Von der Erde aus in den Himmel klettern

Auch der namensgebende Anker vor der Kirche war ein Thema

Laboe (pst) Es kommt vergleichsweise selten vor, dass die Kirchgänger noch vor dem Gottesdienst aufgefordert werden, beim „Vaterunser“ bitte nicht aufzustehen und überhaupt während der Veranstaltung sitzen zu bleiben. Außerdem übte Kantor Eckhard Broxtermann die Lieder und das „Kyrie Eleison“, damit man es nicht nur, „bis zum Elbtunnel, sondern bis zum Sauerland hören könnte“. Nein, am vergangenen Sonntag wurde nicht Deutschlands Supergottesdienstbesucher gecastet – das Radio war zu Gast, um einen Gottesdienst aus einem schleswig-holsteinischen Urlaubsort live zu übertragen. Monatelang hatten Pastorin Andrea Noffke und das Team der Anker- Gottes-Kirche diesen besonderen Radiogottesdienst vorbereitet.
Ein riesiger Übertragungswagen, vollgepackt mit modernster Übertragungstechnik, stand vor der Laboer Kirche, denn der Gottesdienst wurde live übertragen. Zuerst wollte man von Helgoland aus übertragen, aber das wäre wohl zu aufwändig gewesen. Also wurde die Live-Übertragung aus der Laboer Kirche zu einer echten Premiere für das Ostseebad. Und weil das nun einmal auch für sein buntes Kirchenleben bekannt ist, wurde die Übertragung, insbesondere in musikalischer Hinsicht, ein echter Erfolg. Denn Eckhard Broxtermann übte nicht nur die Lieder so ein, dass sie auch bis ins „Sauerland zu hören sind“, er hatte auch die Laboer Kantorei als „Verstärkung“ eingeschworen und ein vielseitiges Programm erarbeitet, in dem schließlich auch Trompetensoli zu hören waren. Pastorin Andrea Noffke hatte sich zum besonderen Gottesdienst das Thema „Wovon sollen wir träumen?“ ausgesucht. Dabei ging es natürlich auch um Urlaubsträume und „Jakobs Traum von der Himmelsleiter“ – einer Leiter, mit der man von der Erde aus in den Himmel klettern kann. Um aber nicht nur wieder Bilder aus der Bibel zu bemühen, hatte Noffke echte Laboer unterschiedlichen Alters eingeladen, damit diese von ihren Träumen erzählen konnten. Und die, so merkte die Pastorin an, können schon mal Schäume sein und zerplatzen oder sie geben uns Einblicke in unbegrenzte Welten. Eine Laboerin wünschte sich, wieder mehr Zeit für das zu haben, das Andere vor ihrer Haustür im Urlaub genießen, vom Disneyland war da die Rede und dem Traum davon, dass die Touristen nicht immer die Parkplätze vor zwei Supermärkten am Ortseingang vollparken – das tun aber eigentlich die Laboer nur an Weihnachten, Silvester und zum Ostereier-Einkauf. Und dass Andrea Noffke einen besonderen Gottesdienst gestaltete, erkannte man schon an den diversen Mikros, von denen das eine grün und rot leuchtete, als Zeichen dafür, dass Laboe „on Air“ war. Furios war der musikalische Ausklang, der wohl bei Manchem die Frage aufwarf, ob sich der wahre Glaube nicht schon über die entsprechende Musik erschließt und über weniger Worte. Auf jeden Fall hatten sich die Laboer bei ihrer ersten Live-Übertragung aus der Kirche sehr wacker geschlagen. Der Gottesdienst, so teilte Claudia Aue als „Schnittstelle“ zwischen NDR und Anker-Gottes- Kirche mit, wurde außer über NDR Info auch über WDR5 und NRW Kultur übertragen, die sich mit eingeklinkt hatten. Ein Mitschnitt auf CD ist beim Sender erhältlich.
Quelle: Probsteier Herold

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