Strandgut mit Fördeblick

Eva Koj lässt unterm Dach insgesamt 50 farblich reizvolle keramische Boote ausschwärmen

Laboe. Selten hat ein Ausstellungsort so gut zum Motto einer Schau gepasst wie dieser. In dem mit 1-a-Fördeblick an Laboes Uferpromenade gelegenen Freya-Frahm-Haus werden Arbeiten zum Thema Wasserwelten gezeigt. 20 Mitglieder des Bundesverbandes Angewandte Kunst Schleswig-Holstein zeigen maritim inspirierte Objekte aus den Bereichen Holz, Textil, Keramik, Glas, Metall, Schmuck und Papier. Der Rundgang ist ein Fest für das Auge: Da gibt es hölzerne Reusen und Geschmeide aus Strandgut, Glaslaternen und jede Menge keramische Objekte. Dabei reiht sich Edles und Kostbares neben Stücke, bei deren Entstehungsprozess neben Kreativität eine gute Portion Humor Pate gestanden haben muss. Die Frage nach der Alltagstauglichkeit ihrer Arbeiten ist für die Vertreter der Angewandten Kunst eigentlich längst kein Kriterium mehr. Dennoch sind die klassischen Gefäße von der Vase bis zum Becher nicht wegzudenken, darunter eine Reihe meisterlich gearbeiteter Exponate aus dünnwandigem weißem Porzellan von Roswitha Winde-Pauls zum Thema Welle. Bei vielen Keramikern herrscht jedoch die freie Form vor. Im ersten Obergeschoss okkupiert Susanne Koch mit ihrer Installation Fruchtquallen eine Art Aquarium, in dem sich knubbelige Wesen aus hellem Ton stapeln, Imke Splittergerber hat organisch animierte Arbeiten mitgebracht, die an Muscheln denken lassen. Eva Koj lässt 50 farblich reizvolle keramische Boote ausschwärmen und Barabra Hasts kunstvoll gearbeitete Medusen aus Porzellan spielen mit dem Wechsel aus stumpfer und glänzender Oberfläche. Sonnenanbeter der ungewöhnlichen Art präsentiert Britta Hansen. Kreuzfahrt nennt sie eine keramische Szene, in der skurrile Mischwesen aus Mensch und Huhn bräsig ihre Freizeit genießen. In einer Schau über Wasserwelten dürfen Fische nicht fehlen. In textilen Wandarbeiten, die entfernt an Sofakissen erinnern, finden sie sich genauso wie in einem fein ziselierten Teppich aus Metall, Goldschmiedin Suse Albrecht hat schlanke Fischleiber in Ringe und breite Armreifen graviert. Bei Holzschneider Giotto Bente sind Motive rund um das Meer fast schon Tradition. In Laboe lässt er unter anderem kugelig blaue Wassertropfen auf eine nackte Schönheit regnen, die sich in mutig grün bemaltem Holzrahmen rekelt. Unterschiedliche Materialien kommen bei Papierkünstlerin Cornelia Patz-Nahm zum Einsatz. Aus handgeschöpftem Papier und Leder ist ihr Bootskasten gearbeitet – ein Kleinod zum Verlieben, in dem sich durchaus etwas verstauen lässt. Reine Kunstobjekte sind wiederum Uli Strempels gestrickte Kreaturen aus feinen Silberfäden sowie ihre apart geformten Objekte, die wie Häutungen aussehen. Ein Auge sollte man auf die drallen Nixen haben, die Katharina Böttcher aus der Loggia sehnsuchtsvoll in Richtung die Förde blicken lässt. Die wollen bestimmt ins Wasser.
Laboe. Strandstraße 15. Eröffnung heute, Donnerstag, 19 Uhr. Fr 15-18 Uhr, Sa + So 11-18 Uhr. Finissage So, 14. August, 17 Uhr
Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

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