"Ist das noch Laboe?"

Neben diesem Neubau soll ein wahrscheinlich höherer entstehen. Dadurch wird dem Fördeblick wohl der namensgebende Fördeblick verbaut. Aber niemand hat ein Recht auf freie Sicht.

 

 

Laboe – In kaum einer anderen Gemeinde klotzen Bauherren und Architekten so extrem wie derzeit im Ostseebad Laboe. Und das „Klotzen“ darf man gerne wörtlich nehmen. An den Neubauten in Laboe scheiden sich die Geister. Für die einen sind sie notwendiger Fortschritt, um nicht zuletzt die Gemeindekasse aufzubessern. Für andere sind sie übereinander gemauerte unansehnliche Steine des Anstoßes, die das ursprüngliche Laboe immer mehr verschwinden lassen.
Fortschritt schön und gut: Aber warum musste mit der Speelmannsstell wieder ein Teil des historischen Laboer Rundlings weichen, um Platz für eine wuchtige „Residenz“ mit zehn komfortablen Wohnungen zu machen? Viele Laboer sind entsetzt, denn der Rundling ist nicht einfach nur eine Ansammlung von alten Häusern, sondern auch lebendige Geschichte im Ostseebad, die viele Besucher anlockt. Was aber können Politiker und Laboer tun, um dieser Entwicklung paroli zu bieten oder sie zumindest zu entschärfen? Viele Laboer wünschen sich Neubauten, die dem Ortsbild angepasst werden. Und löbliche Beispiele von gelungenen Neubauten gibt es. Aber in vielen Fällen sind auch der Gemeinde die Hände gebunden. Es ist aber nicht so, dass die Kommunalpolitiker die Hände in den Schoß legen und den Rundling schon längst ad acta gelegt haben. Aber die Bauherren und Architekten haben eindeutig in den meisten Fällen die besseren Karten. Denn auch Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst ist für den Erhalt des Rundlings. So hatten sich die Gemeindevertreter gegen eine massive Bebauung auf dem Grundstück der „Speelmannsstell“ ausgesprochen und keine Chance gehabt. Im Fall der „F 34“ Grundstücke existiert nämlich kein Bebauungsplan der Gemeinde. Verstößt der Neubau nicht erheblich gegen Richtlinien des Bauamtes und stört somit nicht das Ortsbild in unmittelbarer Nachbarschaft, darf gebaut werden. Das letzte Wort hat der Kreis und gab deshalb auch bei der „Speelmannsstell“ grünes Licht. Wie man nun eine „Störung des Ortsbildes“ genau definiert, fragen sich mittlerweile aber diverse Laboer angesichts der massiven Neubauten, die an allen möglichen Stellen aus dem Boden schießen. Eine Störung, so das Bauamt, wäre etwa ein Pkw-Parkplatz, der so ungünstig angelegt ist, dass die Emissionen für Nachbarn nicht zumutbar wären. Mit baulicher Ästhetik hat das wiederum wenig zu tun. Beispiel Parkstraße: Auch hier entstehen zwei Neubauten der massiven Art. Das besondere Problem für die Appartementanlage „Fördeblick“: Sollte der eine Neubau so hoch gebaut werden wie befürchtet, wäre es mit dem Fördeblick vorbei. Aber selbst der beste Anwalt könnte hier nichts ausrichten. Denn laut Gesetzgeber hat „Niemand ein Anrecht auf freie Sicht“. Und der Neubau darf genau so hoch gebaut werden wie das höchste Haus in der Straße, also der unmittelbaren Umgebung. Aktiv werden kann die Gemeinde, wenn ein Bebauungsplan für bestimmte Grundstücke erstellt wurde. Dann hat sie ein klares Mitspracherecht und kann ihre eigenen Vorstellungen mit einbringen. Aber in vielen Fällen, so Ulrike Mordhorst, „wäre der Aufwand einfach nicht gerechtfertigt“. Dabei gibt es auch sehr löbliche Beispiele von Neubauten, die sich dem Ortsbild perfekt anpassen. Ein solches ist der Neubau auf dem Grundstück des ehemaligen „Lantau“-Geschäfts. Bauherrin ist hier eine Laboerin. Und auch ein sehr moderner, aber trotzdem zurückhaltender Neubau entstand am Dellenberg. Wie aber kann man verhindern, dass der Rundling nach und nach dem Fortschritt weichen muss. Ulrike Mordhorst: „Natürlich setzen wir uns dafür ein, dass die Häuser des Rundlings erhalten bleiben.“ Allerdings müsste dieser Erhalt umsetzbar sein. Denn für viele Hausbesitzer sei die Unterhaltung mit hohen Kosten verbunden. Deshalb würde man sich als Gemeinde dafür einsetzen, diese Hausbesitzer zu unterstützen. Vielleicht auch durch die Mithilfe des Denkmalschutzes. Denn Laboes Gemeindesäckel ist, wie bekannt, eng geschnürt. Ob sie sich dafür einsetzen, ihr Haus unter Denkmalschutz zu stellen, ist schlussendlich eine Entscheidung der Hauseigentümer. Und nicht wenige in Schleswig-Holstein scheuen sich eher davor, sich ein derartiges Objekt durch Denkmalschutz „ans Bein zu binden“. Wirksam wird der Denkmalschutz ohnehin erst dann, wenn etwa ein Gebäude als „besonders erhaltenswert“ eingestuft wird. Eine Einstufung als „einfaches Kulturdenkmal“ reicht nicht, um den Abriss zu verhindern. Immerhin hat eine Erneuerung des Denkmalschutzgesetzes dazu geführt, dass „kleine Kulturdenkmäler neu bewertet werden“. Und dafür rücken die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz schon mal selber aus, ohne etwa von Hausbesitzern direkt beauftragt worden zu sein. Traute Krull, die 2005 ein Buch über den Rundling veröffentlichte, ist skeptisch: „Neubauten kann man doch in den meisten Fällen nur dadurch verhindern, dass man das Grundstück selber kauft.“ Dem Rundling, wie er sich heute noch darstellt, prophezeit sie keine rosige Zukunft. Denn die finanzielle Belastung sei in vielen Fällen enorm. Löbliche Ausnahmen seien der Hof Wiese, der mit alten handwerklichen Techniken wieder „jung“ gemacht wurde und jene alten Häuser, die auch im Besitz von ausgesprochenen Liebhabern seien, die aus purer Leidenschaft viel Geld in den Erhalt ihres Objektes investierten. Philine Stoltenberg Quelle: Probsteier Herold

 

 

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