Ein grüner Bürgermeister für Laboe

Marc Wenzel (Die Grünen) ist der neue Bürgermeister in Laboe. Seiner Vorgängerin Ulrike Mordhorst dankte er mit Blumen für die Arbeit in den vergangenen drei Jahren. Foto: Astrid Schmidt

 

LABOE. Das Ostseebad Laboe hat einen neuen Bürgermeister. Marc Wenzel (Die Grünen) wurde auf Anhieb mit zehn von 17 Stimmen ins Amt gehoben. Er bedankte sich bei der scheidenden Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst mit Blumen und anerkennenden Worten. Für die SPD hatte überraschend Tobias Slenzek und nicht, wie zuvor angekündigt, Inken Kuhn kandidiert. Er erhielt drei Stimmen. Nach zweieinhalb Stunden, mehreren langen Sitzungsunterbrechungen und internen rechtlichen Beratungen waren dann auch die vier Stellvertreter gewählt, ernannt und vereidigt. Enttäuschung gab es bei dem fraktionslosen Einzelbewerber Karl-Christian Fleischfresser. Die SPD schickte nicht, wie angekündigt, Kuhn ins Rennen um das Bürgermeisteramt, sondern den Ortsvorsitzenden Slenzek. Kuhn begründete ihren Rückzug damit, dass die ortspolitische Stimmungslage gegen sie spreche. Die Wahl des Bürgermeisters erfolgte auf Antrag des CDU-Gemeindevertreters Günter Petrowski geheim. Die Grünen waren stärkste Kraft geworden. „Diese Verantwortung werden wir tragen, und dazu bin ich bereit“, sagte Wenzel. Auf die Frage, wie er dieses zeitintensive Ehrenamt als Berufstätiger ausüben wolle, sagte der 58-Jährige, er sei Geschäftsführer eines kommunalen Verbandes, der einem politischen Engagement sehr aufgeschlossen gegenüber stehe. „Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen, setze aber auch auf die Amtsverwaltung und meine Stellvertreter.“ Davon gibt es nun in Laboe gleich vier statt bisher drei. Dazu wurde die Hauptsatzung mit zehn Stimmen geändert. Erste Stellvertreterin ist Annette Kleinfeldt (LWG, 13 Stimmen), zweiter Stellvertreter ist Günter Petrowski (CDU, einstimmig) und dritte Stellvertreterin ist Kuhn (SPD, 14 Stimmen). Zoff gab es um die Personalie des vierten Stellvertreters. Mit drei Vertretern seien bisher die Fraktionen abgebildet worden, nun wolle man auch dem Einzelbewerber Fleischfresser die Möglichkeit geben, „für mehr Informationsfluss von den Bürgern ins Rathaus“ zu sorgen, sagte Ina Burbank (Grüne). Sie begründete die Haltung mit dem „Respekt“ vor dem Wahlergebnis Fleischfressers. Mit mehr als 300 Stimmen hatte er das beste Einzelergebnis bei der Kommunalwahl eingefahren. Fleischfresser hatte sich als „fraktionsloser Einzelkandidat“ erklärt. Folge: Er hat keinen Anspruch auf einen Sitz in einem Ausschuss. Um das Stellvertreteramt habe er gebeten, um mehr Bürgernähe ins Rathaus zu bringen. „Ich bin viel im Ort und in Vereinen unterwegs und bitte die Fraktionen, meinen Wunsch zu unterstützen“, sagte Fleischfresser. Doch dazu kam es nicht. Die Grünen verzichteten zwar auf das ihnen zustehende Vorschlagsrecht. Anders aber die CDU. Nach einer Sitzungsunterbrechung stellte sie mit Jörg Erdmann überraschend einen eigenen Kandidaten auf. Nach weiteren Anwärtern etwa von der LWG, die dank gleicher Sitzanzahl ebenfalls ein Zugriffsrecht hatte, wurde jedoch nicht gefragt, und die LWG schlug auch niemanden aus ihren Reihen vor. Die Wahl wurde eröffnet, vier CDU-Vertreter hoben für Erdmann die Hand. Hände der anderen Fraktionen, die gegen Erdmann votieren wollten, zuckten bereits. Doch vergebens: Eine Abfrage nach Gegenstimmen sieht die Gemeindeordnung nicht vor. Die Sitzung wurde unterbrochen. Amtsdirektor Sönke Körber und Angela Grulich vom Amt Probstei studierten die Gemeindeordnung, zogen sich mit den Fraktionsspitzen zurück – und erklärten die Wahl Erdmanns für gültig. Für den fraktionslosen Fleischfresser war damit der Weg zu einem Stellvertreterposten versperrt. Denn nur wenn alle anderen Fraktionen darauf verzichtet hätten, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, hätte er gewählt werden können. „Die fehlende Nachfrage nach weiteren Kandidaten führt nicht zur Ungültigkeit der Wahl“, sagte Körber. Betretene Gesichter gab es nicht nur bei Politikern, sondern auch bei den Zuschauern. Mit vier von 17 gewählt? Grulich zitierte aus dem Gesetz: „Nein-Stimmen haben keinen Stimmwert.“ 

Sitzverteilung der Gemeindevertretung Laboe

17 Sitze:

5 Grüne

4 CDU

4 LWG

3 SPD

1 Einzelbewerber

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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