Wie ein schöner Schrank mit Tasten

Orgelbauerin Anne Darbringhaus hat die Pfeifen der neuen Hausorgel der Friedhofskapellegesäubert und neu intoniert. Foto Astrid Schmidt

 

LABOE. Es ist ein großes Ereignis: Morgen um 15 Uhr wird eine neue Hausorgel in der Laboer Friedhofskapelle mit einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Möglich wurde dies durch ein Geschenk an die Kirchengemeinde Laboe. Diese 90 Jahre alte Orgel aus dem Nachlass von Joachim Walter, unter anderem Kirchenmusiker in der Stadtkirche Preetz und Orgelsachverständiger, wird nun künftig Trauerfeiern angemessenen begleiten. Gleichzeitig ermöglicht sie auch neue kulturelle Angebote in der Laboer Kapelle, wie Kantor Eckhard Broxtermann erklärte. Sie wirkt wie ein schöner Wohnzimmerschrank mit Tasten. Denn die insgesamt 513 Pfeifen verschwinden hinter zwei hölzernen Türen, wenn sie geschlossen werden. Gut zehn Tage hatte Orgelbauerin Anne Darbringhaus damit zugebracht, die Pfeifen auszubauen, zu säubern, neu zu intonieren und wieder einzubauen. „Die Pfeifen müssen ohnehin alle 15 bis 25 Jahre, je nach Standort der Orgel, gesäubert werden“, erklärte die Fachfrau von der Orgelbaufirma Paschen aus Kiel. Das Instrument wurde seinerzeit von der Firma Orgelbau Kemper in den Orgelbauwerkstätten in Bartenstein/ Ostpreußen gebaut. „Es ist zwar eine kleine Orgel, aber schon mit Pedal, eine sogenannte Hausorgel, die sich auch als Instrument im Privathaushalt eignete“, erklärte Broxtermann. Sie zeichne sich durch schöne Klangfarbe aus und bereichere die Friedhofskapelle in vielerlei Hinsicht. „Die Orgel hebt die musikalische Qualität von Trauergottesdiensten. Das ist Hinterbliebenen oft sehr wichtig“, sagte er. Das Instrument gehörte dem 2015 verstorbenen Musikwissenschaftler Dr. Joachim Walter, einem Studienfreund des Laboer Kantors. Durch persönliche Verbundenheit zu dessen hinterbliebenem Lebenspartner Matthias Schütz kam die Orgel jetzt nach Laboe. Bisher, so berichtet Broxtermann, stand sie noch in Preetz, wo Walter von 2005 bis 2913 gewirkt hatte. Die Hausorgel löst die bisher in der Friedhofskapelle vorhandene Truhenorgel ab. Die findet ihren Platz nun in der Anker-Gotteskirche ergänzend zu der dortigen Seiffert- Orgel. Broxtermann plant mit dem „neuen“ Instrument auch eine Ausweitung des musikalischen Programmes der Anker- Gottes-Kirche, wie etwa durch Kammerkonzerte oder musikalische Lesungen. Wer am Sonntag, 15 Uhr, in der Friedhofkapelle den Gottesdienst verfolgt, wird die feierliche Weihe der Orgel erleben. „Zuerst schweigt die Orgel. Der Posaunenchor spielt und erst dann setzt die Orgel ein. Das ist ein sehr erhebender Moment“, sagte Broxtermann voller Vorfreude. Von Astrid Schmidt  

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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