"Geduld ist gefragt"

Die Hafenkante ist der Lieblingsplatz des neuen Bürgermeisters Marc Wenzel.

 

LABOE. Marc Wenzel wünscht sich eine neue Schwimmhalle in Laboe, neue touristische Angebote im nördlichen Bereich der Promenade und eine bessere Kinderversorgung. Außerdem hofft der neue Bürgermeister von Laboe auf einen anderen Arbeitsstil im Gemeinderat und mehr vorausschauendes Handeln. Was hat sich persönlich für Sie geändert, seit Sie Bürgermeister sind? Marc Wenzel: Ich bin zunächst einmal deutlich weniger zu Hause. Es war für mich sehr überraschend, wie viele Themen dringend einer Entscheidung bedürfen. Anders als in meinem Beruf kann ich vieles aber nicht einfach allein entscheiden. Also ist Geduld gefragt. Aber es zeigt sich auch, dass man als Bürgermeister darüber hinaus trotzdem viele Gestaltungsmöglichkeiten hat, und das finde ich sehr spannend. Sie sind als grüner Kandidat angetreten für eine Übergangszeit, weil sie Platz für einen hauptamtlichen Bürgermeister machen möchten. Was tun Sie, wenn die Gemeindevertretung sich doch nicht auf eine Rückkehr zur Hauptamtlichkeit einigt? Ich gehe davon aus, dass in der Sitzung am 29. August die Entscheidung für die Hauptamtlichkeit fällt. Wenn das wider Erwarten nicht passieren sollte, würde ich ehrenamtlicher Bürgermeister bleiben und müsste dann beruflich kürzer treten. Der Arbeitsstil und der Umgang miteinander in den Ausschüssen und in der Gemeindevertretung werden immer wieder kritisiert. Haben Sie Ideen, wie es künftig besser laufen könnte? Ich bin ganz zuversichtlich, dass es besser wird. Am 29. August wird es vielleicht noch einmal turbulent, aber dann kommen wir zu den Sachthemen. Ich denke, dass die geringe Anzahl an Gemeindevertretern der Arbeit insgesamt gut tun wird. Ich möchte, dass die Ausschüsse mehr Gewicht bekommen und die Gemeindevertretung nicht alles wieder in Frage stellt. Die fachliche Diskussion sollte in den Ausschüssen und nicht mehr in der Gemeindevertretung stattfinden. Die Sitzungen sollten möglichst nicht länger als zwei Stunden dauern. Was ist für Sie aktuell die wichtigste Aufgabe in Laboe? Die größte Herausforderung für mich als Freund der Schwimmhalle ist es, zu vermitteln, dass diese Halle keine Zukunft mehr hat. Es ist bitter, aber ich werde wohl als grüner Bürgermeister diese Halle schließen müssen. Gleichzeitig möchte ich umsetzen, was die Laboer in zwei Bürgerentscheiden durchsetzen wollten. Ich setze mich für eine Schwimmhalle am Standort Laboe ein. Dazu müssen wir ein Konzept erarbeiten und dann die Umlandgemeinden um Hilfe bitten. Laboe muss aber vorangehen. Im Herbst würde ich dazu gern eine Einwohnerversammlung einberufen. Welche Themen sind aus Ihrer Sicht noch besonders wichtig in Laboe? Durch das große Neubaugebiet am Ortseingang werden viele Menschen zu uns kommen. Deshalb brauchen wir nicht nur einen neuen Kindergarten, das wird auch Auswirkungen auf die Schule haben. Wir müssen zum Beispiel das Angebot der Offenen Ganztagsschule, das sehr gut angenommen wird, ausweiten. Ein ausreichendes Platzangebot zur Kinderbetreuung wird immer wichtiger. Ein anderes Thema sind die Seenotretter, die für Laboe sehr wichtig sind. Die Mole ist abgängig. Wenn wir den Standort für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger halten wollen, müssen wir uns darum kümmern. Laboe ist als Urlaubsort sehr bekannt, die Promenade ist zu jeder Jahreszeit gut besucht. Was muss getan werden, damit das auch langfristig so bleibt? Wir müssen die touristische Infrastruktur an die Bedürfnisse der Menschen anpassen. In dem Bereich zwischen der Schwimmhalle und dem Ehrenmal sollte etwas Neues entstehen, das auch andere Zielgruppen als bisher anspricht. Dazu habe ich schon viele Gespräche geführt, die mich positiv in die Zukunft schauen lassen. Das Gespräch führte: Thomas Christiansen

Quelle: Ostholsteiner Zeitung

 

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