"Der Ortskern wird ausgehungert"

Arbeitnehmer und Geschäftsleute sind erbost. Sie sind auf einen Stellplatz angewiesen, denn sie müssen mit dem Auto zur Arbeit fahren. Foto Astrid Schmidt

 

LABOE. Die beschlossenen Parkautomaten im Laboer Unterdorf sorgen nicht nur bei Anwohnern (wir berichteten), sondern auch bei Geschäftsleuten und Arbeitnehmern in Laboe für Ärger. Denn viele, die ihren Arbeitsplatz in den Betrieben am Dellenberg, in der Reventloustraße und in der Parkstraße haben, stehen nun vor der Frage: Wohin mit meinem Auto? Auch Bürgermeister Marc Wenzel (Grüne) räumt ein: „Ich bekomme in meiner Bürgersprechstunde den Unmut der Laboer zu spüren.“ Kostenfreie Stellplätze im Laboer Unterdorf sind rar. Eine Möglichkeit, länger zu parken, um einzukaufen oder andere Dinge zu erledigen, wird nun durch den Beschluss, in der Parkstraße Automaten aufzustellen, genommen. Zwar gibt es die sogenannte „Brötchentaste“, die ein kostenfreies Parken von 30 Minuten erlaubt, doch einig sind sich alle: Das ist keine Lösung. Nicht für die Anwohner und nicht für die Mitarbeiter von Geschäften. „Für uns wird das zu einem richtigen Problem, denn wir sind auf das Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen“, erklärte Iris Sommerburg aus Schönberg. Auch Victoria Heckmann und Doris Pries aus Stein und Probsteierhagen wissen nicht, wo sie künftig das Auto abstellen sollen. Die drei Frauen arbeiten in der Apotheke von Volker Helm am Dellenberg. Er selbst hat bereits aufgrund der ohnehin knappen Parkmöglichkeiten im Unterdorf zwei Stellplätze vor seinem Geschäft erworben, um seinen Kunden das Parken zu ermöglichen. Auch Sabine Hilbert vom Geschäft „Nadel und Faden“ wünschte sich von der Ortspolitik eine Regelung, die mehr Rücksicht auf die Einwohner nimmt. Auch sie hat „für 90 Euro im Monat einen Stellplatz gemietet“. Wie prekär die Lage ohnehin schon war, zeigt, dass die Geschäftsleute sich schon vor langem zusammengetan, Stellplätze für ihre Kunden erworben und einen privaten Ordnungsdienst beauftragt hatten, der die Einhaltung der Frei- Parkzeit von einer Stunde vor ihren Geschäften kontrollierte. „Ein Ausweichen auf unsere Stellplätze ist also kaum zu befürchten, denn das würde teuer. Trotzdem geht das Problem uns alle an, meinte Bianca Gehlert von der Postfiliale. „Denn wenn es keine Parkmöglichkeiten mehr gibt, wird der Ortskern ausgehungert“, sagte sie. Inzwischen sieht auch der Bürgermeister ein: „Eine Anwohnerregelung ist bei dem Beschluss zu kurz gekommen. Ich glaube, die Politik sollte sich noch einmal mit dem Thema beschäftigen“, sagte Wenzel. Die Grünen-Fraktion hatte diese Initiative ergriffen, das Thema Parken, das seit über fünf Jahren ohne Ergebnis diskutiert wird, anzugehen. Michael Meggle (Grüne) äußerte sich auf Nachfrage von Anwohnern wie Christian Lantau aus der Parkstraße. Auf Grundlage eines Verkehrsentwicklungsplans von 2010 verweist er auf die vielschichtigen Interessen, denen die Gemeindevertreter gerecht werden müssten. Tagesbesucher, die zentrumsnah parken wollen, Kundschaft der ortansässigen Betriebe, die immer weiter steigende Zahl von Ferienwohnungen und „nicht zu vergessen die Anwohner“. Meggle: „Bei rund 450 Stellplätzen im Unterdorf sind rund 110 kostenfrei. Knapp ein Viertel in zentralster Lage von Laboe mit Erreichbarkeit in Fußweglänge der Hotspots.“ Es gebe nur wenige Anwohner, die nicht über Parkraum auf eigenem Grund verfügen, schreibt er weiter und verweist auf die rechtlichen Voraussetzung für ein sogenanntes Bewohnerparken. So müsse dafür unter anderem ein „erheblicher Mangel an privaten Stellflächen und erheblicher Parkraumdruck“ bestehen. Hier eine Lösung zu finden, die möglichst alle Belange berücksichtigt, sei Aufgabe der Selbstverwaltung. Ausschlaggebend sollte immer das Gemeinwohl sein. „Und das sehen wir bei diesem Sachverhalt in einer verkehrslenkenden Maßnahme, die zu weniger Parksuchverkehr unserer Gäste führen soll“, so Meggle. Von Astrid Schmidt

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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