Bürger wehren sich gegen „Verklotzung“

Die Bürger am Großen Hof machen mit Bannern auf ihren Unmut aufmerksam.

Laboe. Bei vielen Einwohnern im Großen Hof in Laboe ist die Stimmung schlecht. Denn sie beklagen die geplante Bebauung vor ihrer Haustür. Dort, wo eine Informationstafel auf einen historisch bedeutsamen Ort hinweist, sollen nun drei Wohnblocks gebaut werden. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Gestaltung. Die betroffenen Anwohner hatten, wie berichtet, Unterschriften gesammelt, doch inzwischen hat der B-Plan Rechtskraft erlangt, das Gelände ist geräumt, der Bau kann jederzeit beginnen. Entstehen sollen drei Mehrfamilienhäuser mit rund 30 Wohneinheiten und Tiefgarage. Vor zwei Jahren hatte der Eigentümer des ehemaligen Reiterhofs aus Altersgründen den Betrieb eingestellt und einen Antrag auf den Bau von Wohnungen gestellt. Dem hatte die Gemeinde zugestimmt und in einem sogenannten beschleunigten Verfahren den Bebauungsplan geändert. Grund: Es handelte sich um eine Innenbereichsentwicklung, durch die ein Grundstück wieder für Wohnbebauung genutzt werden sollte. Aus dem einstigen Mischgebiet wurde ein reines Wohngebiet. Doch die geplante Bebauung wirkt nach Ansicht der Anlieger „wie ein Fremdkörper in dem historisch geprägten Oberdorf“, sagte Angelika Schaup-Gummig. Sie fordert die Gemeinde auf, „endlich eine Gestaltungssatzung zu erlassen, um den Dorfcharakter zu erhalten. „Keine unserer Hinweise wurden berücksichtigt“, erklärte Christa Kahl-Burbach. Sie plädierte, wie rund 30 weitere Nachbarn für eine aufgelockerte Bebauung im Stil der vorhandenen Häuser. „Wir sind nicht gegen eine Bebauung, sondern wir möchten, dass sie sich einpasst in die dörfliche Struktur“, betonte Kahl-Burbach. Dazu zähle sie rote statt wie vorgesehen sandsteinfarbene Klinker. Wie das aussehen kann, sei in dem Gebiet Portland in der Hafenstraße zu sehen. „Das passt nicht an diesen Ort“, so die Einwohnerin. Sie habe sich gewünscht, „dass wir alle mal an einen Tisch kommen“, so Kahl-Burbach. Günther Keppler fasst die Kritik so zusammen: „Das Bauvorhaben in seiner jetzigen Ausprägung folgt ausschließlich dem Ziel der Maximalnutzung der Fläche, ohne Rücksicht auf die Belange der Bürger oder die bestehenden Bebauung. Es ist die anachronistische Antwort von Laboe auf eine moderne Entwicklung und Gestaltung eines Ostseebades.“ Doch ganz wollen sich die Anwohner noch nicht geschlagen geben. „Wir hoffen noch auf einen Kompromiss oder ein Gespräch mit dem Investor“, meinte Keppler. Doch man scheue sich auch nicht, den Klageweg zu beschreiten, kündigte er an. Auf Nachfrage erklärte Amtsdirektor Sönke Körber, dass der B-Plan trotz beschleunigten Verfahrens sehr wohl öffentlich ausgelegen habe. Dieses Planungsinstrument habe der Gesetzgeber den Gemeinden vor einigen Jahren an die Hand gegeben, damit Flächen, die innerorts für Wohnbebauung wieder nutzbar gemacht werden sollen, möglichst schnell entwickelt werden können, so Körber. Nach Ansicht der Anwohner ist dieses Verfahren „gut geeignet, geräuschlos Großprojekte im Expressverfahren durchzuwinken“, so Karl-Heinz Kahl.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

Zurück