Bankräuber von Laboe bleibt hinter Gittern

Eine halbe Stunde vor Kassenschluss überfiel der Angeklagte im März 2016 die Sparkassenfiliale in Laboe.

Kiel. Passanten glaubten an Dreharbeiten für einen Tatort, als im März 2016 ein junger Mann mit schwarzem Revolver vor mehreren Verfolgern durch die Fußgängerzone von Laboe flüchtete. Doch die filmreife Szene war nicht gestellt: Vorausgegangen waren ein Überfall auf die Sparkassenfiliale des Ostseebads und andere Straftaten, für die der Angeklagte gestern zu sechs Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Die 1. Große Strafkammer des Kieler Landgerichts erkannte auf schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Widerstand. Mit einem Schreckschussrevolver habe der 24-jährige Drogenabhängige an jenem Montag eine halbe Stunde vor Kassenschluss die Filiale betreten. Mit dem Ruf „Dies ist ein Überfall!“ bedrohte er zwei Mitarbeiterinnen und forderte Zutritt zum Tresorraum. Als eine Zeugin (33) ihm mitteilt, er müsse wegen einer automatischen Sicherheitssperre minutenlang auf das Geld warten, schlägt der hochgradig nervöse Mann ihr die Schusswaffe auf den Kopf. Mit einer stark blutenden Platzwunde an der Stirn wird die Verletzte in ein Krankenhaus eingeliefert, ist drei Wochen lang arbeitsunfähig. Bis heute erinnert sie eine Narbe an den Überfall. Mit rund 2500 Euro Beute und dem Revolver flüchtet der Täter zu Fuß in Richtung Hafen, wird von beherzten Passanten verfolgt. Der Drogenabhängige, dem eine Gerichtsmedizinerin im Prozess strafmildernd Suchtdruck und ein ADHS-Syndrom bescheinigt, hält die Verfolger mit Drohungen („Ich knall euch ab!“) auf Distanz. Dann versucht er, einen Pkw in seine Gewalt zu bringen. Nach Zeugenaussagen reißt er eine Autotür auf und hält die Waffe in den Nacken des Beifahrers. Doch der Fahrer startet durch und bringt sich in Sicherheit. In der Hafenstraße bedroht der Bewaffnete die Insassen eines weiteren Pkw und mehrere Polizeibeamte. Das Urteil legt ihm auch Widerstand zur Last. Gegen den vorbestraften Täter lagen sechs weitere Anklagen vor, die das Gericht mit einer Ausnahme durch Einstellung des Verfahrens erledigte. So soll der 24-Jährige bereits im August 2013 in eine Pension auf dem Ostufer eingestiegen sein, um einen 72-jährigen Hotelgast zu bestehlen. Als der Gast aufwacht und ihn zur Rede stellt, verpasst der Einbrecher ihm einen Faustschlag an die Schläfe und eine Ohrfeige. Weitere Vorwürfe betrafen Hoteldiebstähle in Lübeck, wo der Angeklagte mit Hilfe einer entwendeten Universalschließkarte reihenweise Zimmer durchsucht und reiche Beute gemacht haben soll. Hier vermissten die Gäste Bargeld, EC-Karten, Papiere, Schlüssel, Handys. Bargeld und Schmuck stahl der Angeklagte laut Urteil auch beim Einbruch in die Villa eines Arztes (88) in Lübeck. Wie zuvor den Banküberfall räumte der Angeklagte den Einbruch ein. Er schlug im Urteil mit neun Monaten zu Buche. Miteinzubeziehen war auch ein Urteil des Plöner Amtsgerichts, das den Drogenabhängigen im Juni 2016 in eine Langzeittherapie schickte. „Zahlen sind nicht das Entscheidende“, sagte der Vorsitzende Richter gestern zur Begründung. Entscheidend für die Zukunft des Angeklagten sei seine Kooperationsbereitschaft in der geschlossenen Entziehungsanstalt. In Schleswig hat der Angeklagte offenbar so große Anpassungsprobleme, dass die Maßregel schon auf der Kippe stand. Doch beim Scheitern der Therapie droht die Vollverbüßung in einer JVA. Zur Verbesserung der Chancen will sich sein Verteidiger um einen Wechsel nach Neustadt bemühen. Wenn die Therapie anschlägt, könnte der Angeklagte laut Urteil im günstigsten Fall nach zweieinhalb bis drei Jahren auf vorzeitige Entlassung unter Bewährung hoffen.
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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