Ein Leben voller Glück

Rose Juhrbandt feiert in Laboe ihren 100. Geburtstag. Sie hat viel zu erzählen, die schweren Zeiten der Nachkriegswirren hat sie in einem Büchlein festgehalten. Foto Astrid Schmidt

 

LABOE. Rose Juhrbandt feiert heute in Laboe ihren 100. Geburtstag. Die Seniorin hat rund 30 Personen auf ihrer Gästeliste stehen. Ein Sohn, zwei Enkel und sieben Urenkel sind mit dabei, wenn auf das Wohl der körperlich und geistig absolut fitten Jubilarin angestoßen wird. Die Seniorin bewohnt seit acht Jahren ein Zwei-Zimmer- Appartement in der Seniorenresidenz Grammerstorfscher Hof. Ihre Eigenständigkeit ist ihr ganz wichtig. An diesem Tag ist Gymnastik, die versäumt die 100-Jährige nie. Denn schon in Berlin beim Volksgesundheitsverein habe sie als damals junge Frau Bodengymnastik „mit sieben Pfund schweren Medizinbällen“ gemacht. Auch das Gedächtnistraining, zwei Kartenspieler-Runden und das gemeinsame Singen stehen als regelmäßige Verpflichtungen in ihrem Terminkalender. Außerdem kaufe sie regelmäßig alleine ein, denn sie wolle noch selbst aussuchen, was es zu essen gibt, betont die Seniorin. Dann geht sie mit ihrem Rollator ins Dorf hinunter und schiebt „die voll beladene Karre“ auch den Berg wieder rauf. „Das wird schon manchmal schwer, aber noch schaffe ich das“, sagt sie. Rose Juhrbandt hat zwar kein Rezept für 100 Lebensjahre, doch eines helfe auf jeden Fall: „Viel bewegen und ganz normal leben“, ist sich die adrette alte Dame sicher. Dabei hat Rose Juhrbandt, die in Torgelow in Vorpommern geboren wurde, ein Leben hinter sich, das nicht immer normal war. In Berlin arbeitete sie als Geschenkberaterin, bevor sie mit ihrer Familie nach Stettin- Altdamm zog. Dort musste sie die Kriegswirren überstehen und flüchtete nach Rügen, kehrte zurück, wurde vertrieben. Es ging von Lager zu Lager, immer in Sorge um ihren Sohn Hasso, und dem Hunger ein ständiger Begleiter. Ob es nun ein Teller Suppe oder die Arbeit in der russischen Kommandantur war, die ihr beim Überleben halfen: „Wir hatten immer ein wenig Glück“, erzählt Rose Juhrbandt. Dann am Ende, wieder vereint mit ihrem Ehemann, endlich Hoffnung und ein Neuanfang in Hannover. Sie habe in der Nachkriegszeit gelernt, mit sehr wenig zufrieden zu sein. Über diese Zeit schrieb sie nach dem Tod ihres Mannes ein kleines Büchlein, in dem sie die vielen Stationen in den Jahren nach Kriegsende schildert. Als sie vor acht Jahren krank war, und der Sohn, der mit seiner Familie seit 40 Jahren in Wendtorf lebt, sie nach Laboe holen wollte, war sie sofort einverstanden. „Es gefiel mir gleich. „Jeden zweiten Sonntag holen sie mich zum Mittagessen ab, und wir spielen zusammen Karten“, erzählt die Jubilarin. Das Kartenspielen ist eine weitere Leidenschaft. „Wir sind fünf Frauen und spielen abwechselnd bei jeder zu Hause. Nur nicht bei mir, mein Tisch ist zu klein“, bedauert Rose Juhrbandt. Was sie beim Gespräch noch nicht wusste: Die nächste Kartenrunde wird sie doch ausrichten können, denn die Kinder haben Oma zum Geburtstag einen neuen Tisch geschenkt, wie Sohn Hasso leise verriet.asc 

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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