Flaschenpost nach sieben Jahren am Ziel

 

LABOE. Für Melissa Kruse begann der Tag eigentlich wie jeder andere. Sie ist früh zur Arbeit gekommen, ihre Frühschicht startet um 5.30 Uhr. Sie arbeitet bei der Firma Sicherheit Nord als Sicherheitskraft für die Bundeswehr. Ihr Arbeitsplatz ist ein dem Bund gehörender Strandabschnitt in Laboe – ein Hochsicherheitsbereich. „Das Wetter an dem Tag war sehr schön, die Sonne strahlte, also habe ich meinen Hund genommen und wir sind eine Runde am Strand gelaufen“, erzählt die 21-Jährige. Bei diesem Spaziergang entdeckt ihr Diensthund Anka einen roten Ball im Gebüsch und gleich neben dem Ball entdeckt Melissa Kruse eine in Sand gebettete, alte, durchsichtige Flasche mit einem eingerollten Stück Papier darin – eine Flaschenpost. „Ich habe die Flasche sofort geöffnet, und ich weiß noch, wie überrascht ich war, dass man die Schrift auf dem Zettel so gut lesen konnte. Und die Nachricht darin habe ich mir sofort ans Herz genommen.“ Auf dem Zettel stand: „Wir laden Euch zu einem schönen, gemütlichen Verwöhn-Wochenende mit Grillen, Bier, Wein und schönen Spielen und Gesprächen nach Schortens ein. Wir freuen uns auf Euch – Stephan, Meike, und Maya Jansen.“ Gerichtet ist die Nachricht an Ilka und Andreas Rau. Sofort startet Melissa Kruse auf Facebook einen Aufruf. Der Beitrag wird mehr als 40 000 Mal geteilt, aus ganz Deutschland erreichen Kruse Tipps, Ratschläge und Kommentare, in denen ihr viel Erfolg bei der Suche nach dem Paar gewünscht wird. Und siehe da – innerhalb weniger Stunden meldet sich jemand mit der Nummer der Familie Rau bei ihr. 10. März 2012: Ein besonderer Tag für Ilka und Andreas Rau: Sie feiern ihre Hochzeit in Kiel am Falckensteiner Strand. Einer der Programmpunkte: Die Gäste schreiben dem frisch vermählten Brautpaar eine persönliche Nachricht, rollen das Papier ein, schließen es sicher in eine kleine Flasche und schicken so gut zehn Botschaften in die Ostsee. Knapp sieben Jahre nach diesem Tag klingelt bei Ilka Rau das Telefon. Melissa Kruse ist an der Leitung und erzählt von der Flaschenpost, die sie in Laboe gefunden hat. „Ich konnte es gar nicht glauben, ich war richtig euphorisch und habe mich so gefreut“, erzählt Ilka Rau. Ihr Mann und sie hatten im Laufe der Jahre vergessen, dass die Flaschenpost Teil ihrer Hochzeitsfeier gewesen war. In der Zwischenzeit ist Familie Rau gewachsen. Mit drei Kindern – ein, sechs und acht Jahre alt – leben die Raus in Schleswig. „Dass uns nach so langer Zeit doch noch eine Nachricht erreicht, ist wirklich unglaublich“, sagt die mittlerweile 41- Jährige. Und das Besondere: Es ist die Nachricht ihrer Schwester, die nach sieben Jahren von Melissa Kruse während des Strandspaziergangs entdeckt wird. „Dass es gerade die Schwester war, deren Nachricht ich bekommen habe – und das im verflixten siebten Jahr der Ehe!“ – Melissa Kruse, die eigentlich nicht an Schicksal und solche Dinge glaubt, kann in diesem Fall auch nicht recht hinnehmen, dass das reiner Zufall gewesen sein soll: „Das wird wohl Schicksal gewesen sein“, sagt sie immer noch begeistert von ihrem Fund. Sie hat jetzt schon mehrmals mit Familie Rau in Schleswig telefoniert. Das Angebot der Raus, sich für den Fund zu revanchieren, hat Kruse rigoros abgelehnt: „Nein, auf keinen Fall möchte ich etwas dafür. Das liegt mir so am Herzen – die Geschichte ist einfach wunderschön.“ Ob sie selbst auch überlegt, auf ihrer Hochzeit Flaschenpost in die Ostsee zu schicken? „Auf jeden Fall!“ Die der Familie Rau ist mittlerweile auf dem Weg nach Schleswig – diesmal ganz klassisch über den Landweg und mit der Deutschen Post. Von Alev Doğan

Quelle: Kieler Nachrichten

 

Zurück