Kritik an der Post ebbt nicht ab

Die letzte Post-Partnerfiliale in Laboe im Lottoladen „Zentrum Laboe“ ist inzwischen aufgelöst.

LABOE. Der Ärger reißt nicht ab: Seit rund einem Monat ist die DHL-Partnerfiliale der Post in Laboe geschlossen. Die Anwohner sind sauer – für Pakete oder Einschreiben müssen sie nach Heikendorf fahren, für normale Briefe schafft ein Briefkasten Abhilfe. „Dass die Postfiliale so spontan geschlossen wurde, finde ich in einer Gemeinde wie Laboe schwierig“, sagte Claudia Riecken. Die 36-Jährige wohnt in Laboe. Auch für die Gemeinde ist das kein Zustand. „Wir wurden nur kurzfristig informiert und sind sehr unglücklich über diese Situation“, sagte Laboes Bürgermeister Heiko Voß. Bei der Gemeinde seien Beschwerden über die Zustellung eingegangen: Seit die Filiale in dem Lotto-Geschäft geschlossen sei, kämen die zugestellten Briefe unregelmäßiger. „Die Bürger haben den Eindruck, dass alles was mit Post zu tun hat, nicht mehr klappt“, erklärte Voß. Für Pakete müssen die Laboer jetzt nach Heikendorf oder Schönberg fahren. Für Menschen ohne Auto mitunter eine Zumutung. Es geht dabei nicht nur um Pakete, die aufgegeben werden sollen. Wenn ein Paket an die Haustür geliefert wird und der Kunde nicht zu Hause ist, geht das Paket an die nächste mögliche Abholstation – in diesem Fall: Heikendorf. DHL und die Deutsche Post müssen jetzt einen neuen Partner finden. Drei Monate gibt ihnen der Gesetzgeber dafür Zeit, bestätigte ein Sprecher der Deutschen Post. Eine Gemeinde in der Größe Laboes muss vom größten deutschen Logistikunternehmen beliefert werden. „Wir führen Gespräche und sind auf der Suche, aber können noch nichts Konkretes sagen“, erklärte Postsprecher Jens-Uwe Hogardt auf Nachfrage. Dabei kann nicht jeder einfach Postpartner werden: Es gibt eine Checkliste, die abgearbeitet wird. Der Partner müsse interessiert und engagiert sein, die räumlichen Möglichkeiten haben und gewisse Öffnungszeiten bieten. Natürlich sei der Standort auch ein wichtiger Punkt: Man wolle möglichst zentral bleiben. Bürgermeister Voß möchte sich das „nicht mehr lange angucken“. Er selbst hat sich auf die Suche gemacht und verschiedene Szenarien durchgespielt. Der Rewe am Dellenberg liegt nur wenige Meter vom vorherigen Postpartner entfernt und wäre ideal. Edeka Alpen am Ortseingang wäre auch eine Option, aber für Bürger ohne Auto schwer zu erreichen. Es wäre laut Bürgermeister Voß gut, wenn die Poststelle im Unterdorf bliebe. Auch Räume der Gemeinde wurden schon auf ihre Tauglichkeit untersucht. Jedoch: „Das Rathaus ist leider nicht barrierefrei“, erklärte Voß. Das leerstehende Café in der Schwimmhalle wird noch von der Sommerkirche bis in den September genutzt. Der Handwerker- und Gewerbeverein hat schon Hilfe angeboten, doch solange Post und DHL ihre Kriterien nicht offenlegten, sei es schwierig, jemanden zu finden. Knifflig ist es momentan nicht nur bei der Aufgabe oder Abholung von Paketen, sondern auch für Kunden der Postbank. Geld abholen kann man bei der Shell-Tankstelle am Ortseingang oder bei Rewe, wenn man für mindestens zehn Euro einkauft. Bis zu 200 Euro geben die Kassierer aus. Doch für eine Beratung, Fragen zum eigenen Konto oder für die Kontoauszüge müssen die Laboer nach Heikendorf oder Schönberg fahren – vor allem für Senioren ohne Auto eine echte Hürde.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

 

 

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