Farben und Lacke waren ihr Jugendtraum

Das Lackieren von Fenstern und Türen geht Sina Klemm leichter von der Hand als eine Maniküre. Die Laboerin hat als Jahrgangsbeste die Ausbildung zur Maler- und Lackiererin abgeschlossen Foto: Nadine Schättler

Laboe/Schönberg. Statt ihrer Fingernägel lackiert sie lieber Fenster und Türen. Und das macht sie auch noch so gut, dass Sina Klemm (24) aus Laboe Jahrgangsbeste unter 19 Absolventen der Maler- und Lackierer-Innung Holstein-Nord wurde.

Farben und Lacke haben es ihr angetan. In ihrem Jugendzimmer probierte Sina Klemm sich bereits als Teenager aus. Während andere Mädchen mit Make-ups und Nagellack hantierten, sprühte sie Airbrush auf die Tapete und malte mit Acryl auf Leinwand. Große Wolfsköpfe und Drachen entstanden in der heimischen Lernwerkstatt, aber auch das eigene Auto musste dran glauben: „Darauf habe ich meinen Traumwagen mit Airbrush verewigt, einen Chevrolet Impala.“

Dass sich der Beruf des Malers und Lackierers von ihrer Hobbymalerei unterscheidet, erfuhr Sina während ihrer Ausbildung bei Malermeister Thomas Engler in Schönberg. Das Anbringen von Wärmedämmung und Tapeten oder das Streichen von Zimmerdecken sind reine Kraftmaßnahmen. „Da habe ich mir erst mal Hanteln gekauft.“ Nach drei Jahren braucht sie die nicht mehr, der Muskelkater bleibt meistens aus.

Zu ihren liebsten Arbeiten gehören das Lackieren von Fenstern und Türen. Warum, weiß Sina auch nicht so genau. „Das geht ihr einfach leicht von der Hand“, meint Lehrmeister Engler. Er erinnert sich an einen der ersten Einsätze seiner Auszubildenden in der St.-Katharinen-Kirche in Probsteierhagen, wo alte Farbtechniken mit Kalk und Leinöl zum Einsatz kamen: „Da merkte man gleich, dass sie den Aufbau begreift.“

Überhaupt habe Sina oft bewiesen, dass sie ein Auge für feine Arbeiten hat und Ruhe mitbringt. Denn auch darauf kommt es an: den Pinsel ruhig halten, gerade Striche ziehen, sauber arbeiten. Ein Ornament mit Rankengeflecht an einer Innenwand zählt Sina heute zu ihren größten Herausforderungen während ihrer Ausbildung. „Mit meinem Betrieb und den Arbeitskollegen habe ich echt Glück gehabt. Ich durfte vieles ausprobieren, was andere in meiner Berufsschulklasse nicht konnten.“

Ihre Zukunft sieht die Laboerin in der Denkmalpflege und Kirchenmalerei. Aber dafür müsste sie sich von der Ostsee verabschieden. „Für eine Weiterbildung in dieser Fachrichtung gibt es im Norden kaum Möglichkeiten“, erklärt Engler. Bayern könnte also eine der nächsten Stationen für Sina sein. Aber erst einmal steht im September der Landeswettbewerb an, für den sie sich als Jahrgangsbeste mit der Gesamtnote 1 automatisch qualifiziert hat.

Quelle: Kieler Nachrichten

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