"Beschluss der Gemeinde Laboe ist überzogen"

Pferdesport am Laboer Strand hat Tradition. Das in den 1950er Jahren veranstaltete Strand-Derby erlebte 2006 -wie auf diesem Foto zu sehen - eine Renaissance, wurde dann aber aus finanziellen Gründen wieder eingestellt. (Foto:Astrid Schmidt/Archiv)

 

LABOE. Das Thema Reiten am Strand in Laboe wird vor allem bei Reitern und ihren Verbänden sehr kritisch bewertet. Hans-Helmut Lucht aus Laboe, Ausbilder, Prüfer und Turnierrichter der Landeskommission des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein, meldet sich jetzt zu Wort und bietet Gespräche an. Er wertet den Antrag der Laboer Wählergemeinschaft (LWG) und den daraus resultierenden Beschluss über die Satzungsänderung als „überzogen“ und betitelt die Gemeinde Laboe als „pferdeunfreundlich“. Er weist auch auf den touristischen Aspekt des Reitsports in Laboe hin, der in der Ortsgeschichte einen hohen Stellenwert hatte. Wie berichtet, hatte die Gemeindevertretung mit den Stimmen von LWG, Grünen, SPD und dem fraktionslosen Gemeindevertreter die bestehende Regelung gekippt und das Reiten am Kurstrand ganzjährig untersagt. Lediglich am Hunde- und Freistrand ist das Reiten noch erlaubt, während der Saison aber eingeschränkt. Als Grund hatte die LWG unter anderem Konflikte etwa mit Hundebesitzern oder Erholungssuchenden genannt. Für Pferdefreund Lucht eine „überzogene“ Reaktion. „Die geschilderten Vorkommnisse von rücksichtslosen Reitern am Strand waren mir bisher nicht bekannt. Warum haben die Beschwerdeführer die Reiter nicht in geeigneter Weise vor Ort angesprochen und zur Rede gestellt? Warum erst jetzt die überzogene späte Reaktion der Laboer Wählergemeinschaft?“, fragt Lucht. Der Bürgermeister habe im Sommer die Möglichkeit gehabt, sich mit Fachleuten des Pferdesportverbandes über Lösungen auszutauschen, so Lucht weiter. Sowohl Jürgen Lamp aus Brodersdorf, Ausbilder, Trainer und Vorsitzender des Kreisreiterbundes Plön, sowie Lucht selbst als Mitglied der Landeskommission des Pferdesportverbandes hätten zur Verfügung gestanden. Dies wäre ein zielführender Weg gewesen, als jetzt durch grobe Verallgemeinerung die Reiter „an den Pranger zu stellen“, so Lucht. Er weist darauf hin, dass es in Laboe „mehr als sechs Jahrzehnte“ einen Reiterverein gab. Dort wurden Reiter in Reitlehrgängen ausgebildet, vertieft wurde das Reiten im Straßenverkehr, auf Feld- und Waldwegen sowie das Reiten am Strand. „Sicherheit und Rücksichtnahme sind das Gebot. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn im Herbst der letzte Strandkorb abgeräumt war, war der Strand unser. Ebenso die Regel im Frühjahr, wenn der erste Strandkorb aufgestellt war, haben wir Reiter diszipliniert den Strand geräumt. Mir sind aus dieser Zeit keine nennenswerten Probleme mit Einheimischen und Urlaubsgästen bekannt“, sagt der Ausbilder. Lucht betont auch den touristischen Aspekt im „Pferdeland Schleswig-Holstein“ und erinnert an erfolgreiche Derby-Veranstaltungen, zu denen mehr als 5000 Besucher und internationale Reitergrößen begrüßt worden seien. Die Veranstaltungsfläche habe darunter nicht gelitten. Nicht zuletzt seien für viele Landwirte in der Region die Pensionspferdehaltung und die Reiterhöfe mit Ferienbetrieb zu eigenständigen Betriebszweigen geworden. „Der Reiter, der sich diszipliniert an die bestehenden Gesetze hält und Rücksicht nimmt gegenüber anderen Erholungssuchenden, beeinträchtigt weder die Landschaft noch andere Erholungssuchende. Im Gegenteil, er bereichert die Landschaft. Andere Tourismusorte sind uns da weit voraus“, sagt Lucht. Von Astrid Schmidt

Quelle: Ostholsteiner Zeitung

 

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