Bauboom machte vor Bauer nicht halt

Der Hafenpavillon steht seit 2004 unter Denkmalschutz und muss dringend saniert werden. Doch die Gemeinde hat dafür kein Geld und denkt über einen Verkauf nach

Laboe. Es wird wohl in keinem Ort derzeit an so vielen Plätzen gebaut, wie im Ostseebad Laboe. Das mag zum einen mit dem historischen Zinstief und dem Bauboom insgesamt zusammen hängen, zum anderen aber wohl auch mit der alten Bausubstanz, die vor allem im Oberdorf in sehr unterschiedlichem Zustand und in privatem Besitz vorhanden ist.
Da weichen die (zumindest von außen) nett anzusehenden Reetdachkaten nüchternen Mehrfamilienhäusern – eine Entwicklung, die Gemeinden nur selten selbst in Händen haben. Ein Trend ist in Laboe besonders zu beobachten: Lückenbebauung geht einher mit Verdichtung. Denn aus damals traditionell großen Grundflächen im durch Landwirtschaft geprägten Oberdorf werden heute meist Bauflächen für mehrere Häuser mit kleinen, zeitsparenden Grundstücken oder Geschosswohnungen. Damit, so erklärt Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst, folge die Gemeinde auch einer Vorgabe der Landesplanung. Denn die setze vor allem auf die innerörtliche Bebauung, bevor neue Baugebiete am Ortsrand entstehen. „Die Gemeinde kann eine Bebauung nur über einen Bebauungsplan steuern, mehr Möglichkeiten haben wir nicht“, so die Bürgermeisterin weiter. Doch nicht für jedes einzelne Grundstück lohne es sich, einen B-Plan aufzustellen. „Hier müssen auch Aufwand und Nutzen stimmen“, meint Mordhorst. Ohne B-Plan könne die Gemeinde lediglich genau hinschauen, dass sich die Neubauten in die umgebende Bebauung einpassen, wie derzeit am Steinkampberg oder im Brodersdorfer Weg. Auch dürfe ein B-Plan nicht erst erlassen werden, wenn es bereits eine Bauvoranfrage gegeben habe, wie im Beispiel Ecke Brodersdorfer Weg/Steinkampberg. Dort musste der sogenannte B-Plan 40 zurück genommen worden. Denn: „Ein B-Plan darf kein Verhinderungsplan sein darf“, so Mordhorst. Das Thema Denkmalschutz sei nur „sehr schwer umsetzbar“. Um einen Abriss zu verhindern, müsste die Denkmalbehörde ein Gebäude als „besonders erhaltenswert“ einstufen und ins Denkmalbuch des Landes eintragen. Ein „einfaches Kulturdenkmal“ reicht da nicht aus, wie 2009 in Falle der Maschinenhalle Bauer. Die gehörte zuletzt zur Industriebrache, die über 20 Jahre lang am Einfallstor zum Laboer Hafen das Ortsbild beeinträchtigte und schließlich neu bebaut werden sollte. Denn nach mehreren missglückten Versuchen, einen Investor für das Gelände zu finden, waren sich am Ende alle einig: Ein Neubau würde dieses Areal aufwerten. Anlieger liefen Sturm gegen die Bebauung, alarmierten die Denkmalschutz-Behörde und die Maschinenhalle Bauer wurde als sogenanntes „einfaches Kulturdenkmal“ festgeschrieben. Das hinderte den Eigentümer aber keinesfalls, das Gebäude abzureißen. Die Gemeinde konnte den mühsam gefundenen Investor bei der Stange halten, auch wenn er sich von seinen Maximalvorstellungen verabschieden musste. Entstanden ist „Portland“ – eine lichte Terrassenbebauung. Zudem bringen die rund 60 Wohnungen einen Zuwachs an Einwohnern – einziges wirkungsvolles Mittel, um zusätzliches Geld in die Gemeindekasse zu bekommen. Denkmalschutz, das zeigt sich am Beispiel des Hofes Wiese, ist vor allem vom Eigentümer selbst abhängig. Doch so viel Enthusiasmus und gut erhaltene Grundsubstanz finden sich nur selten hinter den historisch-wertvoll anmutenden Fassaden. So würden sich die Kommunalpolitiker am liebsten von dem seit 2004 unter Denkmalschutz stehende Hafenpavillon am Laboer Hafen trennen: Seit Jahren wird über einen Verkauf des architektonisch besonderen Gebäudes nachgedacht. Hintergrund ist eine lange Liste von Sanierungs- und Reparaturarbeiten (Leitungen, Dach und energetische Sanierung) mit Kosten in sechsstelliger Höhe. Ein Gutachten erbrachte vor zehn Jahren bereits einen Aufwand für die denkmalgerechte Sanierung von rund 700 000 Euro (nach heutigem Preisniveau). Doch weil in diesem Falle der Denkmalschutz einen Abriss verbietet, findet sich trotz bester Lage zwischen Rosengarten und Kommunalhafen kein Käufer. Eine, ebenfalls private, Initiative hat sich in Laboe zumindest auf dem Papier mit dem Bewahren alter Höfe und Gebäude befasst. So hat die Laboerin Traute Krull 2005 ein Buch über den Rundling in Laboe herausgegeben und 2008 ist in Regie der damaligen Bürgermeisterin Karin Nickenig eine Informationstafel am Probsteier Platz dazu aufgestellt worden. So ist es ein kleiner Beitrag der Gemeinde, damit auch die Neubürger in Laboe erfahren können, wie ihr Dorf einst aussah. Quelle: Kieler Nachrichten

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