Betagte Damen sind schnittig unterwegs

Für Liebhaber schöner Segelschiffe gab es richtig viel zu sehen: Die klassischen Jachten kehrten am Wochenende von ihrer Wettfahrt, den German Classics, in den Laboer Hafen zurück.

Laboe. Mehr als 100 Jahre Bootsbau- und Segelgeschichte waren am Wochenende in Laboe versammelt. Rund 130 Boote aus Deutschland, Holland, Dänemark und Schweden lagen teilweise im Vierer- Fünferpäckchen im alten Jachthafen der Gemeinde. Zu bestaunen war eine einzigartige Typenvielfalt quer durch alle Segelklassen. Dabei kamen nicht nur See-, sondern auch Sehleute auf ihre Kosten. Die Akteure hatten Glück: Es herrschten genau die richtigen Windstärken und das Wetter spielte auch mit. Hunderte Menschen ließen sich unter anderem am Sonnabend das Einlaufen der „betagten Damen“, die von ihrer Wettfahrt auf der Kieler Außenförde in den Laboer Hafen zurück kehrten, nicht entgehen. Imposant, wie die majestätische 12-mR-Jacht „Heti“ (Baujahr 1912), die als Ikone traditionellen Jachtbaus gilt, schnittig an ihren Liegeplatz gleitet. Die sogenannten Zwölfer galten als Königsklasse im Segelsport und hatten in den 1930er- bis 1950er-Jahren ihre Blütezeit. Ebenso präsentierten sich Kreuzerjachten, Schärenkreuzer, Folkeboote und Seefahrtkreuzer. Bestaunt werden konnte auch der 1935 gebaute und liebevoll restaurierte Zweimastschoner „Ella“ und die 8mR-Jacht „Germania II“, gebaut 1934 bei Abeking & Rasmussen für die Familie Krupp. „Es ist einfach eine besondere Atmosphäre. Hier trifft man Menschen, die man das ganze Jahr nicht sieht. Man tauscht sich aus und gibt Erfahrungen weiter“. So beschrieb Ulrich Körner aus Hamburg den Reiz dieser Veranstaltung für Segler klassischer Jachten. Er ist seit 1983 selbst Besitzer eines 6KR-Seekreuzers, gebaut 1962, und ist gemeinsam mit seiner Frau Susanne Krönert damit unterwegs. „Das Boot ist noch eines von sechs dieser Baureihe. Es waren die letzten, die in Winning bei Schleswig noch in handwerklicher Bootsbauarbeit gefertigt wurden, bevor die Kunststoffboote kamen“, erzählte er. Er hegt und pflegt das Mahagoni-Boot mit Teak-Deck und liebt das einfache Leben an Bord, die gemütliche Kajüte, die Kombüse ohne Kühlschrank. „Da ist das Bier nur so kalt, wie das Wasser. Aber wir brauchen nicht viel, das erdet ungemein.“ Seit elf Wochen seien sie an Bord. Das Klassiker-Treffen sei quasi ein Höhepunkt der Tour, bevor es dann durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Hause gehe, berichtete der Hamburger. Besucher wie Klaus Riecken aus Hamburg lassen sich einfach nur von der besonderen Stimmung und der breiten Palette der Segelboote gefangen nehmen. Auf den Sitzstufen, den Bänken unter Palmen im neu gestalteten Hafenumfeld, breitet sich die besondere Atmosphäre aus, die diese Veranstaltung des Freundeskreis klassische Yachten ausstrahlt. Geboten wurde zudem ein Rahmenprogramm an Land mit kulinarischen und musikalischen Genüssen.

Quelle: Kieler Nachrichten

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