Heiligabend ist Tag des Elfmeter-Königs

Zum 20. Mal wird in Laboe der Elfmeter-König ausgeschossen

Laboe. Während andere am Morgen des Heiligabends den Tannenbaum schmücken oder letzte Vorbereitungen für das Weihnachtsfest treffen, ziehen sie sich ihre Sportkleidung über: Zum mittlerweile 20. Mal traf sich eine Gruppe von Männern auf dem Sportplatz in Laboe, um den Elfmeter-König auszuschießen. Der Wind treibt den Nieselregen in Schwaden über den Platz. Die sieben Grad fühlen sich an wie eine Temperatur um den Gefrierpunkt. Doch die Truppe, die sich mit dem Ball durch den aufgeweichten Boden kämpft, hat sichtlich Spaß an diesem ungemütlichen Vormittag. Rund eine Stunde wärmen sie sich bei einer Fußballpartie auf, bevor es an den eigentlichen Wettbewerb geht. Nur einmal wird das Spiel kurz unterbrochen: Björn Witt geht am Spielfeldrand engagiert in einen Zweikampf, rutscht im Schlamm aus und landet im Gebüsch. Er fasst sich an die Nase. „Kann mir jemand helfen, meine Brille zu suchen?“, ruft er über den Platz. Ein paar Sekunden später hält jemand das Gestell in der Hand. „Ich habe extra die alte Brille mitgenommen“, verrät Witt lachend. „Wir haben früher oft zusammen Fußball gespielt“, erzählt Stefan Günther (39). Die Freunde kennen sich aus der Schulzeit und trafen sich meistens am Strand. 1998, zur Weltmeisterschaft in Frankreich, entstand die Idee, einen Elfmeter-König zu ermitteln. Damals waren die meisten von ihnen gerade im Zivildienst oder bei der Bundeswehr. Mittlerweile leben viele gar nicht mehr in Laboe. „Wir sind auf die ganze Republik verteilt“, so Günther. „Aber am Heiligabend kommen wir wieder alle zurück.“ Es sei wie ein Klassentreffen: „Hier geht es um Freundschaft“, betont der 39-Jährige. Die Aufwärm-Partie ist beendet. Jetzt gibt es erst einmal (alkoholfreien) Glühwein und Schmalzbrote zur Stärkung, bevor es zum Höhepunkt des Tages kommt. Für das Elfmeterschießen haben sie sich ein bestimmtes System überlegt. Jeder erhält eine gewisse Anzahl von Punkten – meistens sind es vier. Vorjahresgewinner Sebastian Doran muss gleich zu Beginn ins Tor und bekommt dafür einen Punkt mehr. Der Reihe nach treten die anderen gegen ihn an. Für jeden Treffer wird dem Torwart ein Punkt abgezogen. Wenn er hält oder der Elfmeterschütze daneben schießt, darf der Mann im Tor seinen Posten verlassen und sich bei den Schützen einreihen, während der andere nun den Kasten sauber halten muss. Auch wenn der Torwart nur noch einen Punkt hat, darf er raus – so hat er noch eine zweite Chance, diesen letzten Trumpf über das Schießen hinauszuretten. Für ihn muss dann derjenige rein, der noch die meisten Punkte hat. Was sagen ihre Frauen dazu, dass die Männer sich am Vormittag des Heiligabends verdrücken und völlig verschlammt wieder nach Hause kommen? „Die finden es gut, dass wir uns treffen“, meint Stefan Günther. „Jungs spielen eben gerne im Dreck“, ergänzt Philipp Schütt grinsend. „Wir haben den Baum schon am Vorabend geschmückt, es ist alles erledigt“, fügt Christian Rasmussen hinzu. Gespielt wird übrigens bei jedem Wetter. Sie haben sich durch hohen Schnee gekämpft oder bei eisigen Temperaturen gefroren. „Das ist noch nie ausgefallen“, erklärt Stefan Günther: „Hoffentlich bleibt das auch in den nächsten 20 Jahren so. Und vielleicht können wir dann in etwa zehn Jahren auch schon den ersten Jugend-Elfmeter-König beim Nachwuchs ermitteln.“ Die ersten drei Gewinner erhalten eine Urkunde und eine Flasche Sekt. Der neue Elfmeter-König darf sich außerdem einen Weihnachtsmantel umhängen und eine Krone aufsetzen. In diesem Jahr freut sich Philipp „Schütti“ Schütt über den Sieg – dafür muss er dann aber im nächsten Jahr als Erster ins Tor.

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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