Bäder-Regelung: Fast alle sind zufrieden

Ferienerinnerungen für zu Hause: Auch künftig können Touristen in den Ferienorten sonntags nach Souvenirs suchen

Kiel. Die Geschäfte in der Kieler Innenstadt dürfen trotz der Kreuzfahrer auch künftig sonntags nicht öffnen. Das teilte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) mit Blick auf die neue Bäder-Verordnung mit. Sie erlaubt wie die bisherige Regelung Geschäften in 95 Urlaubsorten, ihre Türen an bis zu 40 Sonntagen im Jahr zu öffnen. In Kiel gilt das weiterhin nur stark eingeschränkt, nämlich für den Stadtteil Schilksee und den Falckensteiner Strand. „Die neue Regelung ist ein Erfolg für unser Land“, meinte Buchholz. In Gesprächen mit der Wirtschaft, den Kirchen und der Gewerkschaft Verdi habe man sich verständigt, den 2013 nach jahrelangem Streit ausgehandelten Bäder-Kompromiss bis 2023 zu verlängern. Demnach dürfen Läden in Urlaubsorten wie Malente, Laboe oder Eckernförde vom 15. März bis zum 31. Oktober und vom 17. Dezember bis zum 8. Januar sonntags im Zeitfenster zwischen 11 und 19 Uhr für jeweils sechs Stunden öffnen. Das gilt künftig auch für eine Geschäftsstraße im Kappelner Ortsteil Olpenitz. Im Gegenzug wurden andere Bereiche in Kappeln ausgeklammert. „Damit gibt es für die nächsten Jahre Rechtssicherheit“, betonte Buchholz. Das sei wichtiger, als die Sonntags-Sonderregelung auszuweiten. Auf Nachfrage bestätigte der Minister, dass es „natürlich Begehrlichkeiten“ gebe. Als Beispiele nannte er Kiel mit den Kreuzfahrtschiffen, Lübeck mit seiner Altstadt oder Neumünster mit seinem Designer Outlet Center. Solche Wünsche hätten aber bei Kirchen und Gewerkschaft keinen Widerhall gefunden, berichtete Buchholz. Später räumte er ein, dass er das Kiel-Problem im Bäder-Poker überhaupt nicht angesprochen habe. Kirchen und Gewerkschaften lehnten es ab, den Sonntagsschutz etwa für Kiel aufzuweichen. Mit der neuen Bäder-Verordnung könne Verdi gerade noch leben, sagte Vize-Landesbezirksleiter Michael Rüther. Die Regelung gehe bereits sehr weit. „Die Verfassung schützt den freien Sonntag als ein hohes gesellschaftliches Gut“, sagte der Bischof der Evangelischen Nordkirche für Schleswig und Holstein, Gothart Magaard. „Der am Runden Tisch besprochene Kompromiss von 2013 war an der Grenze dessen, was wir vertreten können“, sagte die Leiterin des Katholischen Büros Schleswig-Holstein, Beate Bäumer. Lob kam von der IHK Schleswig-Holstein. „Rechtssicherheit steht für unsere Mitgliedsunternehmen an erster Stelle“, so Hauptgeschäftsführer Jörn Ipsen. Die Möglichkeiten bei der Bäder-Verordnung seien ausgereizt, „auch wenn ein Mehr an einzelnen Punkten schön gewesen wäre“. Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord, Dierk Böckenholt. „Wir fahren mit der Regelung bisher sehr gut.“ Eine Sonntags-Öffnung in Kiel wäre für die Geschäfte kaum rentabel, weil die Kreuzfahrer Kiel meist zum Passagierwechsel anlaufen. „Da fehlt die Zeit für ausgiebige Einkaufsbummel.“ Im Kieler Rathaus hielt sich die Begeisterung in Grenzen. „Wir hätten es begrüßt, wenn es für die Kreuzfahrer in Kiel eine Lösung gegeben hätte“, sagte CDU-Fraktionschef Stefan Kruber. Die FDP hätte sich von ihrem Minister Buchholz ein bisschen mehr erhofft. „Eine Regelung für Kiel wäre schön gewesen“, sagte Fraktionsgeschäftsführer Peter Helm. Buchholz hätte aber keinen Spielraum gehabt. Für den Geschäftsführer Kiel-Marketing, Uwe Wanger, geht die Neuregelung „in Ordnung“. Er sei mit den derzeitig insgesamt vier stadtweiten Sonntagsöffnungen unter dem Motto „Kiel macht auf“ zufrieden. An einem Sonntag kämen rund 80 000 zusätzliche Besucher in die Stadt zum Shoppen. „Selbst 30 000 Kreuzfahrer wie einmalig an diesem Pfingstwochenende reichen nicht als Substanz für den Kieler Einzelhandel.“

Quelle: Kieler Nachrichten

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