"Wir brauchen ein kommunales Bad"

Plädiert für eine Kreis-Lösung statt eines Zweckverbandes: Der Heikendorfer Bürgermeister Alexander Orth. Foto: SEL

LABOE/HEIKENDORF. Kurz vor dem Bürgerentscheid zum Erhalt der Schwimmhalle Laboe und kurz nach der Vorstellung der „Entscheidungshilfe“ der Ämter Probstei und Schrevenborn für eine Versorgung der Region blüht die Diskussion. Heikendorfs Bürgermeister Alexander Orth plädiert für eine Kreis-Lösung. Wie berichtet, hatte der Probsteier Amtsdirektor Sönke Körber nach der Bürgermeisterrunde erklärt, wenn zumindest die großen Gemeinden einen Grundsatzbeschluss fassen würden, könnten die Verwaltungen einen Zweckverband als Träger einer Schwimmhalle vorbereiten. „Das Signal der großen Gemeinden war nicht zu erkennen“, hatte der Probsteier Amtsvorsteher Wolf Mönkemeier bedauert. Es gehe nicht um Laboe, sondern um eine Schwimmhallenversorgung für die Region, hatte der Schrevenborner Amtsdirektor Ulrich Hehenkamp betont. Es werde Jahre dauern, für einen Ersatz zu sorgen. „Das ist eine typische Kreis- Aufgabe“, meint der Heikendorfer Bürgermeister Alexander Orth. Wenn einzelne Gemeinden die Versorgung der Bürger in bestimmten Bereichen nicht leisten könnten, sei das Sache des Kreises, der ja auch Gymnasien und Rettungswachen unterhalte. „Es macht Sinn, dass der Kreis sich verbindlich dauerhaft beteiligt“, sagt Orth. Das müsse nicht bedeuten, dass der Kreis auch Träger ist. Dafür sei kein Zweckverband erforderlich, nur ein Kreistagsbeschluss. Den Bau sollte nach Ansicht Orths auch das Land fördern. Orth wies darauf hin, dass der Kreis Plön mit Schwimm- Angeboten im Bundesvergleich deutlich unterversorgt ist. Wie seine Kollegen in der Runde der Ämter hält auch Ort eine Schwimmhalle in der Region für notwendig: „Wir müssen sehen, dass wir in der Region ein kommunales Bad haben.“ Wo das steht, sei zweitrangig: „Die Touristen gucken nicht, ob in Laboe ein Halle ist, sondern in der Region.“ Die Laboer Halle zu sanieren hält Orth für aussichtslos. Der Heikendorfer Bürgermeister erwartet, dass die Standort-Gemeinde einen „signifikanten“ Beitrag“ leistet. Die SPD Laboe betonte, sie habe „mit ihrem Antrag im März 2017 in der Gemeindevertretung den Wunsch für eine Schwimmhalle in der Region in Form eines Zweckverbandes auf den Weg gebracht“, so Fraktionschefin Inken Kuhn und Ortsvereinsvorsitzender Tobias Slenczek. Nach Vorlage des Gutachtens hatte Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst (SPD) die Gemeinden beider Ämter eingeladen. Nach der „Entscheidungshilfe“ der Ämter wünsche sich die SPD, „dass bis Weihnachten alle Gemeinden die umfangreichen Unterlagen auswerten, um eine Entscheidung für einen Zweckverband zu treffen.“ Hier seien besonders die großen Gemeinden gefordert: „Die Bereitschaft, einen großen Betrag der Defizitabdeckung zu übernehmen, haben wir signalisiert und aktiv den Prozess angeschoben.“ Der Förderverein Hallenbad Laboe betonte, er habe bereits 2016 ein Zweckverbandskonzept vorgestellt. „Wir erwarten jetzt endlich konkrete Schritte“, erklärte der Vorstand. Der Zweckverband sei ein „Impuls für die Entwicklung“ der Region, der Schwimmstandort Laboe „erste Wahl“. Jürgen Papendorf, der in zwei Instanzen vergeblich versuchte, den Bürgerentscheid am 24. September für unzulässig zu erklären, betont, auch er wolle eine Schwimmhalle, aber nicht mehr im jetzigen Umfang dafür bezahlen. „Wir hoffen, dass mit dem Bürgerentscheid der Endtermin zur Schließung der Schwimmhalle bestätigt wird, damit endlich Bewegung in die Umlandgemeinden kommt“, sagt Papendorf. Die „entscheidende Frage, wer bezahlt das Schwimmhallendefizit“, werde durch den Entscheid nicht beantwortet. 

Bürgerentscheid-Initiatoren warnen vor Grundstückskosten

Die Initiatoren des Bürgerentscheids, Klaus Röttgering und Ulrich Arp, betonten, dass das ursprüngliche Gutachten aus ihrer Sicht keineswegs ein neues Bad „zur Daseinsvorsorge“ empfehle. Aus einem späteren Exkurs werde deutlich, dass ein reines Versorgungsbad erheblich weniger Einnahmen bringen würde. Der Laboer CDU-Gemeindevertreter Jörg Erdmann schrieb in einem offenen Brief an Röttgering, die Bedeutung einer Schwimmhalle in der Region werde von niemanden bezweifelt. Den Anstoß für einen Zweckverband habe schon der erste Runde Tisch mit den Umlandbürgermeistern gegeben, doch die wollten erst das Gutachten abwarten. „Für unsere abgängige Halle ist erstens die Zeit abgelaufen und zweitens werden sich die Umlandgemeinden nicht bewegen, wenn sie wissen, die Laboer Halle bleibt offen“, meint Erdmann. von Thomas Christiansen

Quelle: Kieler Nachrichten

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