„Sie sind schöner als andere, weil sie eine Seele haben“

Ingo List hat mit seiner "Kosmos" schon bei der Klassiker-Regatta der Kieler Woche den Bug ganz vorn gehabt. Fotos: Stoltenberg

Laboe (pst) Sie heißen „Socorro“, „Tilly“ oder „Kosmos“ und sind der elegante Beweis dafür, dass die Oldtimer-Yachten bei Regatten ihren neumodischen Kunststoff-„ Kollegen“ in nichts nachstehen müssen. Am vergangenen Donnerstag war der Bootsverkehr auf den Straßen rund um Laboe besonders stark. Denn traditionell reisen einige Teilnehmer der „German Classics“ nicht auf dem Wasserweg an – sie haben ihre Yacht „Huckepack“ genommen und reisen auf dem Landweg an. Denn wieder hatte der „Freundeskreis klassischer Yachten“ zur größten und beliebtesten Klassiker-Veranstaltung eingeladen.

Über 150 klassische Yachten unterschiedlichster Typen sorgten im Laboer Hafen für ein malerisches Getümmel. Denn wie nicht selten hatte das Wetter ein Einsehen mit den Freunden und Besitzern alter, jung gebliebener Yachten. Allerdings sorgte es am ersten Regattatag mit wenig Wind dafür, dass nur eine Regatta gefahren wurde, die stolze vier Stunden dauerte. Aber wie immer hatten die üblichen Favoriten wie etwa „Vim“ den Bug vorn. Den Freunden klassischer Yachten geht es aber nicht darum, olympische Rekorde zu brechen – eine zentrale Rolle spielen der Gedankenaustausch, das gesellige Beisammensein und natürlich auch der Restaurierungspreis. Für den gab es in diesem Jahr gleich drei Bewerber. Eine Jury muss dann entscheiden, wer seinen Klassiker am originalgetreuesten und am zeitaufwendigsten wieder auf Vordermann gebracht hat. Den Zuschlag für den Restaurierungspreis 2015 bekam schließlich die „Libertas 2“. Denn deren Besitzer hatte sich alle Mühe gegeben, möglichst viele ursprüngliche Bauteile zu organisieren und viel Zeit und Liebe investiert, um sie wieder einzubauen. Andere Klassiker Yacht-Eigner setzen nicht auf Eigenarbeit sondern bemühen lieber Fachleute für die Verschönerung und Verjüngung ihrer Yachten. Wieder andere Yachten werden in tadellosem Zustand von einer Generation zur nächsten weiter gegeben. Auf jeden Fall waren sich alle Klassiker- Freunde einig, dass das neu gestaltete Hafenumfeld eine „Bühne ist, die man gut bespielen kann“. Als eine besonders sympathische und lustige Crew gilt die Mannschaft oder in diesem Fall „Frauschaft“ auf der „Kosmos“. Die hat der Kieler Ingo List vor fünf Jahren erstanden. Die Yacht, eine so genannte „Mälar 30“ wurde 1944 von einem schwedischen Ehepaar selbst gebaut und ist seitdem durch viele Hände gegangen. Jetzt liegt sie in Stickenhörn. Ingo List hatte mehrere gute Gründe, um sich eine Klassiker- Yacht zuzulegen. Zum einen ist er schon seit Jahrzehnten begeisterter Segler. Außerdem hat er die „Kosmos“ zu einem Bruchteil der Summe erstanden, die Käufer für eine moderne Kunststoffyacht berappen. Und last but not least spricht der IT-Fachmann das aus, was nicht nur die Besitzer der schönen, jung gebliebenen Yachten denken. List: „Die Klassiker sind schöner als Plastik- Yachten – sie haben eine Seele.“ Dass er mal wieder mit einer reinen Frauencrew unterwegs ist, hat auch einen einleuchtenden Grund. Denn, so List: „Männer schalten bei Regatten oft in den aggressiven Kampfmodus um und neigen schon mal zum Pöbeln. Mit Frauen lässt es sich entspannter segeln.“ Ein Konzept, das offensichtlich aufgeht. Denn gerade hat der 47-Jährige mit seiner „Kosmos“ die Klassiker- Regatta im Rahmen der Kieler Woche gewonnen. Und wer nicht wegen der Regatten gekommen war, konnte sich spannende Geschichten am Rande erzählen lassen. Eher unscheinbar wirkte die „Tilly 15“, wie sie da zwischen ihren deutlich größeren „Kollegen“ im Hafen lag. Aber gerade sie hatte eine spannende Geschichte zu erzählen. Denn einst wurde sie von Prinz Heinrich (auch bekannt durch die Mütze) gesegelt. Prinz Heinrich hatte nämlich die Marotte, alle Yachten in seinem Besitz „Tilly“ zu nennen. Die alte, frisch gebliebene Dame wurde 1912 gebaut, war also mit 103 Lenzen eine der ältesten Yachten im Laboer Hafen. Und dank ihrer eleganten Bauweise kann sie durchaus noch mit ihren zwar auch alten, aber jüngeren „Konkurrenten“ mithalten. Noch einmal wurde am Sonntag gemeinsam gefrühstückt. Dann starteten die Teilnehmer aus dem In- und vor allem skandinavischen Ausland wieder gen Heimat. Aber alle waren sich einig: „Die German Classics sind das Jahreshighlight.“

Quelle: Probsteier Herold

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