"Und es ging noch viel, viel doller"

Überzeugten im Hof Wiese nicht nur mit schon mal süffisanten Liedern, sondern auch durch ihre frechen Übergänge: Maike Enterich und Eckhard Broxtermann. Foto: Stoltenberg

Laboe – Es gibt Lieder, die als Parodie auf Nonsensschlager entstehen. Und die haben ihren Ursprung schon mal einem Papageien zu verdanken, der keine harten Eier mag. „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ war auch der Titel einer ausgesprochen amüsanten und abwechslungsreichen Soiree im Hof Wiese, zu der die Laboer vhs eingeladen hatte. Und man fühlte sich von Eckhard Broxtermann, mal am Klavier, dann wieder gut bei Stimme und Maike Enterich (Gesang) direkt zurück versetzt in Zeiten von witzig zweideutigen politischen und satirischen Liedern, die wie der nicht an harten Eiern interessierte Papagei schon mal zum Ohrwurm wurden. Und dabei schafften es Eckhard Broxtermann und Maike Enterich, die Übergänge zwischen den Liedern sehr individuell und originell mit kleinen, frechen Dialogen zu gestalten und auch schon mal das Publikum einzubeziehen. Den Eiererachtenden Papagei gab es übrigens tatsächlich. Der kuriose Hintergrund: Einer Dienstbotin war einstmals gekündigt worden, weil sie dem geflügelten Freund der Herrschaft harte Eier angeboten hatte. Und der, als selten dummes Vieh, ist eher „wild auf Brustbonbons und Kuchen“, aber trotz alledem der „schönste aller Papageier“. So gestaltete sich der erste Teil des ersten Teils vor der Pause wie eine musikalische Ernährungskunde. Denn nach „ausgerechnet Bananen verlangt sie von mir“ ging es wiederum um Tante Paula, die im Bett liegt und Tomaten isst. Und das hatte sie ehemals dringend nötig, jetzt allerdings gar nicht mehr, denn, „kürzlich noch kugelrund wiegt sie jetzt nur noch ein Pfund.“ Gänzlich umgekehrt geht es jener Maid, die breit wird und vorher noch aussah wie eine Flunder oder anders gesagt: „Die Braut vom Alexander, die geht so auseinander.“ Mit herrlich süffisanten Betonungen, Anspielungen und Lästereien meistern Enterich und Broxtermann auch den Übergang zu Lou, die lila selbst als Augenringe trägt. Broxtermann: „Schützt Lila nicht vor Schwangerschaft?“ Und während der Pianist zum Singen sein Instrument verlässt, spielt das gemütlich weiter. So auch bei vielen anderen Titeln, bei denen das elektrische Piano zum Einsatz kommt. Sehr zur Freude des zuerst verblüfften Publikums. Und weiter geht’s im Text: Komponist Fred Raymond komponierte so einiges, bis ihm mit „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ jede Menge Geld verdiente. So dass seine Witwe schließlich der Ansicht war, dass er den „ganzen anderen Quatsch besser gelassen hätte“. Und wer kennt nicht die Textzeile aus einem anderen Lied, in der eine Dame eine höchst ineffektive Methode wählt, um ihren Liebsten ins Jenseits zu befördern – „ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot. Dann nehm ich meinen Lippenstift und mal dich damit rot“. Noch ein lyrisches Heine - Intermezzo zwischendurch und eine Vorführung, wie der Foxtrott geht – oder auch nicht und schon war der Spagat zwischen frechen und auch schon mal romantischen Liedern perfekt geschafft. Nach „was kann der Siegesmund dafür, dass er so schön ist?“ und anderen, war dann mit „Auf Wiedersehen“ das Ende nah. Bis zur wohlverdienten Zugabe. „Treten Sie in der Adventszeit nochmal auf?“ wollte eine Zuschauer und -hörerin spontan wissen. Sie wurde allerdings enttäuscht. Denn satirische Lieder im luftigen Gewand und Winter im unbeheizten Raum zu singen – so weit wollen die beiden dann doch nicht gehen. Aber es gibt Hoffnung. Denn schon im Mai kommenden Jahres dürfen Besucher sich wieder darauf freuen, was Maike Enterich und Eckhard Broxtermann einfallen lassen, wenn es heißt „Das ist die Berliner Luft“.  

Quelle: Probsteier Herold

Zurück