Protest gegen Blockheizkraftwerk

Die Bürger in der Feldstraße protestieren gegen das geplante Blockheizkraftwerk, das hinter ihren Häusern entstehen und das Neubaugebiet Krützkrög mit Wärme versorgen soll

Laboe. Anlieger in der Laboer Feldstraße protestieren gegen das geplante Blockheizkraftwerk, das im Zuge der Erschließung des Neubaugebiets Krützkrög entstehen soll. Denn es ist nicht etwa im Neubaugebiet geplant, sondern im benachbarten Wohngebiet, unmittelbar hinter ihren Gärten und Terrassen. Das Neubaugebiet Krützkrög sorgt erneut für Unruhe in der Feldstraße. Die Anlieger hatten bereits im Zuge der Planung durch ihre Proteste erfolgreich verhindert, dass die Erschließung über die Feldstraße und damit genau vor ihrer Haustür entlangläuft. Auch eine Durchfahrtmöglichkeit soll durch ihr massives Veto ausgeschlossen bleiben. Nun erleben sie allerdings eine „massive Beeinträchtigung ihrer Wohnsituation“, wie Silke Nienhaus und Ulrich Arp aus der Feldstraße berichteten. Die beiden wurden durch Erdarbeiten vor ihren Gärten überrascht. „Wir dachten zuerst, das sind normale Grünpflegearbeiten, doch dann gab es einen richtigen Kahlschlag, und plötzlich stehen da Bagger vor unserer Terrasse“, berichtete Arp. Nun suchten die Anlieger nach Erklärungen, wendeten sich an die Gemeindevertreter, von denen sie sich nur unzureichend informiert fühlten. Schließlich wurden sie bei der Kreisbaubehörde vorstellig und erfuhren von den Plänen des Energieversorgers Energie für Schleswig-Holstein, deren Gesellschafter die Wankendorfer Baugesellschaft ist, dort ein Blockheizkraftwerk errichten zu wollen. Damit, so zeigte sich, soll die Wärmeversorgung für das gesamte Neubaugebiet Krützkrög mit am Ende rund 500 neuen Bürgern erfolgen. „Und uns wird das vor die Nase gesetzt. Es hätte sich am Rande des Gewerbegebiets bestimmt ein Platz gefunden“, meinte Ulrich Arp. Aber nun soll ein Gebäude, das 68 Quadratmeter Grundfläche und einen 16 Meter langen Schornstein hat, direkt an die bestehenden Häuser gebaut werden. „Direkt daneben ist ein Kinderspielplatz“, sagte Helga Hoppe. Zum Konzept des Erschließungsträgers des neuen Baugebiets Krützkrög, der Förde Sparkasse, gehörte von Beginn an ein solches Blockheizkraftwerk. „Wir hatten mehrere Bewerber für die Wärmeversorgung und die Firma ESH erhielt den Zuschlag. Wo sie dann ihre Versorgungseinheit baut, kann sie selbst entscheiden. Im Baugebiet wurde keine Fläche dafür vorgesehen“, sagte Wilfried Sommer von der Förde Sparkasse auf Nachfrage. Auch das Amt Probstei bestätigte: Ein BHKW ist nicht im Bebauungsplan festgesetzt. Stattdessen hat die Firma den Bauantrag gestellt, ihr benötigtes Kraftwerk auf dem angrenzenden Grundstück der Wankendorfer zu bauen. „Dagegen ist rechtlich nichts einzuwenden, denn dort gibt es keinen Bebauungsplan, die Gemeinde hat keinen erkennbaren Grund, das Einvernehmen zu versagen“, erklärte Amtsdirektor Sönke Körber auf Nachfrage. Rein menschlich könne er den Unmut der Anlieger nachvollziehen. Die sehen sich massiv beeinträchtigt in ihrer Wohnqualität und zudem den Wert ihrer Häuser gemindert. „Wer will schon ein Haus kaufen mit einem 16 Meter hohen Schornstein davor?“, meinte Arp. Es sei bereits ein Anwalt mit der Angelegenheit betraut. Doch bisher liegt nach Angaben des Kreises Plön keine Baugenehmigung vor. Ein kritischer Punkt: Das Gebäude wird nach Art und Umfang der Umgebung beurteilt. Die weist aber eine Wohnbebauung in Höhe von maximal zwölf Metern auf, der notwendige Schornstein misst 16 Meter, übersteigt also die umgebende Bebauung um vier Meter. Man prüfe, gerade aufgrund der Situation vor Ort, den Antrag sehr gründlich, es könne sich noch einige Wochen hinziehen, so der Sprecher des Kreises Plön, René Hendricks. Auch Bürgermeister Heiko Voß kann die Entrüstung der Anlieger „menschlich“ sehr gut verstehen. Für ihn folgt aus diesem Fall ganz klar: „Bei nachfolgenden Planungen werden wir so etwas anders handhaben. Es kann nicht sein, dass Versorger selbst entscheiden, wo ihre Einrichtungen gebaut werden und am Ende die Anlieger darunter zu leiden haben.“

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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