Mängel zu spät im Visier

Das unlängst sanierte Granitpflaster am Dellenberg ist nur ein Beispiel für Baukosten, die durch nicht rechtzeitig festgestellte Mängel nach Fertigstellung einer Baumaßnahme an der Gemeinde hängen bleiben

Laboe. Wie werden ausgeführte Bauarbeiten kontrolliert und Schadensansprüche verfolgt? Diese Frage stellen die Gemeindevertreter in Laboe seit geraumer Zeit. Nun legte die Amtsverwaltung zur Sitzung des Bauausschusses am Dienstag eine Liste mit Baumaßnahmen und Abnahmeterminen vor, die erneut für eine hitzige Diskussion sorgte.
Die von allen Gruppierungen in der Gemeindevertretung unterstützte Forderung der Fraktion Wir für Laboe (WfL) nach einem Controlling hat seine Gründe. Immer wieder traten in der Vergangenheit Schäden nach Straßensanierungen oder Mängel an Bauvorhaben auf, nachdem die Regressansprüche der Gemeinde abgelaufen waren. Folge: Laboe musste in die eigene Tasche greifen. Ein Beispiel dafür ist die Granitpflasterung an der Kreuzung Dellenberg/Parkstraße/Hafenstraße. Dort hatten, wie berichtet, Mängel dazu geführt, dass Steine abgesackt waren. Auch beim Schulneubau hatten Mängel zu Schäden geführt, die auf Gemeindekosten behoben worden waren. In der Konsequenz forderten die Ortspolitiker mehrfach eine Auflistung aller Bauprojekte mit Abnahmeterminen und Verantwortlichen. Selbst könnten sie diese Aufgabe nicht leisten. Die Amtsverwaltung aber scheine mit dieser Aufgabe überfordert, meinte Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst. In der Verwaltungsvorlage heißt es: „Jährlich erfolgen allein in der Gemeinde Laboe im öffentlichen Bereich bis zu 100 Straßenaufbrüche. Davon werden dem Amt geschätzt lediglich 50 Prozent angezeigt. Eine Fertigstellungsanzeige der ausführenden Firmen erfolgt nur in seltenen Fällen. Im Jahr 2015 waren es 16 Fertigstellungsanzeigen. Eine Kontrolle seitens des Amtes erfolgte nicht. Die Fertigstellungsmeldungen wurden dem Bauhof Laboe zugeleitet.“  Die Bürgermeisterin wies darauf hin, dass es nur einen Tiefbauingenieur im Amt Probstei gebe. Sie wertete die Information der Verwaltung als „Hilferuf“ und folgte damit der Einschätzung von Ulli Schäfer (Grüne Aktive Laboe). Inken Kuhn (Grüne) betonte, die Gemeinde könne erwarten, dass die Arbeit gemacht werde. „Oder sollen wir jemanden einstellen und die Kosten dem Amt in Rechnung stellen“, fragte Kuhn. Für die Laboer Wählergemeinschaft sei diese Auskunft „erschreckend“, so Stephan Matthies. Die SPD verglich dies mit einem „Straftatbestand“, denn es dürfe doch nicht jeder die Straße aufbrechen und das werde nicht kontrolliert, sagte Thomas Nebendahl, selbst von Berufs wegen mit der Thematik vertraut.  Die Ortspolitiker beschlossen nun, dass der zuständige Vertreter der Amtsverwaltung in der nächsten Sitzung des Bauausschusses Rede und Antwort zu den Abläufen stehen soll. Außerdem soll er berichten, wie das Amt organisiert werden muss, um künftig das Controlling bei Straßenaufbrüchen und das Beweissicherungsverfahren bei Neubauten zu optimieren. Auch das Ingenieurbüro soll dazu gehört werden.
Quelle: Kieler Nachrichten 

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