Politik stößt Anwohner vor den Kopf

 

LABOE. Schon frühzeitig vor der Sitzung der Gemeindevertreter in Laboe waren alle Plätze besetzt, einige Bürger verfolgten stehend die emotional hoch aufgeladene Diskussion. Knackpunkt war der Beschluss der Gemeinde, ab 1. Mai 2019 in der Parkstraße Parkautomaten zu installieren. Es hatten sich Bürger zusammengetan, die dagegen Sturm liefen. Auch SPD und CDU hatten sich in einem gemeinsamen Antrag für die Aufhebung des Beschlusses ausgesprochen. Dennoch bleibt es dabei: Die Automaten werden aufgestellt, Grüne, LWG und der fraktionslose Einzelvertreter stimmten gegen eine Aufhebung der Entscheidung. Es hatte (wie berichtet) für Unmut gesorgt, als im Dezember bekannt wurde, dass die Anwohner in der zentral im Ortskern gelegenen Parkstraße künftig ein Ticket ziehen müssen, wenn sie ihr Auto vor ihrer Haustür abstellen wollen. Denn an eine Anwohnerlösung war nicht gedacht, wie es damals geheißen hatte. Das trieb nicht nur Anlieger, sondern auch Beschäftigte der umliegenden Betriebe auf die Barrikaden. Selbst Bürgermeister Marc Wenzel (Grüne) hatte sich entsprechend geäußert, dass es sinnvoll sei, das Thema noch einmal zu überdenken. Das war nun geschehen – ohne Erfolg für die Anwohner. Die waren zahlreich in der Sitzung vertreten. „Haben Sie sich Gedanken um die Bürger gemacht?“, wollte Christian Lantau wissen. Bürgermeister Wenzel räumte ein: „Ja, es ist ärgerlich, aber es liegt nichts Beschlussfähiges vor.“ Auf die Frage, weshalb es keine Anwohnerparkscheine gebe, meinte Michael Meggle (Grüne), die Bürger sollten sich an den Amtsdirektor wenden. Das trieb die Zuhörer dann doch auf die Palme. „Das ist ein Armutszeugnis. Sie sind von den Bürgern gewählt“, hieß es aus den Zuhörerreihen. Da konnte auch der Hinweis von Maren Biewald (Grüne), man kümmere sich um eine Anwohnerregelung, aber die sei rechtlich nicht so einfach, die Gemüter nicht beschwichtigen. „Wenn Sie das alles nicht wissen, warum wird nicht erst nachgedacht und dann beschlossen?“, fragte Christa Saager. Eine 84-Jährige mahnte: „Vergessen Sie Ihre Alten nicht.“ Auch die Apotheken- Angestellte Iris Sommerburg aus Schönberg fragte: „Wo sollen wir hin?“ Auf die Frage, wie die Parkautomaten den Parksuchverkehr verringern sollten, blieben die Vertreter die Antwort schuldig. Lantau fasste zusammen: „Sie kassieren hier von Laboern und Beschäftigten von Laboer Betrieben, nicht von den Gästen.“ Bürgermeister Marc Wenzel erklärte angesichts dieser massiven Proteste: „Ja, es wäre im Sinne der Anwohner, wenn es eine saubere Lösung gäbe, aber heute gibt es dazu keinen Beschluss.“ Die Anwohner reagierten fassungslos: „Und das finden Sie alle richtig?“, fragte ein Zuhörer. Nein, nicht alle, wie Günter Petrowski, Fraktionssprecher der CDU betonte. Er verwies auf die Haltung seiner Fraktion sowie den gemeinsamen Antrag mit der SPD-Fraktion, die Parkstraße aus der verabschiedeten Gebührenordnung herauszunehmen. Der CDU-Vertreter beantragte (wie bereits in der ursprünglichen Sitzung) namentliche Abstimmung. Die Grünen beantragten schließlich eine Sitzungsunterbrechung. Das Ergebnis: Mit zwei Stimmen Mehrheit sprachen sich die Vertreter für die Beibehaltung des Beschlusses aus. Von Astrid Schmidt

Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

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