"Eine Einwohnerversammlung zu diesem Zeitpunkt ist Unsinnig"

Dies ist nur eines von vielen Transparenten, die die Anwohner von Teichstraße oder Ostlandstraße aufgehängt haben. Foto Stoltenberg

 

 

 

 

 

Laboe (pst) Eigentlich ist es unüblich, eine Einwohnerversammlung einzuberufen, noch bevor ein Aufstellungsbeschluss existiert. Aber der massive Protest von Bewohnern der Teich- und Ostlandstraße führte dazu, dass die Gemeindevertretung grünes Licht für die Versammlung gab. Denn der derzeitige Stand der überhaupt noch nicht konkreten Vorstellungen kann schwerlich als „Planungen“ bezeichnet werden. Denn immer noch fehlt der Gemeinde die Unterschrift des Investors. Der findet das Projekt „Neubaugebiet hinter der Kirche“ zwar immer noch interessant, setzt aber zurzeit bei anderen Projekten Prioritäten. Amtsdirektor Sönke Körber begrüßt zwar jederzeit die frühe Einbeziehung der Bürger. Aber, so teilte er den rund 120 Laboern in der Aula der Grundschule mit: „Zu dem Thema jetzt schon eine Einwohnerversammlung zu machen, ist unsinnig.“ Denn zu viele Fragen, eigentlich alle, sind offen, um über irgendetwas zu entscheiden. Deshalb konnte die erste Frage aus dem Publikum, warum denn der Investor nicht zugegen sei, auch schnell beantwortet werden – der Investor hat noch nicht mal schriftlich bekundet, dass er ein solcher sein will. Deshalb gibt es auch keine Vorstellungen darüber, wie viele Häuser welcher Bauart auf dem Gelände entstehen können. Geschweige denn wurde eine endgültige Entscheidung darüber gefällt, dass eine zweite Zufahrt über die Teichstraße führen soll. Körber: „Bevor irgendwelche Entscheidungen getroffen werden können, müssen Gutachter beauftragt werden.“ Und die, so Körber weiter, könnten schließlich durchaus auch zu dem Schluss kommen, dass die Teichstraße sich nicht als Zufahrt eignet. „Wieso streiten wir uns dann jetzt eigentlich darüber?“ fragte ein weiterer Anwohner – und Körber: „Weil Sie das wollten.“ Und, so wollte ein Anwohner wissen: „Warum muss es eigentlich eine zweite Zufahrt geben?“ darauf Körber: „Weil Sie das wollten.“ Tatsächlich wurde schon im Vorfeld der „Planungen“ massive Kritik an der möglichen Idee geäußert, das Neubaugebiet nur über die Zufahrt Ostlandstraße verkehrstechnisch zu erschließen. Die Teichstraße als mögliche zweite Zufahrt wurde dann wiederum auch als „unzumutbar“ bewertet. In die Kritik gerieten aber auch die vermeintlichen „Pläne“, die Körber im Gepäck hatte. Bei denen handelte es sich aber, so der Amtsdirektor, lediglich um völlig vorläufige „Zeichnungen“, die noch überhaupt keine Aussagekraft hätten und lediglich Möglichkeiten skizzierten. Körber: „Einen Plan gibt es nicht. Um zu konkreten Planungen zu kommen, muss für Architekten eine Investitionssumme von geschätzten 60.000 Euro in die Hand genommen werden. Und, so Körber: „Da sind weder Schallschutz noch Verkehrsgutachten mit berücksichtigt.“ Körber wies auf Projekte wie „Portland“ hin, bei dessen Entstehen die Bürger stets mit einbezogen worden waren. Das Ergebnis: Der anfängliche, schon deutlich konkretere Plan sah schließlich völlig anders aus als die schlussendliche Bebauung. Und im Fall des Kurparks hatte der Bürgerprotest sogar dazu geführt, dass das Projekt „Seniorenwohnanlage“ gänzlich zu den Akten gelegt wurde. In Wendtorf, so Körber, hätten massive Bürgerproteste dazu geführt, dass sich das Projekt deutlich in die Länge gezogen hätte, um schlussendlich dem Naturschutz genüge zu tun. Sönke Körber wies auch nochmal auf die Planungshoheit der Gemeinde hin. In Kiel und andernorts habe es Beispiele gegeben, in denen Gelände einfach überplant wurde – ohne die betroffenen Kleingärtner ausdrücklich nach ihrer Meinung fragen zu müssen. So weit wird es natürlich in Laboe nicht kommen. Aber es bestehe ein Interesse des Investors und es sei, so Körber, nicht zweckdienlich, ein mögliches Bauprojekt von vorneherein „blöd“zu finden. Er räumte ein, dass sowohl Gemeinde als auch Anwohner im betreffenden Bereich in der Vergangenheit einiges „versemmelt“ hätten. „Ist die Ostlandstraße eigentlich eine offizielle Zufahrt?“ wollte ein weiterer Anwohner wissen. Nein, ist sie derzeit nicht. Und das Kuriose bringt der §34 mit sich: dank einer fehlenden Bauplanung könnte Jemand die entsprechende Fläche kaufen und beispielsweise eein Haus auf der als Zufahrt vorgesehenen Fläche bauen. Viele Anwohner wollten wissen, warum man eine Zufahrt nicht über die Grundstücke der Verkäufer führen könnte? Körber: „Vielleicht würde ein Gutachter das ja auch empfehlen. Aber ich würde mir es derzeit auch nicht vorstellen können, ein Gutachten zu erstellen.“ Fest steht: Es besteht ein Interesse der Gemeinde, das seit Jahrzehnten brach liegende Gebiet zu bebauen. Und eigentlich hatten sich die Anwohner bisher gegen diese generelle Idee nichts einzuwenden. Obwohl die eine oder andere Äußerung aus dem Publikum anderes vermuten ließ. Und egal, wie konkret Planungen voran geschritten seien – es habe stets immer wieder Einwände gegeben. Körber: „Man kann aber nicht immer denken, dass alles bleibt wie es war.“ 

Quelle: Probsteier Herold

 

 

 

 

 

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