Finanziell ist Laboe wohl "die Tante, die bloß Klavier spielt"

Auch das gesamte Team der AWO wurde beim Neujahrsempfang gewürdigt

Laboe – Dass Walter Riecken von oben herab mit den Besuchern des Neujahrsempfangs sprach, hatte nichts mit einem vorübergehenden Anflug von Arroganz zu tun, sondern hatte ganz praktische Ursachen. Das Rednerpult war derart erhaben im Pausenraum der Grundschule platziert, dass einige Laboer sich ein Lachen nicht verkneifen konnten, weil alle Redner recht erhaben wirkten. Und weil Laboes Bürger wissen wollten, welche Themen das Ostseebad bewegten und noch bewegen werden, war die Pausenhalle voll besetzt. Vielleicht lockte Manche auch die Aussicht darauf, im Anschluss an den Neujahrsempfang Rübenmus mit allem Drum und Dran vom Laboer Herrenkochclub zu genießen.

Aber wie es bei offiziellen Veranstaltungen nun mal so ist: Vor dem kulinarischen Vergnügen geht es darum, sich das eine oder andere Grußwort auf der Zunge zergehen zu lassen – so es sich denn lohnt. Stoltenbergs Bürgermeister Lutz Schlünsen war in seiner Funktion als stellvertretender Landrat erschienen, um den Kreis zu verteidigen. Denn der war wegen der Erhöhung der Kreisumlage unter Beschuss geraten. Schlünsen: „Der Kreis hat bereits 2012 einen Vertrag mit dem Land darüber abgeschlossen, dass die Kreisumlage erhöht wird.“ Immerhin bewegt sich der Kreis langsam aus der „Negativlage“ heraus. In Anspielung auf die umstrittenen Äußerungen von Kiels Oberbürgermeister, Dr. Ulf Kämpfer, in Schönkirchen, die Landeshauptstadt wolle künftig enger mit Ostufer-Umlandgemeinden zusammen arbeiten, sagte Schlünsen: „Laboe muss aufgrund seiner finanziellen Situation nicht befürchten, dass eine Fusion stattfindet. Damit wäre Kiel auch nicht geholfen.“ Denn gemessen an der finanziellen Situation des Ostseebads und im Vergleich mit Schönkirchen sei Laboe doch eher „die Tante, die bloß Klavier spielt und nicht der Onkel, der einen großen Schinken mitbringt“. Schlünsen ging auch auf die aktuelle Situation von Flüchtlingen ein. Insgesamt 320 Flüchtlinge seien derzeit im Kreis Plön untergebracht worden, 100 im Amtsbereich Probstei. 16 Flüchtlinge aus unterschiedlichen Krisengebieten leben derzeit in Laboe. „Es ist eine moralische Verpflichtung, Menschen in Not beizustehen“, sagte Bürgermeister Walter Riecken zum gleichen Thema. Immerhin leben 167 Laboer mit ausländischen Wurzeln zum Teil schon seit vielen Jahren in Laboe. Riecken erinnerte auch in diesem Zusammenhang an den „feigen Mordanschlag“ in Paris, bevor er wieder den Bogen zu spezifischen Laboer Themen schlug. Riecken: „Die geplante Schließung der Polizeistationen wirkt nach.“ Die Pläne, neben anderen auch die Laboer Station zu schließen, hatte im vergangenen Jahr zu heftigem Protest geführt. Erschüttert wurde Laboe auch von der Nachricht, dass der DRK-Ortsverein durch „eine Unterschlagung an den Abgrund gedrängt wurde“. Riecken lobte die Solidarität und Spendenbereitschaft der Laboer, die in vielen Aktionen dazu beitragen wollten, den Fortbestand des Ortsvereins zu sichern. Wenn ein Bürgermeister öffentlich verkündet, dass „es uns nicht so gut geht“, dann ist damit die finanzielle Situation der Gemeinde gemeint. Die „nicht so gute“ bringt es mit sich, dass sich Laboe in diesem Jahr verstärkt mit dem Thema „Straßenausbaubeitragssatzung“ auseinandersetzen muss. Die Bürger, die dann zur Kasse gebeten werden und die anderen, werden bereits am 21. Januar in der Cafeteria in einer Bürgerversammlung informiert. Über lange Zeit war Laboe bemüht, seine Straßen ohne Anwohnerbeteiligung wieder in Ordnung zu bringen. Die Neubaugebiete werden ebenso Thema sein, wie die Regenwasserproblematik. Ein bestimmendes Thema wird auch weiterhin die Zukunft der MWSH sein. Walter Riecken: „Wir werden einen Antrag auf Bezuschussung durch die AktivRegion stellen.“ Der beinhaltet ein Gutachten, das Aussagen über den Zustand der MWSH macht. Das Freya-Frahm-Haus geht in die zweite Bauphase. Zu Beginn der Saison sollen hier wieder Veranstaltungen stattfinden. Ein großes erfreuliches Thema für Laboe werden die Eröffnungsfeierlichkeiten zur Fertigstellung von Hafenumfeld und Rosengarten sein. Bei dieser Gelegenheit werden sich auch Verbände und Vereine im Ostseebad vorstellen. Und das alte Grundschulgebäude I wird voraussichtlich in den Osterferien abgerissen. Kein Neujahrsempfang ohne Bürgerpreis: Der wurde in diesem Jahr für 2014 Urte Pohl verliehen. Urte Pohl hat sich als langjähriges Mitglied der AWO unermüdlich für die Schmuckund Dekoarbeiten im Vorfeld verschiedener Veranstaltungen engagiert. Überreicht wurde ihr der Ehrenteller von Uschi Wieck und Laboes stellvertretender Bürgermeisterin Wiebke Eschenlauer. Aber auch das gesamte AWO-Team unter Vorsitz von Heidemarie Kuhn wurde geehrt. Eine besondere Würdigung in Form eines Geschenks der Gemeinde ging an Ostseebotschafter und „Wir in Laboe“- Gestalter Peter Dittmer. Dittmer hatte einen bebilderten Rückblick auf 2014 in Laboe zusammen gestellt. Philine Stoltenberg 

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