Seenotretterin für einen Tag

Frauke Wengerowski ist Seenotretterin für einen Tag an Bord der "Berlin". Auf der Brücke erklärt ihr Dirk Sellmann die Instrumente während Holger Budig das Schiff steuert

Laboe. Freiwillig vom Schiff ins Meer springen und darauf warten, dass man aufgefischt wird? Nicht jedermanns Sache. Frauke Wengerowski, 39, hat es getan. Sie bekam dafür allerdings einen wasserdichten Kälteschutzanzug und ihre Helfer waren echte Profis – die Crew des Seenotrettungskreuzers „Berlin“ aus Laboe. Die abenteuerliche Aktion gehörte zum Programm „Seenotretter für einen Tag“: Zum dritten Mal hatte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) einen Online-Wettbewerb veranstaltet, bei dem es einen Tag an Bord der Berlin zu gewinnen gab. Mit Frauke Wengerowski aus Hamburg, Mutter von zwei Kindern, ergatterte erstmals eine Frau diesen besonderen Tag. Wengerowski liebt das Wasser, aufgewachsen ist sie in Wilhelmshaven, ihr Vater war bei der Marine. Mit ihrer Familie macht sie gerne Urlaub an der Küste, und seit Jahren ist sie förderndes Mitglied bei der DGzRS. Mit dem Bord-Tag geht für die Kommunikationswirtin, die als Personalreferentin arbeitet, ein Traum in Erfüllung. Die Leidenschaft hat sich schon auf ihre Kinder übertragen: „Meine Tochter wollte gerne mit“, berichtet sie. Zum Programm gehört auch das Training vorab im Ausbildungszentrum OffTec in Enge-Sande. Wie verhält man sich, wenn man mit einer ganzen Gruppe von Leuten im Wasser gelandet ist? Wie dreht man eine Rettungsinsel um und steigt ein? Wie zieht man einen anderen aus dem Wasser? Dazu wurden Sturm, Nebel und Dunkelheit simuliert. „Vorher habe ich mir Gedanken gemacht: Habe ich die Kraft, bin ich mutig genug?“, erinnert sich Wengerowski. Doch alles ging gut: „anstrengend, aufregend, toll“. Abends kam sie dann an Bord . „Ich wurde nett aufgenommen und habe richtig gut geschlafen.“ Der Sonntagmorgen beginnt mit einer Kontrollfahrt zum Leuchtturm Kiel. Damit die „Berlin“ im Notfall einsatzbereit ist, müssen die Motoren regelmäßig laufen. Die Sonne scheint, der Wind weht mit etwa vier Beaufort. Frauke Wengerowski hat dieselbe rote Sicherheitskleidung bekommen wie die vierköpfige Crew, lässt sich auf der Brücke von Vormann Holger Budig und von Dirk Sellmann die Instrumente erklären, fragt nach der Ausrüstung an Bord. Und ist auch bereit, für eine Übung ins Wasser zu springen und sich von Sellmann und Björn Hagge mit dem Tochterboot „Steppke“ retten zu lassen. „Es ist schon ein komisches Gefühl. Man bekommt eine Ahnung, wie es wäre, wenn man wirklich in Not wäre“, beschreibt sie danach den Moment, als sie im Wasser lag und die „Berlin“ davonfahren sah. „Die Zeit kam mir sehr lang vor.“ Auch wenn sie die Retter auf dem Weg wusste und der Anzug „kuschelig warm“ war. „ Ich habe versucht, nicht darüber nachzudenken, wie tief das Wasser unter mir ist.“ An Bord weiß man ihren Einsatz zu schätzen: „Die ist cool“, heißt es bei der Crew. Und selbst das Geschaukel im Tochterboot in der Heckwelle des großen Kreuzers macht ihr nichts aus. „Ich habe jetzt noch mehr Respekt vor der Arbeit der Seenotretter“, sagt Wengerowski anschließend. Man nehme es als Selbstverständlichkeit hin und unterschätze, welche Abläufe dahinterstehen, damit alles funktioniert. Mit an Bord ist auch Thomas Stasch, 46, der Gewinner des ersten Wettbewerbs vor zwei Jahren, diesmal als Reporter eines Bootsmagazins. Ihn zieht es seit seinem Tag als Seenotretter immer wieder auf die „Berlin“, „es ist wie eine Familie“. Er hatte an seinem Tag damals gleich zwei echte Einsätze. Für Frauke Wengerowski bekommt ebenfalls Gelegenheit zu zeigen, was sie gelernt hat: Am Nachmittag wird ein Segelboot mit Motorschaden gemeldet, das eingeschleppt werden muss.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

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