Auf großer Forschungsfahrt

Meeresbiologe Uli Frank hat auf der Forschungsbarkasse „Sagitta“ viel zu berichten. © Astrid Schmidt

 

Laboe. Seestern, Strandkrabbe, Ostseeschwamm und Co. einmal ganz aus der Nähe betrachten – das können Einheimische und Urlaubsgäste mit der Forschungsbarkasse „Sagitta“. Sie gehört zur Meeresbiologischen Station in Laboe von Karl Deutschmann und geht mit allen Wissbegierigen vor Laboe auf Entdeckungstour. Der Wind bläst an diesem Tag mit Stärken von vier bis fünf, und für Laien hat es den Anschein, als würde nichts aus der Forschungsfahrt. Doch Meeresbiologe Uli Frank beruhigt die zwölf Passagiere, die tapfer auf die Barkasse steigen. Rita (7), Jenne (8), Lucie (4) und Noel (7) bekommen eine Schwimmweste, die Erwachsenen müssen sich festhalten. Das Schiff nimmt Kurs auf die Sandbank und je weiter sich der Gewerbehafen entfernt, desto kippeliger wird die Welle. Doch Mut und Wissensdurst werden belohnt, denn schon nach wenigen Minuten erreicht das Boot das Flachwasser. Bei einer Tiefe von etwa vier bis fünf Metern senkt Uli Frank den Fangkorb ab, zieht ihn etliche Meter über den Grund. Was im Netz dann an Bord gefördert wird, wirkt zunächst enttäuschend: Als Bootsmann Bernie das Netz aufzieht, schwappt eine grau-schwarze Pampe aufs Deck. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich als voll mit Leben: „Wir haben hier in der Ostsee nichts Spektakuläres oder Überraschendes, aber trotzdem gibt es über alle Lebewesen eine Menge zu erzählen“, erklärt Frank. Er sortiert alles Sehens- und Wissenswerte in das Wasserbecken, in dem sich die ganze Faszination Ostsee tummelt. Rita und Jenne interessieren sich besonders für die Seesterne, die in verschiedenen Größen und Farben zu sehen sind. Und das scheint auch für Frank das vielseitigste, weil von Mutter Natur mit vielen Finessen ausgestattete, Tier zu sein, das er präsentieren kann. „Was frisst ein Seestern“, will Jenne wissen. Der Achtjährige ist mit seinen Großeltern Angelika und Wolfgang Drews aus Preetz auf Ferientour und staunt nicht schlecht, dass dieser kleine Seestern Miesmuscheln fressen soll. Die Forschungsfahrer erfahren, wie das funktioniert, dass der Seestern seinen Magen quasi über seine Beute stülpt und sie dann verputzt. Sie hören auch, dass ein Seestern seine Arme abwerfen und neue ausbilden kann und wie er sich mit seinen Tausenden von Füßen fortbewegt. Alle dürfen den Seestern selbst auf die Hand nehmen, ihn von vorn und hinten begutachten. „Er fühlt sich ein bisschen rau und stachelig an“, beschreibt Rita das Gefühl in ihren Händen. Kein Wunder, denn die Seesterne gehören zum Stamme der Stachelhäuter. So intensiv betrachten die Gäste auch die Strandkrabbe, die ihren Panzer in Abständen komplett abwirft, um sich einen neuen, größeren anzulegen. Inzwischen hat die Sonne Oberhand über die Wolken gewonnen, das Schiff hat längst wieder Kurs auf den Laboer Hafen genommen, viel zu schnell ist für die Forscher die Stunde vergangen, da sind sich alle einig.
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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