Eine Spende für die Retter

Ulrich Münker und Christian Tinnemeyer stecken die Geldscheine in das Spendenschiff von Jörg Ahrend. Foto CHR

 

LABOE. Noch in europäischen Gewässern brauchten Cati und Johannes Erdmann Hilfe für ihre „Maverick too“ und riefen die Zentrale der DGzRS in Bremen. Jetzt spendeten sie den Seenotrettern ihr Honorar von einem Vortrag, den sie in Kiel über ihren insgesamt zwei Jahre langen Segeltörn gehalten hatten. Immerhin 600 Euro erhielt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die ihre Arbeit ausschließlich durch Förderer und aus Spenden finanziert, die unter anderem aus den an vielen Orten aufgestellten Spendenschiffchen stammen. Ulrich Münker und Christian Tinnemeyer brachten das Bargeld jetzt in einem kleinen Briefumschlag in das Informationszentrum Schleswig- Holstein der Seenotretter in Laboe und steckten die Scheine in das kleine Spendenschiffchen, das Zentrumsleiter Jörg Ahrend bereitgestellt hatte. Die beiden von der Segelmacherei Faber +Münker aus Kiel hatten Cati und Johannes Erdmann, die inzwischen in den USA tätig sind, vor ihrer großen Reise beraten und anschließend den Vortrag in ihrem Firmensitz organisiert, der von fast 100 Zuhörern besucht wurde. „Die haben an dem Abend sehr authentisch berichtet – auch von einigen Dingen, die nicht so schön waren“, erzählt Christian Tinnemeyer. Etwa von der Seekrankheit, die Cati Erdmann in den ersten Wochen sehr gequält hat. „Sie hatte keine Ahnung vom Segeln“, sagt Ulrich Münker. Johannes Erdmann dagegen umso mehr. Er hatte zum Beispiel schon 2009 den Nordatlantik von New York zu den Azoren überquert. Mit der gebraucht gekauften, knapp zehn Meter langen und 3,15 Meter breiten „Maverick too“ (Baujahr 1972) sind Cati und Johannes Erdmann dann im September 2014 von ihrem damaligen Anleger direkt hinter dem Deich an der Oste (Niedersachsen) aus zur Elbe und danach zur Nordsee und von dort aus weiter in Richtung Biscaya und Atlantik gestartet. Vor der spanischen Küste fiel dann der Motor im Sturm aus. Manövrierunfähig trieb das Segeboot langsam auf die Felsen. Die Zentrale der DGzRS in Bremen schickte ihnen dann die Kollegen vom spanischen Rettungsdienst zu Hilfe. „Mehr als 200 Einsätze werden jedes Jahr von Bremen aus weltweit vermittelt“, erklärt Jörg Ahrend vom Infozentrum. Erst kürzlich gerieten Segler vor Estland im Nebel in Not und ihr Hilferuf auf einem dort nicht abgehörten Kanal ging zunächst ins Leere. Erst über den Anruf bei der Zentrale in Bremen wurde ihnen dann rasche Hilfe aus Estland vermittelt. Für die beiden Erdmanns ging nach dieser Hilfsaktion vor der spanischen Küste die Reise weiter über den Atlantik mit Station auf Madeira, dann in die Karibik und nach Nordamerika und später über die Azoren zurück Richtung Cuxhaven. Im August 2016 kehrten die beiden zurück und wechselten kurz danach ins Chartergeschäft – auf den Bahamas haben sie jetzt den 13 Meter langen Katamaran „Maverick XL“, der Platz für acht Personen bietet und den sie für Touren verchartern. Über ihre zwei Jahre auf See haben sie inzwischen auch ein Buch geschrieben, das demnächst herauskommen soll. Von Thomas Christiansen 

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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