenige Tage vor der Eröffnung eine letzte Begehung und Abnahme mit den Gemeindevertretern erfolgte, gab es Irritationen. Denn keiner der Anwesenden kannte die Absprachen zwischen Roespel und Riecken. „Wir haben nichts Schriftliches, es gibt keinen Beschluss“, erklärte unter anderem Carsten Leonhardt (WfL) auf Nachfrage. Auch Ulrike Mordhorst (SPD) sagte, sie kenne nichts Derartiges. Uneinig waren sich die Ortspolitiker auch, ob überhaupt „noch so viel Kunst an den Hafen passt“. Das war dem Künstler dann doch zu dumm. „Ich will der Gemeinde nichts schenken, was sie nicht will“, sagte er. Kurzerhand sägte Schulz-Wulkow die bereits montierten Werke wieder ab. Auch zeigte Dieter Roespel im Rahmen der Einweihungsfeier seine Arbeiten in einer kleinen Ausstellung. Einige Gemeindevertreter seien bereits auf ihn zu gekommen, um einzulenken, berichtete Roespel. „Ich hoffe jetzt, dass sie sich noch einig werden und die Skulpturen wieder montiert werden können“, sagte Roespel.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

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