Wer hat Interesse am Strandkiosk?

Schandfleck in bester Lage ist der Strandkiosk Höhe Birkenweg gegenüber dem Ehrenmal. Nun soll der Bau und der Betrieb in private Hände gegeben werden. Foto: Astrid Schmidt

 

LABOE. Es ist ein Schandfleck: Mitten an der Promenade Laboe steht ein Kiosk. Verrostete Fenstergitter, beschmierte Wände, ausgespültes Fundament, freiliegende Kabel – seit Jahren tut sich an diesem Gebäude nichts. Nun möchte die Gemeinde Laboe etwas dagegen unternehmen. Eigentlich hätte die Gemeinde Laboe mit diesem Projekt schon weiter sein können. Im Jahr 2016 war beschlossen worden, ein Interessenbekundungsverfahren zu starten. Dann war es zu einem Rechtsstreit über die Neubaupläne der Gemeinde gekommen. Kürzlich erklärte Bürgermeister Heiko Voß in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung, er habe Gespräche geführt und ihm sei Interesse am Bau eines neuen Strandkiosks signalisiert worden. „Ich bin guter Dinge, dass wir genügend Interessenten finden werden, um auswählen zu können“, sagte er. Die Frage war: Baut die Gemeinde selbst oder vergibt sie Bau und Betrieb an einen privaten Betreiber? Das Grundstück soll in Erbpacht vergeben werden. Darüber entbrannte eine kontroverse Diskussion. Derzeit stehen geschätzte Baukosten von 635 000 Euro im Raum. „Viel zu hoch, dafür baue ich ja eine Luxusvilla“, meinte Günter Petrowski (CDU). Er warnte davor, das Sahnestück in 1ALage wegzugeben und dafür nur einen geringen Pachtzins zu erhalten. Die SPD bezeichnete die Kostenschätzung als „zweifelhaft“ und forderte eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, die bisher nicht vorliege, so Fraktionssprecher Tobias Slenczek. Er plädierte dafür, dass die Gemeinde selbst baut. „Das ist die Chance, wieder mehr eigene Gebäude in den Bestand zu bekommen“, sagte er. Zu Sitzungsbeginn hatte Slenczek beantragt, die Debatte zu vertagen und erst zu führen, wenn die Zahlen geprüft worden seien und die Gemeinde wisse, „was aus dem Grundstück herauszuholen“ sei. „Das sind wir auch den Bürgern schuldig“, sagte Slenczek. Sein Antrag wurde von der CDU unterstützt, scheiterte aber an den Stimmen von LWG und Grünen. Das sah auch Petrowski kritisch. „Ich kann doch nicht über etwas entscheiden, von dem ich nicht weiß, wie die Zahlen aussehen“, so der stellvertretende Bürgermeister. Der fraktionslose Einzelvertreter Karl-Christian Fleischfresser sah das Selbstbauen der Gemeinde kritisch. Das habe schon bei der Feuerwehrgarage nicht geklappt, sagte er. Wichtig, so Fleischfresser, seien die öffentlichen WC-Anlagen, die zum Kiosk gehörten. Claudia Bern (LWG) wies angesichts der im Raum stehenden Summe von 635 000 Euro darauf hin, dass private Investoren andere Preise bei Baufirmen erzielen könnten als die öffentliche Hand. Und Marc Wenzel (Grüne) sagte: „Dass die Gemeinde Laboe kein Unternehmen ist, das haben wir in den letzten 100 Jahren bewiesen, sonst wäre die Situation in Laboe nicht so wie sie ist.“ Bürgervorsteher Michael Meggle (Grüne) mahnte zur Eile. „Ich habe Angst davor, noch zwei Jahre eine Ruine in Toplage zu haben.“ Schließlich stimmten neun Vertreter dafür, Bau und Betrieb des Kiosks, einschließlich dem Betrieb der dort vorhandenen öffentlichen WC-Anlagen an einen privaten Interessenten zu vergeben. Sieben Vertreter stimmten dagegen.  Von Astrid Schmidt

 

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