Die Retter suchten vergeblich

Vom Seenotretter-Boot "Steppke" gingen am Mittwoch zuletzt Taucher auf die Suche nach dem vermissten Schwimmer.

 

KIEL/LABOE. Am Tag nach der dramatischen Suchaktion in der Kieler Förde gibt es fast keine Hoffnung mehr, den 31- jährigen Schwimmer noch lebend finden zu können. Die Wasserschutzpolizei fährt das Gebiet zwischen den Kieler Stränden, Strande und Laboe am Donnerstag allerdings noch regelmäßig ab, so ein Sprecher. David Böck hatte den Einsatz für die DRK-Wasserwacht vom Falckensteiner Strand aus geleitet: Um 14.40 Uhr habe der Strandwachleiter in Laboe von dem Vermissten erfahren, berichtet er. „Wir starteten dann eine schnelle Eigensuche“, sagt Teamleiter Florian Liebscher. Die blieb erfolglos, um 14.50 Uhr „habe ich den roten Knopf gedrückt“, so Böck: Er informierte Wasserschutzpolizei, DGzRS-Kreuzer „Berlin“ in Laboe und die Seenotrettungsleitstelle in Bremen. Was passiert war, ist noch nicht in Gänze geklärt: Laut Polizei Kiel war der Schwimmer nicht aus dem Wasser zurückgekehrt. Die Seenotretter gingen davon aus, dass er mit einer Begleitung zur Badeinsel schwimmen wollte, aber umgekehrt und dann nicht an Land angekommen sei. Ab 15 Uhr suchten immer mehr Einheiten die Förde ab, ein Rettungshubschrauber der Marine auch aus der Luft. „Wir haben am Strand eine Suchkette organisiert. Die funktioniert wie eine Perlenkette“, sagt Böck. Auch Passanten hätten sich beteiligt – und immer wieder die Wasserwacht angesprochen, ob sie helfen könnten. Bis in den Abend hofften die Rettungskräfte auf ein Lebenszeichen. Ab 19 Uhr waren zuletzt noch Taucher auf der Suche nach der Person. Doch um 21 Uhr wurde sie ohne Erfolg abgebrochen. Man gehe nicht davon aus, dass der Schwimmer lebend gefunden wird, so der Sprecher der Seenotretter, Ralf Baur. Am Tag danach kündigte Matthias Felsch, Sprecher der Polizeidirektion Kiel, an: „Die Wasserschutzpolizei wird sicher immer wieder in das Gebiet fahren.“ Der Schwimmer, so Felsch, soll nicht aus der Region kommen. Mehr Details seien aber nicht bekannt. Ist das Baden vor Laboe besonders gefährlich? Nein, die Badeinsel liege innerhalb des mit Tonnen gekennzeichneten Schwimmbereichs des Ostseebades, sagt Christoph Freier, der für die Wasserwacht in Laboe war. Dort sei das Wasser etwa fünf bis sieben Meter tief. Eigentümlich für Laboe sei lediglich, dass es sehr lange flach in die See geht und anschließend steil abfällt. „Dafür, dass hier so viele Menschen baden, passiert relativ wenig“, sagte er über die geschützte Lage dort. Der letzte tödliche Unfall in der Badesaison habe sich vor drei Jahren ereignet. „Man sollte stets vorab einschätzen, ob man sich das Herausschwimmen zutraut“, sagte Thies Wolfhagen, DLRGLandesgeschäftsführer. Es sei auch möglich, sich bei Rettungsschwimmern zu informieren. Wichtig sei, bestenfalls nicht alleine zu schwimmen, zumindest andere anzusprechen: „Hab mal ein Auge auf mich.“ Sollte jemand von der Strömung erfasst werden oder Probleme bekommen: „Keine Panik aufkommen lassen.“ Gegebenenfalls bringe es mehr, sich kurz treiben zu lassen, um dann mit Kraft lautstark und sichtbar auf sich aufmerksam machen zu können. „Ertrinken sieht vom Land oft gar nicht wie Ertrinken aus“, so Wolfhagen. Wer einen Notfall beobachtet, sollte nicht alleine und ohne Auftriebskörper zur Rettung eilen. Der sei auch wichtig, um bei einer Überreaktion die gerettete Person auf Distanz zu halten. Andere – vor allem Rettungsschwimmer oder „112“ – vorab über den Notfall zu informieren, sei aber unverzichtbar. „Lieber einmal zu viel“, sagte Wolfhagen. Die Rettungsschwimmer befolgten stets ihre Alarmierungskette. Am Ende stehe die große Suchaktion. VON NIKLAS WIECZOREK

Quelle. Kieler Nachrichten

 

Zurück