Kampf um Laboer Schwimmhalle geht weiter

Hier wurde Klartext geredet: "Es tut mir weh, dass unsere Halle so kampflos aufgegeben wird. Wo ist der Widerstand hin?", fragte Maren Biewald vom Förderverein. Foto Astrid Schmidt

Laboe. Was als Bilanz des neuen ehrenamtlichen Bürgermeisters Marc Wenzel (Grüne) begann, endete als glühendes Plädoyer für den Erhalt der Laboer Schwimmhalle. Rund 100 Einwohner waren in die Turnhalle gekommen – die Mehrzahl davon Befürworter der Meerwasserschwimmhalle. Denn das Thema war neben Allgemeinem einziger inhaltlicher Tagesordnungspunkt. Fazit: Viele Laboer wünschen sich, dass die Gemeindevertreter sich des Themas Hallenbad noch einmal annehmen und ein Konzept entwickeln, wie die Halle erhalten werden kann. Roland Hoja appellierte an die Anwesenden: „Lasst uns hier in Laboe das Ding stemmen!“ Er regte an, eine Gruppe ins Leben zu rufen, die ein Konzept entwickelt. „Und nicht nur ein Versorgungsbad, sondern eines für die touristische Nutzung.“ Dafür plädierte auch Maren Biewald vom Förderverein: Es sei frevelhaft, touristische Einnahmen außen vor zu lassen. „Es tut mir weh, wie hier kampflos unsere Halle aufgegeben wird. Wo ist denn der Widerstand geblieben? Nach zwei Bürgerentscheiden?“, rüttelte sie die Zuhörer auf. Viele Konzepte des Vereins seien in der Schublade verschwunden. „Wir würden das Marketing übernehmen und uns auch finanziell an fachlichen Expertisen beteiligen“, bot Biewald an. Auch Karl-Christian Fleischfresser sieht eine Sanierung der Halle als notwendig an. Auf das Argument des Bürgermeisters, es bliebe dennoch bei dem jährlichen Defizit von 500 000 Euro für die Betriebskosten, sagte er: „Es wäre mir 300 000 Euro wert, als Gemeindevertreter die Hand dafür zu heben, dass wir in Laboe die Schwimmhalle erhalten.“ Thomas Eschenlauer, einer der wenigen, die einen Fortbetrieb aus Kostengründen ablehnen, betonte, es gebe jetzt die Chance, gemeinsam mit anderen Gemeinden eine neue Halle als Lehrschwimmbad zu bauen, allerdings nicht in Laboe. „Geht es um das Schwimmen in der Region? Oder geht es doch um den Tourismus? Dann sagen sie das ehrlich“, forderte er die Anwesenden auf. Wenzel, selbst Befürworter der Schwimmhalle, erklärte, er müsse als Bürgermeister neutral agieren und nun die traurige, aber realistische Botschaft vermitteln. „Ich sehe keine Perspektive, dass wir diese Schwimmhalle retten können“, sagte er. Ein Jahr lang sei der Hallenbetrieb noch gesichert, dann werde es auf eine Schließung hinauslaufen. Er bezweifle auch, dass ein dritter Bürgerentscheid Erfolg haben werde. „Die Besucherzahlen sinken weiter“, schilderte Wenzel die Entwicklung. Er sehe keine Tendenz, dass ein Zweckverband die Halle in Laboe unterstützt. „Das bedeutet, wir bleiben mit unserer Schwimmhalle allein“, sagte Wenzel. Denn der „Hilferuf an die Umlandgemeinden ist nun anders gelaufen als gedacht“. Dort gehe der Trend zu einem reinen Versorgungsbad (Lehr- und Schulbecken) an einem anderen Standort als Laboe, erläuterte Wenzel. Zuletzt hatte die Gemeinde Schönberg, wie berichtet, signalisiert, sich an einem Zweckverband oder anderer gemeinschaftlicher Trägerschaft beteiligen zu wollen und auch den Standort Schönberg als wünschenswert bezeichnet. Die Schönberger seien vorgeprescht, weil Laboe kein Konzept vorgelegt habe und die Umlandgemeinden den Eindruck hätten, in Laboe tue sich nichts, hieß es aus dem Zuhörerkreis. Eine Sanierung am Standort wird von den Gutachtern nicht empfohlen. Dafür wurden 2016 Kosten von rund neun Millionen Euro errechnet. „Dafür gibt es in der Gemeindevertretung keine Mehrheiten“, so der Bürgermeister. Doch die Bürger fragten: „Was müssen wir tun, damit die Gemeindevertreter sich mit dem Thema noch einmal beschäftigen?“ Wenzel empfahl: „Begeistern sie ihre gewählten Vertreter von der Idee. Ein Jahr bleibt noch Zeit, um kreative Konzepte zu entwickeln.“ Von Astrid Schmidt

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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