Werke verraten Persönliches

Hans-Peter Schmidt wollte zuerst sein Lieblingsbild vom Untergang der Pamir ausstellen. Stattdessen wählte der Enkel von Robert Schmidt-Hamburg einen Kohledampfer aus

Laboe (pst) Kirchenkurator Ulrich Vester hatte die Idee, eine Ausstellung mit den Lieblingsbildern der Laboer zu zeigen. Dafür startete er einen Aufruf im Kirchenblatt. Und die Resonanz war nicht nur in quantitativer Hinsicht erstaunlich. Viele Lieblingsbilder erzählen ganz persönliche Geschichten. Die können in einem begleitenden Text gelesen werden. Jetzt waren einige Laboer ins Gemeindehaus gekommen, um die Eindrücke noch etwas zu vertiefen. Die Ausstellung „Mein Bild – Lieblingsbilder der Laboer“, ist noch bis zum 30. August im Gemeindehaus der Anker-Gottes- Kirche zu sehen. Das Bild, das Werner und Sonja Zangel zur Verfügung gestellt haben, ist ein Werk des namhaften Künstlers Ben Siebenrock und zeigt eine uralte Platane auf dem Mönkeberger Stangenberg. Ben Siebenrock ist Bildhauer, malt aber auch und wurde für seine vielfältigen Arbeiten mit diversen Preisen ausgezeichnet. Und Siebenrock ist der Einladung seines Jugendfreundes gefolgt und gleich mit ins Gemeindehaus gekommen. Zangel: „Wir kennen uns schon seit der Kindheit, sind beide auf dem Ostufer groß geworden.“ In der Schule habe man damals manchmal noch Knickerbocker getragen. Später entschied sich Zangel für den Werdegang als Beamter, Behindertenlehrer und Heilpädagoge, sein Freund Ben wählte das „unruhige Leben des frei schaffenden Künstlers“. Mit Erfolg im In- wie Ausland. Von 1974 bis 84 hatte Siebenrock ein Atelierhaus auf eben jenem Stangenberg, auf dem auch die imposante Platane stand – und immer noch steht. Zangel und seine Frau wollten das Bild unbedingt haben, denn, so Zangel: „Dieses Bild hat mich schon immer sehr stark inspiriert, der Baum hat für mich eine beinahe schon mystische Wirkung.“ Kein Wunder, dass das Bild der Platane, übrigens eine der größten im hohen Norden, so einen hohen Stellenwert für das Laboer Ehepaar hat, genau wie der Künstler selbst, denn: „Wir haben uns nie ganz aus den Augen verloren.“ Beim Namen Robert Schmidt-Hamburg schlagen die Herzen der Freunde der Marinemalerei höher. Denn Schmidt-Hamburg, der zur See fuhr und sich schon vor Ort immer wieder von den unterschiedlichsten Motiven inspirieren ließ, war später Wahl- Laboer und wohnte in seiner Villa mit direktem Blick auf den Strand. Kein Wunder, dass Hans-Peter Schmidt das Bild von einem Kohledampfer wählte, auf dem sein Vater als Offizier unterwegs war. Und nicht nur deshalb: denn Schmidt ist der Enkelsohn von Robert Schmidt-Hamburg. Schmidt: „Als Kind war ich sehr viel bei meinen Großeltern in Laboe.“ Dort hatte er dann auch Gelegenheit, seinem Großvater beim Malen über die Schulter zu schauen. Obwohl, das eigentliche Lieblingsbild, auch von seinem Großvater gemalt, erwies sich als etwas zu groß für die Laboer Ausstellung. Schmidt: „Es zeigt den Untergang des Segelschiffs Pamir.“ Und ist eines von rund 300 Bildern aus Schmidts Besitz. Der Wahl-Laboer: „Einige Bilder sind auch unvollendet.“ Schmidt zog es zuerst auch auf große Fahrt. Nachdem er auch das Kapitänspatent gemacht hatte, wechselte er schließlich in die IT-Branche. Freia Steinmann ist Künstlerin, und was lag da näher, als ihr Lieblingsbild selber zu fertigen? Heute lebt und arbeitet sie in der Hauptsache in Geesthacht, aber vielen Laboern dürfte sie als Tochter des Tischlers Walter Lepthien ein Begriff sein. In Geesthacht nimmt sie regelmäßig an Ausstellungen teil, für eine wird sogar eine Kirche ausgeräumt. Walter Lepthien hatte in der Strandstraße seine Werkstatt und aus der stammen auch die Materialien für Freia Steinmanns eigenwillige, aber besondere Jesus- Darstellung. Steinmann: „Wir mussten in der alten Werkstatt den Boden erneuern.“ Als sie die alten Nägel aus dem Fußboden entfernte und auch eine alte Holzplatte, kam ihr die Idee, die alten Materialien in einem Kunstwerk nochmal zu neuem Leben zu erwecken und so gleichzeitig eine Erinnerung an die Kindheit zu bewahren. Aber man kann auch wie Maria und Bernhard Markfers ganz spontan von einem Bild begeistert sein, ohne dass man mit der Künstlerin verwandt, bekannt oder sogar identisch sein muss. Ihre „Wasserträgerin mit eingearbeitetem Gold von Helmine Kühnemann haben sie „wegen der Farben“ wahrgenommen und weil es „irgendwie mystisch wirkte.“ Und das Experimentelle hat sie gereizt und das, was man im Bankenwesen wohl völlig konzeptlos, in der Kunst aber innovativ nennt, denn: „Das Bild war kein Geplantes, sondern spontanes.“
Quelle: Probsteier Herold

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