Auf der Jagd nach Bordstempeln

Elias Gadhof (9) aus Hessen verbringt mit seiner Familie seit vielen Jahren Urlaub dort, wo er Seenotkreuzer wie die "Berlin" antreffen kann

Laboe. Der Tag der Seenotretter in Laboe ist nicht nur bei Einheimischen beliebt. Touristen reisen selbst aus dem Süden der Republik an, um das maritime Ereignis der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an insgesamt knapp 30 Stationen an Nord- und Ostsee mitzuerleben. Elias Gadhof (9) mit seiner Familie aus Hessen ist so jemand, der auf einen Mallorca-Urlaub gut verzichten kann. Seine Ferien spielen sich seit vielen Jahren dort ab, wo er einen Seenotkreuzer oder Rettungsboote der DGzRS antreffen kann. Genau 26 Bordstempel hat er schon in seinem kleinen Bildband, der natürlich auch die Arbeit der Seenotrettung zeigt. „Auf der ,Hermann Marwede’ in Helgoland möchte ich mal Kapitän werden“, sagt der Junge selbstbewusst. Die 46-Meter-Klasse der DGzRS hat es ihm angetan. Wie er seinem Traum näher kommen kann, weiß er auch schon. „Seefest sollte man sein. Aber das habe ich bereits auf einigen Wellen ausprobiert. Das klappt.“ Mit seinen Eltern hat er an diesem Wochenende gleich drei Stationen der DGzRS besucht: Maasholm, Eckernförde und Laboe. Aus München ist Claas Henkel (39) mit seiner Freundin Tanja und einem Modell des alten Seenotkreuzers „Berlin“ angereist, der im Januar gegen seinen Nachfolger in Laboe ausgetauscht wurde. Bis ins kleinste Detail hat Claas Henkel die alte „Berlin“ nachgebaut: Selbst Schraubenköpfe wurden nachgebildet und auch das Schlitten-System für das Tochterboot „Steppke“ funktioniert eins zu eins wie im Original. „Ich habe mit neun Jahren mal eine Postkarte von der ,Berlin’ bekommen. Da wusste ich, dass ich so ein Boot mal selbst bauen wollte“, erzählt der Bayer. Fast 30 Jahre später präsentiert er seinen Nachbau am Tag der Seenotretter stolz zur Jungfernfahrt am Laboer Hafen. Sekt-Taufe inklusive. „Das war sein absoluter Traum“, erklärt Freundin Tanja. Alljährlich besuchen zahlreiche Einheimische und Touristen am Tag der Seenotretter die Stationen der DGzRS an Nord- und Ostsee, die sich an diesem Tag mit ihrer Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren und Aktionen anbieten. In Laboe arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche sowie Freiwillige der Stationen Kiel-Schilksee und Laboe gemeinsam Hand in Hand und bieten den Besuchern Rundfahrten mit den Rettungsbooten „Walter Rose“, „Crempe“ und „Woltera“ an. Außerdem gibt es Bergungsvorführungen mit den Schiffen im Laboer Hafenbecken und mit dem SAR-Hubschrauber der Marine auf der Kieler Förde sowie ausführliche Informationen über die Arbeit der Seenotretter. Etwa 130 bis 160 Einsätze pro Jahr beschäftigen die neunköpfige hauptamtliche Besatzung des Seenotkreuzers in Laboe. Viele Notfälle passieren, so Vormann Michael Müller, wenn der Wind stärker ist als vorhergesagt oder wenn Kite-Surfer bei ablandigem Wind aufs Meer treiben. Er freut sich, dass die Arbeit der Seenotretter an Nord- und Ostsee zunehmend auch in anderen Teilen Deutschlands wahrgenommen wird. „In den vergangenen Jahren ist das Interesse wirklich groß geworden“, so Müller.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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