Machen und nicht so lange reden

Karl-Christian Fleischfresser will sich dafür einsetzen, dass es in Laboe schneller vorangeht. Während seine Mitbewerber Wahlkampf machten, renovierte er die Vereienshütte des TVL

Laboe. Wenn die Laboer Gemeindevertreter sich zum ersten Mal in der neuen Besetzung zu ihrer konstituierenden Sitzung treffen, ist auch ein Einzelkandidat dabei: Karl-Christian Fleischfresser. Er holte aus dem Stand 5,37 Prozent und ist auf dieses Ergebnis auch mächtig stolz. Eigentlich, so rechnet Fleischfresser, holte er sogar 14,72 Prozent in seinem Wahlkreis 2. Dort war er mit 336 Stimmen der Direktkandidat mit dem höchsten Ergebnis – gefolgt von den Grünen-Bewerbern Martin Opp (263 Stimmen) und Michael Meggle (255 Stimmen). Alle anderen Direktkandidaten liegen weit abgeschlagen hinter dem Neustarter. „Ich glaube, die Laboer honorieren mein jahrzehntelanges Engagement für den Ort“, meint Fleischfresser. Und tatsächlich: „Kalli“ ist ein Macher, das wissen die Laboer seit Jahrzehnten. So lange setzt er sich für den Turnverein (jahrelanger Vorsitz), für den Verein Ole Schippn, die Schule, die Schwimmhalle und den Ort ein. Wo etwas zu tun ist, packt der 60-Jährige an. Selbst im Wahlkampf, als alle anderen Kandidaten an den Wahlständen um Stimmen warben, stand er im Blaumann auf der Leiter und strich die Hütte des Turnvereins. Er war es auch, der den ersten Bürgerentscheid für die Schwimmhalle maßgeblich initiiert und als Motor begleitet, auch den zweiten dann aktiv unterstützt hatte. „Wir haben beide Male gewonnen, und nun muss es doch irgendwie weitergehen. Ich kann doch jetzt nicht die Hände in den Schoß legen“, sagt er. In der Gemeindevertretung hat er bereits Erfahrung. In den 1990er-Jahren gehörte er ihr für die Laboer Wählergemeinschaft (LWG) an. Dort klopfte er nun auch an die Tür, war bei Versammlungen dabei, führte Gespräche. Aber: „Es passt nicht“, berichtet er. Zu viele Positionen seien zu unterschiedlich – allen voran das Thema Schwimmhalle. „Ich möchte sie erhalten, sie wollen sie schließen“, so Fleischfresser. Dann ist da das Thema Hafenpavillon: „Sie wollen einen Investor holen, ich möchte das Gebäude so, wie es jetzt ist, für die kleinen Läden und den Verein Ole Schippn erhalten.“ Also entschied er sich Ende Januar, allein anzutreten – „frei von LWG, frei von SPD, frei von CDU, frei von den Grünen“, wie er auf seinen kleinen Flyer schrieb. „Zwei Nächte hab ich nicht gut geschlafen, dann habe ich meine Frau überzeugt und dann hab ich wieder gut geschlafen“, erinnert er sich. Zeit für Familie, die zwei Enkelkinder und Hobbys bleibe ihm trotzdem, meint er. Denn in eineinhalb Jahren geht der Sparkassen-Betriebswirt in den Ruhestand. Der große Zuspruch gab ihm Recht, motiviert ihn und macht ihn stolz. Es zeige, dass viele in Laboe nach Alternativen suchen zu den klassischen Parteien. „Ich konnte ja nur in meinem Wahlkreis kandidieren. Nur dort konnten mich die Menschen wählen“, sagt er. Sonst hätten ihm vermutlich noch viel mehr Laboer ihre Stimme gegeben, ist er überzeugt. Wie geht’s nun weiter? „Ich habe schon mit einigen Vertretern der anderen Parteien gesprochen. Alle müssen nun erst einmal das Ergebnis verdauen, dann muss man miteinander reden. Ich bin für alles offen“, so Fleischfresser. Er will vor allem eines bewirken: „Es muss doch in Laboe mal schneller vorangehen. Die Entscheidungen dürfen nicht so lange dauern“, sagt er. Beispiel: „2008 wurde das alte Schulgebäude abgerissen. Bis heute ist nichts passiert, die Fläche ist seit zehn Jahren nicht genutzt. Parkplätze werden dort dringend gebraucht.“ Sein Motto für die künftige Ortspolitik: „Es darf nicht so lange geredet, sondern es muss gemacht werden.“

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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