„Das ist ein untragbarer Zustand“

 

LABOE. Die Zeit für die Schwimmhalle Laboe läuft ab. Im September müsste das Meerwasserschwimmbad eigentlich schließen. Dann endet der Aufschub, den die Bürger in einem Entscheid erwirkt hatten. Doch Bürgermeister Heiko Voß hat andere Pläne, wie er im Interview ankündigt.

Herr Voß, im September endet die Zeit für die Schwimmhalle Laboe, sie muss dann geschlossen werden. Wie geht es weiter?

Heiko Voß: Solange in der politischen Landschaft keine entsprechenden Anträge zur Schließung gestellt werden, ist sie weiterhin geöffnet. Wir werden jetzt gefragt, ob wir überhaupt noch weiter Schulschwimmen anbieten. Die Schulen haben bei uns gefragt: Können wir noch verlängern? Ein halbes Jahr? Ich habe gesagt: Ja, das nehme ich auf mich. Bis Februar können wir noch Schulschwimmen anbieten. Ich habe die Schwimmhalle jetzt übernommen und festgestellt, dass es ein untragbarer Zustand ist – vor allem für die Mitarbeiter. Einer Kollegin konnte man nur einen Vertrag für einen Monat anbieten. Die Kollegin ist gegangen. Ich habe jetzt eine befristete Stelle wieder besetzt, aber da laufe ich schon Gefahr, dass ich mir Ärger einhandele, sofern es zu einer Schließung kommt. Aber ich halte diesen Zustand für nicht richtig.

Wie sieht der nächste Schritt aus?

Ich habe vor der Sommerpause einen vielfältigen Katalog bekommen an Beschlüssen, die ich umzusetzen habe. Diese Beschlüsse gehen in die Richtung Machbarkeitsstudie für einen Standort in der Probstei. Die Schwimmhallen-Versorgung der Probsteier Schulkinder ist ein Schwerpunkt. Fördermittel müssen eingeworben, Gespräche mit den Umlandgemeinden geführt, die richtige Betriebsform gefunden werden.

Die Gemeinde Schönberg möchte gern, dass eine Schwimmhalle dort eröffnet. Halten Sie das für realistisch?

Dass ich mich für den Schwimmhallen Standort in Laboe einsetzen werde, das weiß jeder. Ich respektiere aber auch die Haltung von Schönberg. Deshalb machen wir diese Machbarkeitsstudie. Ich setze die Beschlüsse nicht als Alibi um. Ich werde allerdings auch der Politik den Vorschlag machen, dass man – wenn ich mich wirklich fleißig und intensiv um die Zukunft kümmere und nach Lösungen suche und auch eine Trägerschaft mit den Umlandgemeinden hinkriege – mir bitte noch zwei bis drei Jahre Zeit geben und die Halle betreiben soll, damit ich dort auch Entscheidungen treffen kann. Dann haben wir zumindest ein Angebot für die Urlauber und Schulkinder.

Ihr Vorgänger Marc Wenzel hatte im Januar angekündigt, bis zur Sommerpause eine Art Zweckverband oder ähnliches zu gründen. Das ist nicht passiert.

Nein. Ich bin in Gesprächen mit dem Bürgermeister von Schönberg, Peter Kokocinski. Und im Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie sind wir übereingekommen, dass es erst einmal keinen Sinn macht, mit allen Bürgermeistern vorweg zu sprechen. Käme ich mit dieser Idee an, würden die mich fragen: Wofür denn? Für ein Schulbad in Probsteierhagen? Oder für ein anderes Bad, ein touristisch geprägtes an der Kieler Förde, sprich: Laboe oder Schönberg? Ich hätte kein Konzept vorzuzeigen.

Wie werden Sie weiter vorgehen?

In Absprache mit Herrn Kokocinski haben wir Kontakt zur Wirtschaftsförderungsagentur in Schwentinental gesucht, die auch kommunale Beratung und Förderberatung anbietet. Sie wird uns beraten und betreuen bei dieser Machbarkeitsstudie, die den besten Standort in der Probstei bestimmen soll. Es geht auch um Kreismittel und dass die Ausschreibung in Ordnung ist. Deshalb ist es jetzt noch nicht zu der Gründung gekommen und auch nicht zu Gesprächen. Ich will die anderen Bürgermeister erst einladen, wenn ich ein Konzept habe.

Ist Schönberg ihrer Meinung nach ein geeigneter Standort für eine Schwimmhalle?

Ich glaube, im Vergleich zu Schönberg können wir den Schulschwimm- und Reha- Bereich besser abdecken. Ich weiß nicht, ob man nach Schönberg fährt und sagt: Hier kann man jetzt auch noch schön abends schwimmen. Ich will das nicht abstreiten, aber das sehe ich an der Stelle einfach als unseren Vorteil an.

Wird die Schwimmhalle in Laboe bleiben?

Dafür bin ich angetreten. Ich habe auch immer wieder gesagt: Als Bürgermeister werde ich alle Beschlüsse ausführen, die mehrheitlich entstanden sind, aber ich werde mich für den Schwimmhallen-Standort Laboe einsetzen. Ich bin ein sehr geduldiger Typ und kann auch ganz viel entwerfen und entwickeln.

Was denn konkret?

Ich würde der Gemeinde raten, die Schwimmhalle an der gleichen Stelle bis auf bestimmte Eckpunkte abzureißen und genau an der Stelle wieder aufzubauen. Wir haben das Grundstück, wir haben das Fundament auf dem Strand. Wir müssen aber auch bestimmte Probleme lösen wie die Parkplatzsituation vor der Schwimmhalle. Und wir müssen uns die Frage stellen: Wie wichtig ist Meerwasser?

Das klingt so, als liebäugelten Sie auch mit einem anderen Standort.

Andere Standorte in Laboe finde ich auch interessant, aber: Dann müssen wir Grund und Boden kaufen, wir müssen Baurecht schaffen, wir müssen Erschließungsprobleme lösen. All das würde Jahre dauern.

Wie könnte die Schwimmhalle aussehen, wenn sie erhalten bleibt?

Ich möchte mit dem Begriff Spaßbad ein bisschen aufräumen. Meine Kriterien für die Halle wären: Schulschwimmen, sechs Bahnen à 25 Meter plus Sprungturm, damit wir das Schwimmabzeichen in Bronze abnehmen können. Das ist das Minimum, das das Land Schleswig-Holstein auch als Merkmal für ein Bad vorgibt. Ich möchte auch Präventionsschwimmen im Angebot sehen. Ich habe einen guten Begriff von einem Kollegen aus dem Amt Schrevenborn gehört: Lasst doch Spaßbad weg. Sagt doch einfach Schulbad plus.
Interview: Frida Kammerer

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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