Ostsee-Stars zum Greifen nah

Laboe. Terror, der Taschenkrebs, die Scholle Dolores, Seestern, Hummer und Co. –

das sind die Stars der Meeresbiologischen Station im Naturerlebnisraum Dünenlandschaft Laboe. Betreiber Karl Deutschmann gibt dort Besuchern auch in der Nachund Wintersaison einen Einblick in das Leben in und an der Ostsee.

 

Als Benneth (7) und Justin (11) aus Braunschweig mit ihren Eltern an der Tür klingeln, öffnet Karl Deutschmann ihnen sein Reich. In dem einstigen Sanitärgebäude des ehemaligen Campingplatzes hatte der Meeresbiologe im Mai 1999 seine Aquarien eingerichtet, um Besuchern die Tier- und Pflanzenwelt nahe zu bringen. „Das sind bei uns keine Schauaquarien, sondern Arbeitsbecken“, sagt der 48-Jährige. Denn er lege bei seiner Arbeit viel Wert auf Authentizität und Natur zum Anfassen. „Das bewirkt oft einen bewussteren Umgang mit der Natur“, weiß der Meeresbiologe.

 

Seine erste Information gilt der Entstehung der Ostsee. Die meisten wundern sich, dass die gar kein Meer ist, sondern nur ein Brackwasser, wie Deutschmann erzählt. Biologie- Student Hauke Kramer zeigt den Jungen den Seestern, der seinen Magen über die Miesmuschel stülpt, um sie zu fressen. Staunend und fragend hört die kleine Gruppe, dass der Aal, der seit Anfang an im Aquarium von Deutschmann lebt, eine gute Strecke über Land zurücklegen kann. Dolores, die Scholle, zeigt sich gern als Star und buddelt sich nach einem kurzen Blick auf die Besucher flugs wieder in den weißen Sand. „Der Hummer stammt aus dem Feinkostgeschäft“, erzählt Deutschmann von seinen Lieblingen, zu denen auch der Taschenkrebs und der Hai zählen.

 

Ergänzend zu seinem Angebot in der Station bietet er auch Forschungsfahrten mit seiner Barkasse „Sagitta“ vom Laboer Hafen aus an. Zwei Monate habe er seinerzeit einen möglichst nahe gelegenen Platz in der Förde gesucht, an dem er mit Netz und Kescher die Bewohner vom Meeresgrund zutage fördern konnte. „Bei Tonne 6 vor Laboe bin ich fündig geworden“, erzählt Deutschmann. Seither fährt die Barkasse im Sommer mit jeweils zehn Gästen und drei Mann Besatzung (Kapitän, Steuermann und Biologe) hinaus, um den Passagieren vor Ort Stichling, Krebs, Blasentang und Qualle erklären zu können. Im Anschluss an die kleine Lehrstunde kommt der „Fang“ natürlich wieder zurück ins Wasser. Die Nachfrage sei groß, aber ein Problem sei es, Schiffsführer mit nautischem Patent zu finden, so Deutschmann. Denn er finanziere die Station mitsamt der Barkasse aus Eigenmitteln ohne Zuschüsse und Fördergeld. Allerdings habe die Gemeinde vor einigen Jahren einen Anbau ermöglicht und den Informationspavillon im Naturerlebnisraum gebaut. „Die Eintrittsgelder möchte ich aber nicht erhöhen“, so der Biologe. Seit Jahren zahlen Kinder 4 und Erwachsene 6 Euro für die Führung.

 

Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag, Sonnabend, jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Von Astrid Schmidt

Quelle: Kieler Nachrichten

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