Tief eingetaucht ins Badeleben

Die Ansichtskarte von Julia Mann aus Laboe löste die Recherchen der Archivgruppe aus: (unten von links) Uwe Naumann, Peter Dittmer, Volkmar Heller u. Klaus Schnoor Foto: Christiansen

Eine Postkarte von Julia Mann, der Mutter von Thomas und Heinrich Mann, von 1905 aus Laboe war der Auslöser für eine Doppelausstellung, die heute im Freya-Frahm-Haus eröffnet wird. Sie zeigt Die Manns und das Meer und erzählt vom Badeleben zur Kaiserzeit. „Diese Postkarte trudelte bei uns ein“, erklärt Volkmar Heller. Sie weckte das Interesse der Archivgruppe Laboe, zumal die Adresse Hafenstraße 45 Rätsel aufgab: „Die Adresse gab es eigentlich nicht.“ Tatsächlich handelte es sich um ein Haus, das erst 1904 neu erbaut worden war. Volkmar Heller und seine Kollegen Peter Dittmer und Klaus Schnoor, die seit neun Jahren zusammen in der Archivgruppe aktiv sind, fragten sich, was diese „Seebad-Erfahrene, begüterte“ Julia Mann ausgerechnet nach Laboe führte. Während die Archivgruppe jetzt recherchierte, wie Laboe damals aussah, widmete sich der Mann-Experte Uwe Naumann, der seit mehr als 30 Jahren als Lektor im Rowohlt Verlag die Werke von Klaus und Erika Mann betreut, nun auch dem Aufenthalt von Julia Mann in jenem Ort, der seine eigene „Kindheitsliebe“ war. „Die Manns und das Meer, das ist eine fast unendliche Geschichte“, meint Naumann. Er machte in der Ausstellung daraus eine „Jahrhundertgeschichte“, die bis zu der „Meerfrau“ Elisabeth Mann Borgese, die sich der Erforschung und dem Schutz der Meere widmete. Zu dem frühen Badeleben in Laboe fand die Archivgruppe eine große Fülle an Bildern und Dokumenten, von denen nur eine kleine Auswahl in der Ausstellung gezeigt werden kann. Nachdem 1751 in England das Badeleben begann und 1791 Bad Doberan das erste deutsche Seebad war, ging es in Laboe im Jahr 1875 los – obwohl es damals noch kaum Häuser und vor allem kaum eine Infrastruktur gab. „Hinter der Strandstraße war alles Sumpf, Wiesen und Weiden“, sagt Heller. Erst ganz allmählich entwickelte Laboe sich dann „von einem etwas verschlafenen, aber auch idyllischen Bauern- und Fischerdorf zu einem attraktiven Seebad“, erklärt Heller. Julia Mann verbrachte zwei Sommer in Laboe, 1905 und 1906, zusammen mit ihren Kindern Carla und Viktor. Warum sie sich für Laboe entschied, hat auch Naumann nicht klären können. Vielleicht habe es damit zu tun, dass ihre Tochter Carla damals als Schauspielerin am Theater Flensburg engagiert war. „Eine andere Erklärung habe ich nicht – noch nicht“, sagt er. Auf jeden Fall gefiel Julia Mann nicht alles in Laboe. Die Schießerei der übenden Marine störte sie enorm: „Nun geht das Scharfschießen wieder los; heute frühstückte ich unter Kanonendonner, wobei ich und alle Gegenstände im Zimmer zittern“, schrieb sie 1906 auf eine Postkarte an Heinrich Mann.  

Freya-Frahm-Haus Laboe, Strandstraße 15. Eröffnung heute Abend, 19 Uhr. Bis 9. September, Mo-Mi 14-18 Uhr, Do 14-17 Uhr, Fr+Sa 14-18 Uhr, So 13-18 Uhr. Eintritt frei. Am Mittwoch, 29. August, 19.30 Uhr, spricht Uwe Naumann über „Die Manns und das Meer“. Mi, 5. September, 19.30 Uhr, referiert Volkmar Heller über das „Badeleben zur Kaiserzeit“     

 

Quelle: Kieler Nachrichten

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