"Sind wir Ihnen überhaupt wichtig?"

Jaqueline (von links), Enno, Luisa und Eva wollen gern weiter in Laboe schwimmen. Sie fragten die Gemeindevertreter, wie wichtig ihnen die Kinder sind.

 

LABOE. Es fiel keine Entscheidung in Sachen Schwimmhalle, als die Gemeindevertreter am Mittwoch in der Grundschule ihre Sitzung abhielten. Die wurde nach etwa 80 Minuten noch während der hitzigen Einwohnerfragestunde abgebrochen. Der Grund dafür war ein medizinischer Notfall. Der Betroffene konnte von den Rettungskräften nicht wieder belebt werden. Die Sitzung, von der entsprechend der Empfehlung im Werkausschuss ein Beschluss zur Schließung der Schwimmhalle erwartet wurde, begann bereits turbulent. Hallenbad- Befürworter, Kinder mit Badehauben, Schwimmbrillen, Plakaten und Erwachsene gleichermaßen drängten sich in der überfüllten Cafeteria. Auf dem Flur standen rund 40 Zuhörer, die keinen Platz mehr fanden. Gemeindevertreter hatten es schwer, sich durch die Menschen einen Weg zu ihrem Platz zu bahnen. Die Sitzung begann mit Verspätung. Die Grünen-Fraktion beantragte, die Entscheidung über die Schließung der Schwimmhalle von der Tagesordnung abzusetzen. Grund: Das 94- seitige Gutachten sei den Gemeindevertretern erst am Tag vor der Sitzung zugegangen. Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst verwies auf die drei umfangreichen Vorstellungen der Untersuchungen, die die Gemeinde im Vorfeld angeboten hatte. Die Mehrheit sprach sich dann auch dafür aus, das Thema zu behandeln. Auf die Frage, ob es rechtlich korrekt wäre, wenn so wichtige Papiere erst einen Tag vorher vorliegen, antwortete Amtsdirektor Sönke Körber. „Ich möchte da unterscheiden zwischen Recht und Moral.“ Die Einwohnerfragestunde gestaltete sich dann fast wie eine Bürgerbeteiligung pro Schwimmhalle. Die Argumente und Appelle glichen denen, die in den vergangenen zwei Jahren immer wieder diskutiert wurden. Der Förderverein hatte im Vorfeld einen Aufruf gestartet, dem dann auch etliche Menschen gefolgt waren. Viele ergriffen das Wort und baten die Gemeindevertreter um mehr Zeit. Es sollte der Runde Tisch wieder belebt werden und das Gutachten mit den Umlandbürgermeistern wie auch dem Förderverein besprochen werden, appellierte Christian Matthies vom Förderverein. „Das Gutachten ist wertvoll und bietet viele Chancen. Was macht die Entscheidung heute so dringend?“, fragte er. Auch Maren Biewald regte an, angesichts der jüngsten Erkenntnisse des Gutachtens neue Gespräche zu führen und mit Ruhe und Bedacht die richtige Lösung zu finden. „Warum diese Eile?“, fragte sie. Wenn ein Beschluss gefasst werde, so sollte er das Ergebnis einer ganzheitlichen Betrachtung sein. „Und das sehe ich hier nicht“, meinte der Vorsitzende des Turnvereins Laboe, Kai-Uwe Dörr. Auch Laboer Lehrer waren im Publikum. Sie wiesen auf die Auswirkungen einer Schließung auf die Turnhalle hin. Senioren und andere Gruppen der Gemeinde könnten dann keine Turnhallenzeiten mehr bekommen, weil das Schulschwimmen wegfiele und die Turnhalle für die Schüler gebraucht würde, hieß es. Volker Helm, Apotheker in Laboe, appellierte: „Denken Sie an die Kinder!“ Die kamen dann auch selbst zu Wort. Enno, Jacqueline, Luisa und Eva hielten Plakate hoch. „Sind wir Ihnen überhaupt wichtig?“ fragte Eva die Bürgermeisterin. Die Diskussion wurde jäh unterbrochen, als ein Laboer sich zu Wort meldete, dann aber zusammenbrach. Jetzt ging alles ganz schnell: Ärzte und Sanitäter im Raum übernahmen die Notfallversorgung, die Sitzung wurde abgebrochen, die Bürger über den Notausgang hinausgebeten. Die Rettungskräfte trafen ein, konnten aber nichts mehr ausrichten. Der Mann starb noch vor Ort. Das Thema Schwimmhalle ist für viele jetzt erst einmal ganz unwichtig. Von Astrid Schmidt, Quelle Kieler Nachrichten

 

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