"Plattdüütsch in uns Kark" war wieder ein Renner

"Was ist ein Mann, dem 90 Prozent seines Denkvermögens verloren gegangen sind? - ein Witwer." Achim Schuldt überzeugte mit Witzen, aber auch pointierten Alltags-Beobachtungen. Foto Stoltenberg

 

Laboe (pst) „Geht es jetzt los?“ fragte Achim Schuldt kurz vor seinem Auftritt in der Anker-Gottes- Kirche? Nein, es war noch Zeit für ein Musikstück von „Triangle“, bevor der Meister des auf Platt vorgetragenen Humors wieder viele Register ziehen konnte. Ging es doch bei „Beter doon is beter as beter weet`n“ den ewigen Theoretikern mal ordentlich eins über die Mütze zu geben. In der Aussicht auf launige Erkenntnisse waren die Besucher zur Kultveranstaltung „Plattdüütsch in uns Kark“ gekommen. Für seine mittlerweile zwölfte plattdeutsche „Predigt“ hatte sich Schuldt wieder viele lästerliche Beispiele ausgesucht, mit denen er gerade auch das eigene Geschlecht beim humorvollen „Abkanzeln“ nicht schonte. Verglichen mit vorherigen Veranstaltungen präsentierte sich Achim Schuldt zwar gewohnt bissig, aber in Teilen deutlich milder. Denn Laboes Ortspolitik wurde diesmal nur ansatzweise gestreift, die meisten liebevollen Bissigkeiten hatte Laboes Vorzeige Plattsnacker diesmal dem privaten Alltag mit Kurerlebnissen, dem Opa-Sein oder der eigenen Goldenen Hochzeit entliehen. Aber Achim Schuldt wäre nicht er selbst, wenn er in der prall gefüllten Kirche nicht für schepperndes Gelächter gesorgt hätte. Köstlich war deshalb sein verbaler Rundumschlag gegen die „Immer-da’s“: Menschen wie Stegner, Bosbach oder Kubicki und Kaiser Franz und andere Sportler, die ehrlich entbehrliche Aussprüche wie diesen von sich gaben: „Die Schweden sind keine Holländer“ und „in einem Jahr habe ich schon mal 15 Monate durchgearbeitet.“ Eine sehr führende Politikerin habe gar gesagt, dass, „die Mehrheit der deutschen Frauen weiblich ist“. Gegen derlei wenig überdachte Äußerungen helfen dann nur noch Zitate wie das eines besonders anerkannten Denkers wie Albert Einstein. Der kommentierte die generationsübergreifende Misere so: „Wenn die Menschen nur das sprächen, was sie begreifen, wäre es sehr still auf der Welt.“ Einige Pointen kamen eingefleischten Fans zwar bekannt vor. Wie die Sache mit den Fremdwörtern. Die Tochter hat angekündigt, einen Veterinär zu heiraten. Fragt ein Verwandter, was sie denn mit einem so alten Soldaten will, die ältere Verwandte klärt auf, dass es sich dabei um einen Menschen handelt, der kein Fleisch isst. Auch den einen oder anderen Witz kannten manche notorische Leser einer großen Tageszeitung bereits. Macht aber nichts. Denn Achim Schuldt schaffte es diesmal mit seinen eigenen Erlebnissen, ganz persönliche Pointen zu setzen. Sei es in den Erzählungen seiner Goldenen Hochzeit oder andere Anekdoten: Man mag es sich auch bildlich vorstellen, wie der splitternackte Schuldt vom tschechischen Zimmermädchen „Miri“ im Luxushotel überrascht wird, weil er nicht wusste, wie man ohne entsprechendes Pappschild „Bitte nicht stören“ den entsprechenden Knopf drückt. Nun, in einem gefühlten Eben noch selber ein Womanizer, findet sich Schuldt jetzt in der Rolle wieder, in der er von der temperamentvollen Mutter eines Carlos nur deshalb angeschmachtet wird, weil er neben seinem Enkel auch auf ihren Sohn aufpassen könnte, weil sie zu einem Date muss. Und so zeigte sich Schuldt ganz von der familiär-satirischen Seite. Man mochte es ihm auch nicht so ganz abkaufen, dass er sich mittlerweile ganz von seinen liebsten Süchten wie Rauchen, Alkohol und Frauen befreit hat. Dazu freute er sich nach der Zugabe viel zu sehr auf den Klönsnack mit Wein achteran. Beim nächsten „Plattdüütsch in uns Kark“ darf er auch gerne wieder Themen aufs Korn nehmen, die in Laboe und Umgebung ohnehin als Realsatire empfunden, einen lästerlichen Kommentator brauchen. 

Quelle: Probsteier Herold

 

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