Zerreden ist nicht Trumpf

 

Was ist der Vorteil einer Demokratie? Ganz klar: Menschen, die eine Meinung haben, dürfen diese frei äußern. Tun sie das aber sehr wortreich und nicht frei von gewissen Wiederholungen, hat die freie Meinungsäußerung auch ihre Nachteile. Manch eine Nachbargemeinde merkt angesichts von partiell entgleisenden Sitzungen schon mal an, dass in der Sitzung beinahe schon „Laboer Verhältnisse“ herrschten. Wie sich wiederum die Laboer zu diesem mitunter zweifelhaften „Vorbild“ entwickelt haben, zeigte sich mal wieder sehr deutlich in der vergangenen Sitzung des BSKS-Ausschusses. Statt sachorientiert Themen zu einer möglichst einhelligen Beschlussfassung zu führen, wurde endlos über Einzelheiten diskutiert, musste sich der eine Fraktionsvertreter unbedingt nochmal zu Wort melden, nur um seinem Vorredner beizupflichten. Ein Vertreter brachte schließlich das Grundproblem des wortreichen Abends auf den Punkt, indem er sagte: „Lasst uns doch hier nicht die Spitzfindigkeiten diskutieren. Wir zerreden den ganzen Vertrag, anstatt das Projekt Freya-Frahm-Haus auf den Weg zu bringen.“ Und darin besteht eines der Probleme der kommunalpolitischen Laboer Diskussionskultur: Nicht wenige der Gemeindevertreter haben ein ausgeprägtes Faible für Spitzfindigkeiten und das eigene gesprochene Wort. Derart ausschweifende Diskussionen führen dann auch dazu, dass man sich am Ende fragt, ob man beschließen wollte, dass es sich bei der AWO um eine gemeinnützige Institution handelt? Was wiederum insofern überflüssig ist, als die AWO das wohl schon vor Jahrzehnten selber beschlossen hat. Die Reaktionen im Publikum waren absehbar. „Das ist ja hier schlimmer als `Neues aus Büttenwarder“, meinte ein Laboer, ein anderer schlug vor, die kommende Sitzung für Youtube aufzuzeichnen, nicht ohne die Anmerkung: „Das glaubt uns aber bestimmt keiner, der das anklickt.“ Der Sitznachbar zitierte wiederum einen namhaften Comedian, der einst feststellte: „Es gibt Sachen, die kann man sich nicht schön saufen.“ Nichts gegen die freie Meinungsäußerung, aber den gemeinnützigen Gedanken der AWO zu konstatieren ist ähnlich überraschend, wie wenn Jemand verkündet, dass Fische seiner Ansicht nach nicht zu den Säugetieren gehören. Und freie Meinungsäußerung besteht nicht darin, frei und umfangreich Worte von sich zu geben, die vielleicht vorher vom sich Äußernden nicht ganz auf Sachdienlichkeit überprüft wurden. Ein roter Faden ist dabei immer schön. Dann könnte man viel Zeit und Luft sparen und keiner würde einem ewig Gestrigen in die Hand spielen, der sich nach der vergangenen BSKS-Sitzung die Monarchie zurück wünscht. Philine Stoltenberg
Quelle: Probsteier Herold

 

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