Morgens hat man seine Ruhe

Für viele die schönste Stunde im Laboer Hafen: früh morgens, von 5 bis 6 Uhr, wenn fast nur die Möwen schreien und die Wanten im Wind klappern. Für Fischer Oliver Egerland ist sein Fischkutter der schönste Arbeitsplatz der Welt.

Ein Tag hat 24 Stunden. Das ist ganz schön viel Zeit, die sehr unterschiedlich genutzt wird. Vor allem wird rund um die Uhr gearbeitet. Denn für jeden ist der Tages- (und Nacht-)ablauf anders. Einige arbeiten um Mitternacht, andere machen am frühen Morgen Sport, und wenn viele Feierabend machen, starten andere in den Job. In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen Akteure in unterschiedlichen Berufen und Branchen mit den Hürden und Freuden ihres Alltags für jeweils eine Stunde des Tages vor. Heute: der Hafen in Laboe.

Laboe. Der Laboer Hafen ist vor allem im Sommer ein quirliger Ort, an der Landseite nicht weniger als auf der Seeseite. Anders ist es noch morgens früh um fünf Uhr, wenn der Hafen in einer besonderen Stimmung langsam zum Leben erwacht. Dennoch herrscht auch zur frühen Morgenstunde an mancher Stelle schon geschäftiges Treiben. Die Bänke an der Südmole sind noch feucht von der Nachtkühle. Möwen kreischen vom Dach des Hafenspeichers, die Fischküche als erste Adresse für Fischfans, liegt noch im Dunkel. Ebenso wie die Taxizentrale und der Fahrkarten-Kiosk an der Nordmole. Auf den Bus nach Kiel wartet nur ein Fahrgast. Ruhe über dem Hafen. Doch dann biegen drei Kleinlaster auf den Platz, ihre Insassen: die Handwerker der Firma Anker-Rampen mit Hannes Nockel an der Spitze. „Wir wollen früh anfangen, damit wir keine zu heißen Temperaturen haben“, sagt er. Der Kieler baut mit seinem Team bundesweit Skatebahnen und freut sich auf „ein Heimspiel“. Schon kommt der erste Beton. Dafür sind die kühlen zwölf Grad am frühen Morgen genau richtig. „Wir arbeiten gegen die Zeit. Je wärmer es wird, desto schneller bindet der Beton ab“, erklärt er. Mit einer gewaltigen Düse spritzt er die Masse in die abgeteilten Felder, die sogleich glattgezogen werden. „Dieses Projekt ist für uns alle etwas Besonderes – auch aufgrund dieser einmaligen Lage“, schwärmt Nockel beim Blick auf das einlaufende Lotsenboot, das Kurs auf die Bunkerstation nimmt. Dort wartet schon Tankwart Gerd Rojahn. Mit einem kurzen Schnack begrüßt er den Steuermann Ingo Hollack, nimmt die Leine entgegen, macht das Boot fest. „1100“, ruft Kapitän Alwin Drohn dem Tankwart zu. Der weiß Bescheid – ohne viele Worte. Man versteht sich einfach im Hafen. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rojahn in der Bunkerstation. „Man trifft viele Leute aus aller Herren Länder, das ist hier international, da verständigt man sich auch schon mal mit Händen und Füßen“, erzählt er. Oft genug ist er auch Auskunftsbüro für die 1000 kleinen Dinge. „Viele verwechseln mich auch mit dem Hafenmeister. Der müsste besser ausgeschildert sein“, meint Rojahn. Unterdessen hält der Lieferwagen von Bäcker Schlüter nebenan an der Station des Lotsenbetriebsvereins und liefert die Brötchen ab. Die müssen mit zum Kieler Leuchtturm, ebenso wie die Köchin, die auf dem Turm die Seelotsen beköstigt. Denn der Kieler Leuchtturm ist die Lotsenversetzstation für die Seelotsen, die ihren Dienst auf den Schiffen antreten, die in den Hafen wollen oder diejenigen, die vom Hafen kommen und Kurs Richtung See nehmen. Einer, der noch viel früher unterwegs war, kommt schon wieder rein – Fischer Oliver Egerland. Seit Jahresbeginn fährt er mit seinem kleinen Fischkutter Lab 41 raus und fängt das, was er selbst vermarkten kann, wie er erzählt. An diesem Morgen hat er Plattfische, reichlich Dorsch und einige Seelachse in seinen Netzen gehabt. Seit er als Siebenjähriger vom Ruderboot aus angeln durfte, wollte er Fischer werden, berichtet er. „Aber vorher habe ich Industriekaufmann gelernt“, erzählt der 40-Jährige. Doch er könne sich keinen schöneren Arbeitsplatz als seinen Kutter vorstellen. „Man hat seine Ruhe. Auch wenn es immer schwerer wird, mit der Fischerei seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Wohl auch deshalb bleibt er an diesem Morgen der einzige Fischer, der in den Hafen zurückkehrt. Die anderen Kutter waren gar nicht erst draußen. Einer, der ebenfalls arbeitend die Morgenstunde genießt, ist Hans-Jürgen Rathje. Er stellt sein Auto auf dem noch bis acht Uhr kostenfreien Parkplatz ab und dreht seine „Zeitungsrunde“. Seit 15 Jahren trägt er die Kieler Nachrichten aus und freut sich jetzt nach getaner Arbeit auf sein Frühstück, verrät der 80-Jährige. Sechs Uhr: die Seitentür der Fischküche öffnet sich, die erste Mitarbeiterin bereitet die Küche vor. Vermehrt schlendern Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern über den Hafenplatz, an der Bushaltestelle sammeln sich mehrere Fahrgäste, das Taxi hat seine erste Fahrt – das Leben beginnt im Laboer Hafen.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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