Kieler Kreuzer im Glück

Ein großes Modell des Kreuzers „Prinz Eugen“ steht seit gestern im Außengelände des Marineehrenmals. Das Schiff hat seine Besatzung fast unversehrt durch den Zweiten Weltkrieg gebracht und wurde danach von den USA übernommen

Der Kreuzer „Prinz Eugen“ steht für das, was die meisten Marinesoldaten im Krieg nicht hatten. Diesem in Kiel gebautem Schiff und seiner Besatzung war das Glück ein treuer Begleiter.
Trotz aller Brutalität des Seekriegs überstand das Schiff bis zum Kriegsende vor 70 Jahren fast alle Gefechte ohne Schäden. Nur ein Torpedo traf den Kreuzer. Den Werdegang dieses Schiffes zu dokumentieren, hat sich der Eutiner Unternehmer Bernd Brandes zum Lebensinhalt gemacht.  Gestern übergab Brandes dem Deutschen Marinebund ein über 10 000 Euro teures Modell des Schiffes. Aufgestellt in einer Vitrine soll die Nachbildung die Erinnerung an den Kreuzer und seine Besatzung wachhalten. „Frieden durch Verstehen“, heißt das Motto, unter dem Brandes das Modell einweihte.  Karl Heid, Präsident des Deutschen Marinebundes, nahm das Modell symbolisch entgegen. In der Außenanlage soll es jetzt zusammen mit einem Propeller des Schiffes symbolhaft an die Brutalität der Kriegsgeschehnisse erinnern und Mahnmal sein. „Ein dramatischeres Schicksal als das der Prinz Eugen und der Männer, die auf ihr dienten, lässt sich kaum vorstellen“, sagte bei der Einweihung Jann M. Witt, Historiker des Marinebundes. Als Erinnerungs- und Lernort wolle sich das Marineehrenmal bewusst mit der Geschichte auseinandersetzen, sagte Witt.  Die Geschichte der 215 Meter langen „Prinz Eugen“ ist legendär. Bei Ausbruch des Weltkriegs lag das fertige Schiff an der Pier der Kieler Krupp-Germania Werft. Es wurde am 1. August 1940 in Dienst gestellt. Der Kreuzer war bei der Schlacht im Atlantik dabei, überstand zahllose Luftangriffe und half 1945 in der Ostsee Flüchtlingen aus Polen und dem Baltikum. Trotz aller heftigen Gefechte lag das Schiff am 9. Mai 1945 nahezu unbeschädigt in Kopenhagen. Die Tanks waren leer, so konnte die „Prinz Eugen“ nicht mehr auslaufen. Die Besatzung folgte nicht dem Beispiel anderer Marine-Einheiten und versenkte ihr Schiff nicht. „Die Prinz Eugen galt als das glückhafte Schiff der Kriegsmarine“, so Witt.  „Im Dezember 1945 fiel das Schiff per Losentscheid als Kriegsbeute an die USA“, berichtete der Historiker. Nach gerade fünf Dienstjahren war der Kreuzer zu damaliger Zeit noch modern. „Das Schiff ist danach zu einem Symbol für die Verständigung auf Marineebene geworden“, erinnerte Spender Brandes. So sei die Überführung 1946 in die USA ein kaum bekanntes Beispiel deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit. „500 deutsche und 500 amerikanische Besatzungsmitglieder brachten das Schiff in die USA“, so Brandes. Im Pazifik wurde die „Prinz Eugen“ schließlich für Waffentests mit Atombomben eingesetzt. Zwei Explosionen überstand der Kreuzer. Bei einem Schleppversuch jedoch drang Wasser durch die Propellerwellen ein und das Schiff sank. Noch heute liegt der gekenterte Rumpf kieloben im seichten Wasser des Kwajalein-Atolls. Von Frank Behling
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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