Keine Angst vor großen Pötten

 

LABOE. Schicke Boote sind auch Mädchenträume. Zum bundesweiten Girls’ Day, dem Mädchenzukunftstag zur Berufsorientierung in naturwissenschaftlichen oder technischen Berufen, besuchte die zwölfjährige Lotta Thomsen aus Brodersdorf die Schiffswerft in Laboe und schaute Bootsbauerin Lisa Bank (23) bei ihrer Arbeit über die Schulter. Mit anpacken durfte die Schülerin auch. Es gibt einen ganz besonderen Grund, warum Lotta den Beruf des Bootsbauers spannend findet: Sie hat sich in Schiffe verliebt. Vorzugsweise Segelschiffe. „Mein Papa hatte früher auch immer ein Boot gehabt, mit dem wir im Sommer Segelurlaub gemacht haben“, erzählt sie. Die Erinnerungen an Urlaub auf dem Wasser gefallen ihr so gut, dass sie sich an Segelschiffen gar nicht satt sehen kann. Seefest sei sie auch, berichtet Lotta stolz. Und nicht zimperlich, was für den Beruf eines Bootsbauers von Vorteil ist. „Wenn unser Boot Schräglage hatte, wurde ich an die Reling gebunden, und da saß ich dann mit meiner Kuschelmaus“, erinnert sich die Zwölfjährige mit einem fröhlichen Lachen. Auch Lisa Bank (23) ist an diesem Tag sehr gut gelaunt: Sie freut sich über weibliche Unterstützung in einer (fast) reinen Männerdomäne. „Man braucht ab und an mal ein dickes Fell“, sagt sie. Doch meistens sei die Arbeit auf der Werft sehr kollegial. Wenn etwas für sie zu schwer wird, packen die männlichen Kollegen mit an. Etwa bei der Arbeit mit dem Kran. Sobald die Boote auf den Böcken liegen und die Stützen ausgefahren werden, sind die Männer im Vorteil. „Dann kommt Markus mit seiner ganzen Kraft und kann die Stütze noch drei Mal rausdrehen“, erzählt Lisa. Besser hat sie es als Frau dagegen auf dem Bootsmannstuhl, wenn etwas am Mast zu erledigen ist. „Da wiege ich einfach weniger, und der andere hat es leichter, mich hoch zu kriegen.“ Die Arbeit eines Bootsbauers ist vielfältig und manchmal auch etwas abenteuerlich, erfährt Lotta am Girls’ Day. Während der Wintersaison hat Lisa Bank einen Stapel an Aufträgen der Bootseigner abzuarbeiten. Meistens sind es kleinere und größere Reparaturen, mitunter auch Restaurationen. Im Sommer wird die Bootsbauerin zum Mädchen für alle Fälle: Mit Fahrrad und Werkzeugkiste radelt sie quer durch den Hafen, um hier ein Schräubchen und da eine Mutter auszutauschen. Oder auch mal einen neuen Windanzeiger am Mast anzuschrauben. Es kommt vor, dass sich Tampen bei den Schiffen im Hafen in der Schiffschraube verheddern. „Normalerweise haben wir dafür unsere Taucher“, erzählt Lisa Bank. Doch sie selbst sei schon einmal während der Mittagspause ins Wasser gesprungen, um einen Tampen zu lösen. „Zimperlich darf man nicht sein. Wir arbeiten auch bei jedem Wetter draußen. Selbst bei Hagel und Sturm.“ Ihr Tagesgast gibt sich ebenso robust: „Ich habe ein Pferd und miste den Stall aus“, meint Lotta. Auch die handwerkliche Arbeit scheue sie nicht. Solange sie von Booten und Meeresluft umgeben ist. „Ich finde es voll cool, dass man mit so riesigen Schiffen arbeiten kann“, sagt sie. Ihre Schule vermisst sie am Girls’ Day übrigens nicht. „Es ist toll, dass man hier am Ende des Tages sieht, was man geschaffen hat.“ Von Nadine Schättler

Quelle: Kieler Nachrichten 

 

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