Stich für Stich Handarbeit

Sie tanzen gemeinsam und wollten nun auch ihre eigene Tracht gemeinsam nähen: Franziska Lamp (von links), Ellen Krohn, Laura Freitag und Dana Klindt

Laboe. Sie tanzen seit frühestem Kindesalter in der Probsteier Tanz- und Trachtengruppe. Nun hatten sie den Wunsch, ihre eigene Probsteier Tracht zu nähen und stießen damit bei ihrem Vereinsvorsitzenden Christian Lantau auf offene Ohren. Er gibt den Tänzerinnen nun alle 14 Tage im heimischen Wohnzimmer Anleitung und Tipps, wie eine Probsteier Tracht nach altem Vorbild gearbeitet wird. Es ist Mittwoch. Eigentlich haben die Tänzerinnen der Probsteier Tanz- und Trachtengruppe nur alle 14 Tage Tanztraining. Doch sie verzichten auf den freien Abend und treffen sich seit März bei Christian Lantau in Laboe zum Näh-Unterricht. Rund um den Tisch herum haben sie Leinen, Nähgarn, Nadeln, Stoffe und natürlich reichlich Naschis ausgebreitet. Eine Nähmaschine allerdings sucht man vergeblich. Denn die Probsteier Tracht wird Stich für Stich von Hand genäht. Franziska Lamp aus Wisch war als Fünfjährige eine der ersten Mädchen in der Kindergruppe der Tranz- und Trachtengruppe. Heute ist sie 24 Jahre alt und hat über ihr Hobby „viele tolle Freunde“ gefunden. Mit einigen davon sitzt sie nun am Tisch und schneidert sich aus altem Leinen eine Bluse. „Es ist einfach schön, seine eigene Tracht zu nähen“, sagt sie. Ellen Krohn hatte den Ehrgeiz, ihre teilweise gebrochene Hüll (Haube) selbst wieder aufzuarbeiten. Für Laura Freitag ist es auch der „Stolz, dass man etwas Eigenes schafft“, wie sie erzählt. „Nähen hat auch etwas Beruhigendes, es ist gut zum Runterkommen nach der Schule“, erzählt Dana Klindt. Sie wollte Christian Lantau mit ihren „Trachtenwünschen“ irgendwann nicht mehr überstrapazieren und nahmen sein Angebot an, Bluse, Rump, Rock und Hüll selbst zu nähen. Für Christian Lantau ist die fröhliche Nähstunde auch eine Möglichkeit, Tradition weiter zu geben. Deshalb legt er auch Wert auf die originalen Schnitte und speziellen Nähte für die Probsteier Trachten. Einen Ballen altes Leinen erstand er über das Internet, Knopflochgarn dient als Faden und Stich für Stich zeigt er den jungen Frauen die Grundnähte. „Die Webkanten werden aneinander genäht, so dass keine Nahtüberstände entstehen“, erklärt Lantau. Weiter geht es mit dem „Säumen“, dem „Ansticheln“, dem „Smoken“ (Einraffen der Falten am Ärmel) und wer mag, kann sich an den „Mäusezähnchen“ als Zierkante versuchen. Bewertet wird übrigens nicht. Er freue sich, dass sie das machen, sagt Lantau. „Der Weg ist das Ziel“. Die Probsteier Tanz- und Trachtengruppe feiert im kommenden Jahr ihren 40. Geburtstag und sucht Nachwuchs, egal welchen Alters. Zurzeit sind etwa 16 aktive Tänzer dabei, derzeit gibt es keine Kindergruppe. Getanzt wird an jedem zweiten Mittwoch ab 20 Uhr.Im Internet www.probsteier-tanz-und-trachtengruppe.de
Quelle: Kieler Nachrichten

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